Klartext

Greta und der Nobelpreis

1945 1960 1980 2000 2020
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Greta Thunberg hat den Friedensnobelpreis nicht bekommen. Obwohl sie bei allen Buchmachern als Favoritin galt! Darf ich sagen, dass dies für mich die beste Nachricht in dieser in Nachrichtenhinsicht schrecklichen Woche war? Einer Woche, in der wir den Terroranschlag auf die Synagoge von Halle nicht verkraften konnten und dann noch Erdoğans Offensive gegen die Kurden in Syrien irgendwie verarbeiten sollten.

Jetzt aber zu Greta: Ich finde es bewundernswert, wichtig und toll, wie sie sich für den Klimaschutz einsetzt. Als Journalistin finde ich es aber ebenso wichtig, dass sich mein Berufsstand erstens nicht mit extremen Haltungen in keiner Form identifizieren und zweitens niemals gemein mit einer Sache machen sollte, auch nicht mit einer guten. ,„Fridays for Future“ hat uns allen endlich klar gemacht, dass wir dieses Thema viel zu lange sträflich vernachlässigt haben. Eine gute Sache also. Extrem aber wird es, wenn die Bewunderung für eine 16-Jährige Züge einer Heiligenverehrung annimmt. Zur Zeit haben wir mehr Krieg als Frieden um den Klimaschutz. Kein Thema kommt mehr ohne Hinweis auf Umweltverträglichkeit aus. Aber überall, wo die Moral das Wort führt, stößt dies irgendwann moralinsauer auf. Die Frustrationstoleranz sinkt, eine sachliche Debatte ist nicht mehr möglich. SUV-Fahrer finden neuerdings Hasspostings an ihren Autos. Eltern an deutschen Schulen sind heillos darüber zerstritten, ob sie die Freitags-Demos ihrer Kinder unterstützen sollen. Warum muss es jeden Freitag um das gleiche Thema gehen? Wie wäre es, wenn sich die junge Generation an einem Freitag etwa gegen Rechtsextremismus einsetzt? Am nächs­ten für Solidarität mit den Juden? Zwischendurch auch mal für die liberale Demokratie und Meinungsfreiheit? Wenn es Greta schafft, Brücken in unserer Gesellschaft zu bauen und Positives für den Klimaschutz zu erreichen, hat sie den Friedensnobelpreis wirklich verdient.

Die Autorin ist Korrespondentin der ARD im Nahen Osten.

Greta Thunberg hat den Friedensnobelpreis nicht bekommen. Obwohl sie bei allen Buchmachern als Favoritin galt! Darf ich sagen, dass dies für mich die beste Nachricht in dieser in Nachrichtenhinsicht schrecklichen Woche war? Einer Woche, in der wir den Terroranschlag auf die Synagoge von Halle nicht verkraften konnten und dann noch Erdoğans Offensive gegen die Kurden in Syrien irgendwie verarbeiten sollten.

Jetzt aber zu Greta: Ich finde es bewundernswert, wichtig und toll, wie sie sich für den Klimaschutz einsetzt. Als Journalistin finde ich es aber ebenso wichtig, dass sich mein Berufsstand erstens nicht mit extremen Haltungen in keiner Form identifizieren und zweitens niemals gemein mit einer Sache machen sollte, auch nicht mit einer guten. ,„Fridays for Future“ hat uns allen endlich klar gemacht, dass wir dieses Thema viel zu lange sträflich vernachlässigt haben. Eine gute Sache also. Extrem aber wird es, wenn die Bewunderung für eine 16-Jährige Züge einer Heiligenverehrung annimmt. Zur Zeit haben wir mehr Krieg als Frieden um den Klimaschutz. Kein Thema kommt mehr ohne Hinweis auf Umweltverträglichkeit aus. Aber überall, wo die Moral das Wort führt, stößt dies irgendwann moralinsauer auf. Die Frustrationstoleranz sinkt, eine sachliche Debatte ist nicht mehr möglich. SUV-Fahrer finden neuerdings Hasspostings an ihren Autos. Eltern an deutschen Schulen sind heillos darüber zerstritten, ob sie die Freitags-Demos ihrer Kinder unterstützen sollen. Warum muss es jeden Freitag um das gleiche Thema gehen? Wie wäre es, wenn sich die junge Generation an einem Freitag etwa gegen Rechtsextremismus einsetzt? Am nächs­ten für Solidarität mit den Juden? Zwischendurch auch mal für die liberale Demokratie und Meinungsfreiheit? Wenn es Greta schafft, Brücken in unserer Gesellschaft zu bauen und Positives für den Klimaschutz zu erreichen, hat sie den Friedensnobelpreis wirklich verdient.

Die Autorin ist Korrespondentin der ARD im Nahen Osten.