Initiativen zur Klimarettung und zur Energiewende lösen Begeisterung aus, von Paris über G7 bis zum nationalen EAG. Eigentlich scheint die Arbeit fast getan. Green century. Doch wenn Ziele für Jahre wie 2030 oder 2050 genannt werden, weiß man, dass keiner der beteiligten Politiker noch im Amt sein wird. Und selbst wenn alle sofort die Ärmel aufkrempeln, fehlen Lösungen. Weltweit tragen Wind und Sonne derzeit etwas mehr als 3 Prozent zum Primärenergiebedarf bei - und dieses herzige Potenzial will man flugs so ausbauen, dass in wenigen Jahren ein Großteil der rund 84 Prozent fossiler Energie ersetzt werden kann? Überhaupt macht Strom nur 17 Prozent des Gesamtenergiebedarfs aus.

Die Techniker runzeln die Stirn und rechnen: Umstellung wesentlicher Teile des Nichtstromsektors auf Strom. Globale Lebensstandardsteigerung. Außerdem steigt der Strombedarf ohnehin rasant: E-Verkehr, Elektro-Alltag, die IT-Welt, Kryptowährungen und Streaming, Klimaanlagen. Für diesen Ausbau hat Europa keine Netze und keine Speicher bei Fluktuationen. Brauchbar wird wohl nur Wasserstoff sein (bzw. Methan), hergestellt aus grünem Überschuss-Strom. Noch mehr Kapazität. Und Reservekraftwerke zur Blackoutvermeidung. Ohne Vervielfachung des gegenwärtigen Volumens geht es nicht.

Mit ein paar Quadratmetern Fotovoltaik auf den Dachflächen und ein paar Wärmepumpen bleibt die Zukunft unklar. Es geht um die Deckung eines vielfachen Bedarfs, um Umwandlungsverluste, um Redundanzen für die Systemstabilisierung, um verdichtete Netze. Wir müssen vieles erst erfinden. Bis 2030 oder 2050 kratzen wir ein bisschen an der Oberfläche. Einstweilen Bluff und Selbstbluff. Global wird es (mit bekannten Folgen) eher ein black als ein green century. Der Autor ist Professor für Soziologie an der Universität Graz.

Der Autor ist Professor für Soziologie an der Universität Graz

FURCHE-Navigator Vorschau