Nach Hanau: Der vergiftete Diskurs

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Wie einst bei den Verbrechen des Franz Fuchs wird auch nach dem Anschlag von Hanau „politische Instrumentalisierung“ kritisiert. Darüber ist zu reden. Aber nicht mit Untergriffen.

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Wie einst bei den Verbrechen des Franz Fuchs wird auch nach dem Anschlag von Hanau „politische Instrumentalisierung“ kritisiert. Darüber ist zu reden. Aber nicht mit Untergriffen.

Der kürzlich begangene 25. Jahrestag des Rohrbomben-Attentats auf die Roma von Oberwart beschert wieder einmal Dejà-vu-Erlebnisse. Man erinnert sich an die damals entlang bekannter ideologischer Linien geführte Debatte, ob die Verbrechen Ausdruck eines neuen Rechtsextremismus oder das Werk eines wirren Einzeltäters seien.

Der Diskurs setzte sich nach der Verhaftung von Franz Fuchs 1997 unvermindert fort: Zimmerte sich da ein psychisch kranker Täter bloß die Legitimation für seine Taten aus weltverschwörererischen Versatzstücken zusammen, oder handelte es sich um einen brandgefährlichen gesellschaftlichen Humus, auf dem ein Bombenleger friedliches Zusammenleben in die Luft jagen konnte?

Beobachtet man die Debatte um die Ursachen des Massakers von Hanau, dem letzte Woche zehn Menschen zum Opfer fielen, so kommen oben angesprochene Diskurslinien in neuem Gewand wieder: Handelt es sich um einen außer Rand und Band geratenen Einzeltäter, der sich seine Begründungen in der aktuellen politischen Gemengelage zusammenpflückt? Oder ist das Gespenst des Rechtsextremismus in Deutschland (und nicht nur dort) bereits so verbreitet, dass Terrorismusanfällige ihre Hemmschwellen weiter und weiter hinunterschrauben?

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