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Diagnose Gotteskrise

Als ob alles Schwergewicht aus den Dingen gewichen wäre”: mit diesen Worten Friedrich Nietzsches charakterisiert der Theologe Johann B. Metz die Befindlichkeit unserer postmodernen Welt. Die Positionsbestimmung dieser Welt gegenüber fällt der Kirche sichtlich schwer. Ein ehrliches Bingen darum wird in dem unten angeführten Band jedenfalls deutlich spürbar. Das Buch ist die Frucht der von der Österreichischen Bischofskonferenz im Vorfeld der „Wallfahrt der Vielfalt” (September 1996) abgehaltenen Fachtagung in Gösing: in sechs Arbeitskreisen (Theologie, Staatskirchenrecht, Zeitgeschichte, Gesellschaftspolitik, Kultur - Kunst - Wissenschaft, Information) wurde versucht, die „gesellschaftliche Verantwortung der Kirche ... einer neuen Standortbestimmung zu unterziehen” (Erzbischof Schönborn).

Metz, einer der Teilnehmer der Tagung, steckt in dem eingangs zitierten Beitrag das Feld ab: die primäre Diagnose lautet Gotteskrise. Denn der Gott der biblischen Traditionen stehe den Gottesbildern entgegen, die „um-standslos zu unseren Wünschen und Träumen” passen. Dieser Gott aber, so Metz, sei keine bloß innerkirchliche Angelegenheit, sondern ein „Menschheitsthema”; die Krise des heutigen Menschen muß demnach in Zusammenhang mit der Gotteskrise gesehen werden, diese wiederum könnte sich als innerster Kern der viel und vielfach oberflächlich diskutierten Kirchenkrise erweisen.

Die hier dokumentierten Texte stellen eine Zwischenstufe eines breit angelegten Dialog-Prozesses dar; auf der Basis der erbetenen und erwarteten Stellungnahmen wird ein Grund text erarbeitet werden; davon ausgehend wollen die Bischöfe noch vor der Jahrtausendwende ein Hirtenwort vorlegen.

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