Klartext

Immer wieder Österreich

1945 1960 1980 2000 2020
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Verzögerung gilt nicht als Spezialität von Wolfgang Fellner. Er bevorzugt die Überrumpelung. So hält er es bei seinen Talks auf oe24.tv. So hat er vor bald 13 Jahren Österreich lanciert. Sein vollmundig als Neuerfindung der Tageszeitung avisiertes Blatt erschien trotz gegenteiliger Beteuerungen schon am 1. September 2006. Einen Monat vor der Nationalratswahl. Rechtzeitig zum Anzeigengeschäft.

Also ist Skepsis angebracht, wenn Fellner nun den 26. Oktober als Starttermin für Radio Austria nennt, das erst zweite bundesweite private Hörfunkprogramm nach dem Krone-Kurier-Ableger KroneHit. Die Medienbehörde setzt dafür ein Ultimatum bis 20. November. Doch ursprünglich war ein Sendebeginn vor dem Sommer angekündigt. Das wirkt nach Sand im Getriebe oder ungewohnter Vorsicht. Fellner erinnert sich an seinen ersten großen Flop mit der Antenne Wien vor 21 Jahren.

Seitdem hat sich im Mediengeschäft viel geändert. Auch er. Nannte er einst die Presseförderung eine „Misserfolgsförderung“, stellt er sich heute um diese Subvention an. Statt der Geldvernichtung in den Pioniertagen des Privatradios wird es mittlerweile staatlich stattlich unterstützt. Aus dem durch die türkis-blaue Koalition enorm aufgestockten Privatrundfunkfonds fließen heuer – noch ohne Radio Austria – bereits 2,8 Millionen Euro an oe24.tv sowie regionale und lokale Fellner-Radios.

Fellner hat es also nicht eilig. Während sich die Wahlwerbung von herkömmlichen Massenmedien zu Social Media verlagert, trotzt sein Geschäftsmodell solchen Widernissen. oe24.at bezahlt inzwischen User dafür, dass sie zehn Sekunden auf einem Artikel verweilen. Unterdessen kassierte Österreich im ersten Quartal mehr Geld für Inserate aus den Ministerien als alle anderen – auch reichweitenstärkere – Tageszeitungen. Der Radiostart am Nationalfeiertag ist ein Hinweis auf die wahre Spur des Geldes.