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Kleine Zeitung: 80 Jahre „jung"

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80 Jahre „Kleine Zeitung" Steiermark; 30 Jahre „Kleine Zeitung" Kärnten; 25 Jahre Wiener Redaktion: Österreichs größte Bundesländerzeitung hatte dieser Tage in der Tat Anlässe genug zum Feiern.

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80 Jahre „Kleine Zeitung" Steiermark; 30 Jahre „Kleine Zeitung" Kärnten; 25 Jahre Wiener Redaktion: Österreichs größte Bundesländerzeitung hatte dieser Tage in der Tat Anlässe genug zum Feiern.

Föderalismus und Landesbewußtsein, auch in unserem Haus groß- und festgeschrieben, sind wahrhaft Reichtum unserer politischen wie kulturellen Wirklichkeit. Doch dieser Geist wurzelt und mündet in der österreichischen Idee, von der eine steiri-sche und eine kärntnerische Zeitung sich ganz und freudig in die Pflicht genommen weiß.

So sei vor allem die Versicherung abgegeben, daß diese zwei-

fach föderalistisch wirkende und als solche sehr bewußte Bundesländerzeitung im Medienkonzert dieses Staates eine österreichische Stimme sein wollte und sein will

Was mit jenem 22. November 1904 begründet worden war, hat Bestand — und nicht nur im Sinne anhaltenden wirtschaftlichen Wachstums. Es ist auch gerade die Idee der Zeitungsgründung, die lebt, die uns bestimmt. Auf der ersten Seite jener Nummer 1 vom Dienstag, dem 22. November, war sie proklamiert worden:

Ein Blatt für alle sollte es sein. Jedermann sollte Zugang zum Strom der Meinungen und den politischen Informationen finden. Und wörtlich, so hieß es vor 80 Jahren auf dem Titelblatt: „Niemand soll davon... aus sozialen Gründen ausgeschlossen bleiben." Genauso war von der ersten Stunde an die parteipolitische Unabhängigkeit ausdrücklich zum Programm erhoben.

Für die Existenzsicherung des Geschriebenen und Gedruckten, des Mediums des Österreichers, wissen wir uns auch jener Zukunftsstrategie positiv verpflichtet, die in der Informationserarbeitung und Verarbeitung die elektronischen Möglichkeiten der Übertragung, der Speicherung und der computergesteuerten Lichtsatzsysteme voll ausschöpft. Ein Innovationsschub, der nichts anderes will, als dem bewährten Geist des Zeitungsmachens dienstbar sein.

Dem Hause „Styria" ist, dies sei offen ausgesprochen, auch der spezielle Auftrag gegeben, in einem offenen und dynamischen christlichen Geist publizistisch zu wirken.

Der Autor ist Generaldirektor des Styria-Verlages, Graz.

Die „Kleine Zeitung" rief zu ihrem Geburtstagsfest ins Wiener Palais Pallavicini. Und alles, was in Österreichs Bundeshauptstadt Rang und Namen hat, war gekommen: aus Politik, Wirtschaft, Journalistik und Kultur (siehe Fotos oben).

Dies war der beste Beweis dafür, wie hoch angesehen das stei-risch-kärntnerische Blatt auch in der Bundeshauptstadt ist. Und das hängt wohl auch besonders mit einem Mann zusammen, der seit 25 Jahren in Wien das innenpolitische Geschehen für die „Kleine" verfolgt: Kurt Vorhofer.

Einen Tag nach dem Wiener Fest feierte die Kärntner „Kleine" ihren Geburtstag in Klagenfurt mit viel Landesprominenz. Landeshauptmann Wagner verlieh bei dieser Gelegenheit Styria-Ge-neraldirektor Hanns Sassmann das „Große Goldene Ehrenzeichen", Kärntens höchste Auszeichnung.

• Chefredakteur Fritz Csoklich zur Aufgabe einer Bundesländerzeitung: „Unsere Redaktion in Wien war von Anfang an ein Ausdruck dafür, daß eine Zeitung, für die Österreich mehr als nur ein Wort ist, in der Hauptstadt präsent sein muß. Wir, die wir in vielen Fällen die Wünsche und Sorgen der Bundesländer vertreten, wissen genau, daß die Länder ohne Wien nichts wären. Wir wissen aber auch, daß Wien ohne Länder nichts wäre, und auch dieses Bewußtsein gilt es zu schärfen."

• Zur Blattpolitik der „Kleinen": „Wir haben uns nie in ir-gendwessen Dienstbarkeit begeben. Wir haben nie jemanden aus Gründen der Blattpolitik hofiert oder attackiert. Wir schrieben und schreiben unsere Meinung. Diese mag richtig oder falsch sein. Wir verbinden sie aber nicht augenzwinkernd mit anderen Zielsetzungen. Wir sind auch niemandes Sprachrohr."

Was vor acht Jahrzehnten am 22. November 1904 gegründet wurde, hat sich inzwischen zu einem respektablen Blatt entwickelt: Uber 600.000 tägliche Leser, Tag für Tag verlassen 250.000 Exemplare unsere Druckmaschinen in Graz und Klagenfurt, zum Wochenende sind es weit über 300.000 Exemplare. Die „Kleine Zeitung" wurde in dieser Zeit zur auflagengrößten Bundesländerzeitung in Österreich und

Von JULIUS KAINZ

zwölftgrößten Tageszeitung im gesamten deutschen Sprachraum.

Ein solches Jubiläum ist nicht nur Anlaß zur Freude, sondern sollte auch Anlaß dazu sein, Rechenschaft abzulegen. Rechenschaft etwa darüber, wie wir als Herausgeber, als Verleger und Journalisten unseren Gründungsauftrag als parteiunabhängiger Chronist und Kommentator des täglichen Geschehens erfüllt haben.

Als Zeitung des Katholischen Preßvereins haben wir nicht nur den Auftrag, eine von den Parteien unabhängige, sondern auch der christlichen Weltanschauung, dem demokratischen und föderalistischen Österreich verpflichtete Tageszeitung zu sein.

Große Auflagen und hohe Reichweiten sind noch kein Beweis für die Richtigkeit der Blattlinie. Im Gegenteil: Es ist besonders schwer, mit einer ständig steigenden Auflage auch eine steigende Qualität zu verbinden.

Trotz aller möglichen Kritik sind wir der Meinung, daß es uns in den achtzig Jahren unseres Bestehens ganz gut gelungen ist, eine Massenzeitung mit einem hohen Qualitätsanspruch zu gestalten, eine Zeitung, die den Mut hat, den Leser mit Grundsätzen zu konfrontieren und kontroversielle Standpunkte zu vertreten.

Die Leser der „Kleinen Zeitung", das beweisen Untersuchungen, sind in hohem Maße politisch interessiert. Journalistisches Können, die Gabe, komplizierte politische Vorgänge verständlich darzustellen und der korrekte Umgang mit den vielfältigen Informationen haben uns Ansehen nicht nur bei den Lesern, sondern auch in allen politischen Lagern gebracht.

Der Autor ist Verlagsdirektor der „Kleinen Zeitung", Graz.

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