Mauthausen - © Foto: Pixabay
Leitartikel

Authentisches Gedenken

1945 1960 1980 2000 2020

Heute jährt sich die Befreiung des KZ Mauthausen zum 75. Mal. Wie authentisches Gedenken gelingen kann, erklärt Otto Friedrich in einem Leitartikel aus dem Furche-Fundus. Mehr zum Thema Erinnerung und Kriegsende lesen Sie in der nächsten FURCHE.

1945 1960 1980 2000 2020

Heute jährt sich die Befreiung des KZ Mauthausen zum 75. Mal. Wie authentisches Gedenken gelingen kann, erklärt Otto Friedrich in einem Leitartikel aus dem Furche-Fundus. Mehr zum Thema Erinnerung und Kriegsende lesen Sie in der nächsten FURCHE.

Arbeitslosigkeit und soziale Ausgrenzung sind ein Nährboden für Rechtsextremismus und Gewalt - niemand möge jedoch behaupten, es gäbe einen direkten Weg in die Unmenschlichkeit: Dazwischen steht noch immer der Mensch ..." An solchen Worten, die Bundeskanzler Viktor Klima vergangenen Sonntag bei der Befreiungsfeier in Mauthausen sprach, wird deutlich, wie sehr ideologische Stereotype der Vergangenheit angehören: Österreichs oberster Sozialdemokrat erteilte den einfachen, "linken" Erklärungsmustern (man müsse nur die gesellschaftlichen Verhältnisse verbessern, um den Faschismus auszumerzen usw.) eine Absage. Das ist beachtlich und zeigt, wie nahe die Denkweisen der staatstragenden politischen Gruppierungen hier sind.

Daß bei der gleichen Gedenkfeier Kardinal König (neben einem in dieser Schärfe ungehörten Bekenntnis zur "Schuldverwobenheit" der Kirche) die "Macht des Bösen" benannte und davor warnte, daß diese Macht "übermorgen im Kleid einer neuen attraktiven Ideologie" wiederkommen könne, unterstreicht oben genannten "historischen" Konsens.

Arbeitslosigkeit und soziale Ausgrenzung sind ein Nährboden für Rechtsextremismus und Gewalt - niemand möge jedoch behaupten, es gäbe einen direkten Weg in die Unmenschlichkeit: Dazwischen steht noch immer der Mensch ..." An solchen Worten, die Bundeskanzler Viktor Klima vergangenen Sonntag bei der Befreiungsfeier in Mauthausen sprach, wird deutlich, wie sehr ideologische Stereotype der Vergangenheit angehören: Österreichs oberster Sozialdemokrat erteilte den einfachen, "linken" Erklärungsmustern (man müsse nur die gesellschaftlichen Verhältnisse verbessern, um den Faschismus auszumerzen usw.) eine Absage. Das ist beachtlich und zeigt, wie nahe die Denkweisen der staatstragenden politischen Gruppierungen hier sind.

Daß bei der gleichen Gedenkfeier Kardinal König (neben einem in dieser Schärfe ungehörten Bekenntnis zur "Schuldverwobenheit" der Kirche) die "Macht des Bösen" benannte und davor warnte, daß diese Macht "übermorgen im Kleid einer neuen attraktiven Ideologie" wiederkommen könne, unterstreicht oben genannten "historischen" Konsens.

Das Gedenken "am Ort" ist aber noch wichtiger: an den Ort der Erniedrigung zurückzukehren - nicht um Vergangenes zu beschwören, sondern um den Aufbruch in ein neues Österreich glaubhaft zu bezeugen.

Otto Friedrich

Der Jahrestag der Befreiung des KZ Mauthausen wurde heuer erstmals als Gedenktag der Republik für die NS-Opfer begangen. Das ist ein wichtiges, wenn auch spätes Zeichen. Das Gedenken "am Ort" ist aber noch wichtiger: an den Ort der Erniedrigung zurückzukehren - nicht um Vergangenes zu beschwören, sondern um den Aufbruch in ein neues Österreich glaubhaft zu bezeugen. Österreich braucht gemeinsame Zeichen wie das Mauthausen-Gedenken - und alle Gruppen, die für den gesellschaftlichen Grundkonsens stehen, sollten beteiligt sein.

Die diesjährige Mauthausen-Befreiungsfeier war aber auch eine Plattform für Demonstrationen von (linken) Kleingruppen, die in der politischen Wirklichkeit keine Rolle spielen und daher auch nicht in den Vordergrund gehören: Die gar nicht mehr so junge II. Republik benötigt noch einen authentischen Stil des Gedenkens.

Auch dieser ist wichtig, soll das Anliegen wachgehalten werden. Sonst verpuffen wahre Worte - wie jene Kardinal Königs: "Wer die Geschichte vergessen will, ist dazu verurteilt, sie noch einmal zu durchleben."