Israel: Ein Versöhner. Gerade jetzt.

Die historische Altstadt von Akko mit ihrer Festungsanlage am Mittelmeer ist einer der schönsten Orte Israels. Als Touristen noch einreisen konnten, war die Kreuzfahrer-Stadt eines der beliebtesten Ziele. Auch weil am Hafen ein weltberühmter Koch sein
Fischlokal betreibt. Uri Jeremias, 76 Jahre, langer weißer Bart, blaue Augen, besser bekannt als Uri Buri. Am 11. Mai steht er vor den Trümmern seines Lebenswerkes. Sein Restaurant und auch sein „Efendi“-Hotel brennen lichterloh.

Die Hamas in Gaza hat einen Krieg mit Israel provoziert. Während Raketen abgefeuert werden, kommt es innerhalb Israels zu bürgerkriegsähnlichen Szenen. Dass Uri Buri Ziel der Extremisten wird, ist kein Zufall. Denn er steht für Versöhnung zwischen beiden Seiten. In seinen Betrieben arbeiten arabische Muslime und Christen Seite an Seite mit Juden. „Ich habe noch bei den Aufräumarbeiten überlegt, wie ich weitermachen kann“, erzählt er in perfektem Deutsch – seiner Muttersprache. Seine Eltern waren vor den Nazis ins damalige Palästina geflohen. „Mir war klar, dass meine Leute nach dem Brand vor dem Nichts stehen, wenn ich ihnen nicht weiter eine Perspektive biete. Außerdem habe ich immer noch das Verlangen zu zeigen, dass wir zusammenleben können und müssen.“ Jetzt hat Uri Buri ein Pop Up-Restaurant im Industriegebiet von Akko eröffnet. Hier beschäftigt er sein Team weiter, bis die Wiederaufbauarbeiten von Restaurant und Hotel in der Altstadt abgeschlossen sind.

Sein Motto: „Wenn einer sein Leben lang Pessimist ist und am letzten Tag erfährt, dass er falsch lag, hat er sein ganzes Leben versaut. Aber wenn einer Optimist ist und am letzten Tag merkt, dass das ein Fehler war, dann hat er nur einen Tag versaut.“ Gegen dieses Lebensrezept haben die Brandstifter von Akko keine Chance.

Die Autorin ist Korrespondentin der ARD im Nahen Osten.

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