Einen „Jahrhundert-Deal“ für Frieden in Nahost hatte US-Präsident Trump während seiner Amtszeit angekündigt. Als im Januar Inhalte verkündet wurden, strahlten er und Israels Premier Netanjahu in Washington um die Wette. Laut des US-Planes konnte Israel rund 30 Prozent des besetzten Westjordanlandes annektieren. Den Palästinensern bliebe demnach bei guter Führung ein zerrissener Flickenteppich als Staatsgebiet. Ab Juli wollte Netanjahu mit der Annexion beginnen. Aber es lief nicht plangemäß. Die Siedler-Vertreter waren zerstritten. Den einen ging der Plan zu weit, den anderen nicht weit genug. Die EU und die arabischen Staaten warnten vor einer Eskalation. Große Aufmerksamkeit erregte der Botschafter der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), der in einem offenen Brief erklärte, dass es erste Schritte einer Normalisierung zwischen Israel und arabischen Ländern gebe. Aber eine Annexion würde „Schockwellen durch die Region“ senden.

Auch eine Mehrheit der Israelis fragte, warum in Zeiten der zweiten Corona-Welle und einer Rekordarbeitslosigkeit ausgerechnet das Thema Annexion Priorität haben sollte. Nun ist plötzlich alles anders: Trump verkündet, dass er einen Friedensvertrag zwischen Israel und den VAE eingefädelt hat. Dafür setzt Israel die Annexionspläne vorerst aus. Erst stachelt Trump Israel zur Landnahme an, jetzt lässt er sich feiern, dass diese suspendiert wird. Trotzdem: Jede Beruhigung zwischen Israel und seinen Nachbarn ist sehr erfreulich. Trump hat zwar keinen Jahrhundert-Frieden gebracht aber immerhin Bewegung in den eingefahrenen Prozess. Wie dieser weiterverläuft, wird davon abhängen, ob die gedemütigten Palästinenser wieder einbezogen werden können.

Die Autorin ist Korrespondentin der ARD im Nahen Osten.

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