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Kein neuer Film-Frühling

Bereits in den dreißiger Jahren erklärte Hermann Broch das naive „Geschichtel-Erzählen" für unzeitgemäß und passe. Er würde sich angesichts der Filmentwicklung gewundert haben, wie zählebig sich Stilformen des 19. Jahrhunderts im modernsten aller Kunstmedien gehalten haben. Während die zeitgenössische Malerei alle Konsequenzen der Komplexität des 20. Jahrhunderts gezogen und adäquate Ausdrucksmittel geschaffen hat, ist ein Großteil des Kinos „rückständig". Helmut Dimko, Viennale-Verantwortlicher, spricht auch vorsichtig von der Präsentation des Films als „Kultur", nicht als „Kunst".

In der renovierten Wiener Urania freilich sah man viele internationale und konventionelle Streifen, die ohnehin in unsere Kinos kommen: Hollywood-Ästhetik für ein Millionenpublikum. Daneben lag ein anderer Schwerpunkt bei Filmen aus den Oststaaten. Es ist interessant: Während ebendort ein Trend zu schöner Ästhetik und nostalgischer Vergangenheitsbewältigung vorzufinden ist, entdeckt man beim neuen österreichischen Film, dem man auch Rechnung trug, den Hang zum „sozialistischen Realismus" („Atemnot" von Käthe Kratz, „Drinnen und Draußen" von Andreas Gruber). Hier Alltags-Schicksale, dort Jahrhundertwende-Epen. Und allemal wird meist einfach, geradlinig und ohne Raffinesse erzählt. Ausnahmen bildeten die experimentellen Arbeiten von Chris Marker („Sans Soleil") und des Cineaktionisten Peter Weibel samt Valie Export.

Exotisches vermittelten Filme aus Japan, Taiwan und China, seltene Filmklassiker gab es zu sehen („Eingemottetes" von Hitch-cock) und schließlich eine amüsante Schau von „Kino, wie es keiner mag" — Zusammenschnitte von den schlechtesten Filmen, in voller Kitschgröße vorgeführt. Harte Kost aus der Dritten Welt, aus Terror, Diktatur und Kriminalität bot der Filmladen mit seinem Zyklus .Miktion und Wirklichkeit".

Dagegen nahmen sich nun die offiziellen Spielfilme harmlos aus: Kindheitserinnerungen (wie z. B. „Der Süden" von Victor Eri-ce), Liebesgeschichten („Benvenuta" von Andre Delvaux) oder banale Familiendramen („A nos amours" von Maurice Pialat). Höhepunkte waren sicherlich „De bal" (Ettore Scola) - eine poetische Filmpantomime, weiters „Nostalghia" (Andrej Tarkowski) — eine metaphysische Symbolwelt, oder Fellinis „E la nave va", auch wenn diese Geschichte einer seltsamen Seereise den vitalen Atem des Meisters vermissen läßt. Godards „Prenom: Carmen" zeigte gefilmte Kinophilosophie des femininen Mythos. Immerhin wird hier deutlich, was Film auch sein kann: nicht nur bebilderte Literatur, sondern eigenständige Bildsprache. Man muß sich wohl zähneknirschend damit abfinden, daß Kino meistens den Märchenerzähler ersetzt, bestenfalls den Chronisten — und daß autonome „Kunst" nur als Sonderfall dieser Bildindustrie anzusehen ist.

Wo Gegenwart verdrängt, Zukunft nicht gesehen werden kann oder will, macht sich die Sehnsucht nach der alten, wenn auch nicht guten Vergangenheit breit (sei es persönlich, sei es national). Auch will Erinnerung gestillt sein. Und der geheime, sehr zweifelhafte Wunsch, aus dem Gestern zu lernen. So zeigte Ungarn in „Die Revolte des Hiob" die ländliche Welt der Theiß-Gegend vor den Nazis, zeigte Bulgarien in „Hotel Central" ein Provinznest um 1934, zeigte die CSSR die Monarchie-Sage einer ausgebeuteten Bauernfamilie („Die tausendjährige Biene"), zeigte Tadeus Konwicky nach einem Text von Nobelpreisträger Czeslaw Milosz die Welt des „alten" Polen („Dohna Issy"), und zeigte letztendlich der polnische Streifen „Synthe-za" die Parabel vom unverbesserlichen Diktator.

So heißen also die Strömungen bei dieser Viennale-Film-Aus-wahl: Charakterstudien und Gesellschaftsbilder, sei es Ost, sei es West. Vielfach müssen Theaterstoffe zur Verfilmung herhalten CJ. Cassavetes „Love Streams", Gleb Panfilovs „Valentina").

Nach wie vor also gebärdet sich der Film „parasitisch" — die' Nachbarkünste aussaugend und nur in seltenen Fällen wirklich selbst produktiv. Da wird in seinem Abbildungscharakter der Dokumentarfilm schon sich selbst gerechter — Beispiel: die poetische Dokumentation „Mailand 83" von Ermanno Olmi. Pulsierendes Leben, untersucht auf seine Rituale. Film-Ethnologie, auf uns selbst angewandt. So erwiesen sich vielfach die Doku-mentarstreifen und Kurzfilme als die erfrischendsten Erlebnisse des Festivals.

Nicaraguo hat sich in einem ungeheuer leidvollen Kompf von einem diktatorischen Regime befreit. Und versucht einen neuen Weg in die Demokratie zu finden. Jeder Fehler, den dieses Land auf diesem schwierigen Weg beging, wurde ihm als Verrat an der Demokratie angekreidet.

Dadurch wurde Nicaragua zum Spielball der Supermächte. Ein Land, dos sich nichts mehr ersehnt als den Frieden, wird von Haß und Gewalt überschwemmt.

Ein Land, dos nichts mehr braucht als einen friedlichen Wiederaufbau, wird von Banden terrorisiert, die bisher Schäden in der Höhe von 20 Milliarden Schilling angerichtet haben. Ganze Regionen werden entvölkert, weil Sauern auf den Feldern erschossen und Dörfer vernichtet werden.

Die Menschen flüchten quer durchs Land auf der Suche noch einem Platz zurh überleben. Hier wollen wir helfen, so gut wir können.

Die Caritas errichtet an den HauptflüchHings-routen insgesamt 7 Labe- und Erholungslager, damit diese Menschen, die zu Fuß mit ihrer ganzen Habe unterwegs sind, medizinische Betreuung und Nahrungsmittel erhalten. Sie können sich in diesen Zentren sammeln und ausruhen.

Damit steht die Caritas Menschen in einer erschütternden Situation bei. Gibt ihnen ein wenig Geborgenheit und das Wissen, daß ihr Schicksal anderen Menschen auf dieser Welt nicht egal ist. Daß die demokratischen Länder der Erde Nicaragua auf seinem hoffnungs- und dornenvollen Weg in die Demokratie beistehen.

Helfen Sie mit. Helfen Sie aus Ihrer gesicherten Situation heraus diesen Menschen, eine bessere Zukunft zu bauen. Setzen Sie ein Zeichen. Jetzt. Denn wer Hoffnung gibt, schenkt Leben.

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