Klimaschutz: Ins Tun kommen

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Sigrid Stagl plädiert für Entschlossenheit bei der Eindämmung der Klimagasemissionen.

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Sigrid Stagl plädiert für Entschlossenheit bei der Eindämmung der Klimagasemissionen.

Was haben Milton Friedman, 3589 andere US-amerikanische Ökonomen und Ökonominnen, vier frühere US-Notenbankchefs, die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, der BP-Konzern und die Schauspielerin Cate Blanchett gemein? Sie alle unterstützen eine Kohlenstoffsteuer. Die fast einhellige Meinung der Ökonomen ist, dass die Kohlenstoffbesteuerung der optimale Weg zur Verringerung der CO₂-Emissionen ist. Weltweit sind derzeit nicht einmal 25 Prozent der Emissionen in irgendeiner Form von Kohlenstoffbepreisung erfasst. Maßnahmen zur Eindämmung der Klimagasemissionen sind dringend nötig. Aufgrund der Covid-19-Sperren werden die Emissionen im Jahr 2020 wohl um 4,2 Prozent bis 7,5 Prozent zurückgehen, was nur ein kleiner Ausreißer ist. Wir brauchen eine nachhaltige Abflachung der Emissionskurve. Laut Weltorganisation für Meteorologie (WMO) gab es im Jahr 2019 einen „Wachstumsschub“ beim durchschnittlichen CO₂-Niveau, das um mehr als die durchschnittliche Rate der letzten zehn Jahre stieg. Dies zeigt, dass die Maßnahmen zur Emissionssenkung derzeit bei Weitem nicht ausreichen, um die schlimmsten Auswirkungen der Klimakatastrophe zu vermeiden.

Letzte Woche präsentierten Vizekanzler Werner Kogler und Klimaschutzministerin Leonore Gewessler nächste Schritte zur ökosozialen Steuerreform, wie die Erhöhung der Normverbrauchsabgabe für klimaschädliche Fahrzeuge und eine geringere Abgabe auf Bahnstrom. Im Jahr 2022 folgt die CO₂-Bepreisung. Notwendig, aber nicht ausreichend. Eine tiefgreifende Umgestaltung der Industrie-, Energie- und Verkehrssysteme ist erforderlich, um bis 2030 die Halbierung und dann weiter die Klimaneutralität zu schaffen. Es ist Zeit, ins Tun zu kommen.

Die Autorin ist Professorin für Umweltökonomie und -politik an der Wirtschaftsuniversität Wien.

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