Leitartikel

Narrativerl statt Positionen

1945 1960 1980 2000 2020

Eigentlich wäre die Sommerlochzeit für die Medien eine gute Gelegenheit, die Relevanz der verbreiteten politischen Botschaften zu diskutieren. Davon kann keine Rede sein.

1945 1960 1980 2000 2020

Eigentlich wäre die Sommerlochzeit für die Medien eine gute Gelegenheit, die Relevanz der verbreiteten politischen Botschaften zu diskutieren. Davon kann keine Rede sein.

Wahlkampf ist. Und wie anno 2017 bringen sich die Player in Stellung. Eine gute Zeit für die Medien, denn die Politikwerber brauchen sie – auch wenn man meint, das meiste sei heutzutage über Social Media und nicht mehr über die althergebrachten Kommunikationsmittel zu transportieren. Man darf ja seine Zweifel haben, dass das so stimmt. Nach dem 29. September wird man diesbezüglich mehr wissen.
Jedenfalls ist wieder Sommerlochzeit, in der die jeweiligen Wahlkampfmaschinerien anlaufen. Der Unterschied zum Sommer 2017 ist dennoch evident: Da waren längst die großen Erzählungen der später siegreichen Parteien auf Titelseiten und in Kommentarspalten: Die Bedrohung durch Migration im Allgemeinen und die Asylwerber im Besonderen. Die Gefahr des politischen Islam, wobei darunter oft die Muslime überhaupt subsumiert wurden. Die Rede von den Sozialschmarotzern, die das System ausnützen würden.

Im Vergleich dazu sind die aktuellen politischen Erzählungen bestenfalls Narrativerl. Man schlägt sich mit Schreddervorwürfen bei Türkis und auch Rot herum. Türkis moniert eine Schmuddelkampagne gegen den Ex-Kanzler. Und Blau ist allenfalls für die Frage gut, ob Kurz es noch einmal mit ihnen wagen wird. War da nicht etwas, was die Koalition gesprengt hat? Und was hat die zerfallene Regierung wirklich weitergebracht, was nicht, was war öffentlichkeitswirksame Schaumschlägerei?

Politisch wache Zeitgenossenschaft gefragt

Eigentlich, so denkt man, wäre die Sommerlochzeit eine Gelegenheit, Derartiges nüchtern und auch kontrovers zu thematisieren. Davon kann dennoch keine Rede sein. Dabei wären auch in Wahlkampfzeiten die Medien wichtige Player – als kritisch-wache Darsteller der politischen Botschaften; als Mit-, Gegenerzähler oder Verschweiger der Narrative; als Korrektiv zu den Spins, welche die entsprechenden Doctoren der öffentlichen Meinung zu geben suchen.

Wahlkampf ist. Und wie anno 2017 bringen sich die Player in Stellung. Eine gute Zeit für die Medien, denn die Politikwerber brauchen sie – auch wenn man meint, das meiste sei heutzutage über Social Media und nicht mehr über die althergebrachten Kommunikationsmittel zu transportieren. Man darf ja seine Zweifel haben, dass das so stimmt. Nach dem 29. September wird man diesbezüglich mehr wissen.
Jedenfalls ist wieder Sommerlochzeit, in der die jeweiligen Wahlkampfmaschinerien anlaufen. Der Unterschied zum Sommer 2017 ist dennoch evident: Da waren längst die großen Erzählungen der später siegreichen Parteien auf Titelseiten und in Kommentarspalten: Die Bedrohung durch Migration im Allgemeinen und die Asylwerber im Besonderen. Die Gefahr des politischen Islam, wobei darunter oft die Muslime überhaupt subsumiert wurden. Die Rede von den Sozialschmarotzern, die das System ausnützen würden.

Im Vergleich dazu sind die aktuellen politischen Erzählungen bestenfalls Narrativerl. Man schlägt sich mit Schreddervorwürfen bei Türkis und auch Rot herum. Türkis moniert eine Schmuddelkampagne gegen den Ex-Kanzler. Und Blau ist allenfalls für die Frage gut, ob Kurz es noch einmal mit ihnen wagen wird. War da nicht etwas, was die Koalition gesprengt hat? Und was hat die zerfallene Regierung wirklich weitergebracht, was nicht, was war öffentlichkeitswirksame Schaumschlägerei?

Politisch wache Zeitgenossenschaft gefragt

Eigentlich, so denkt man, wäre die Sommerlochzeit eine Gelegenheit, Derartiges nüchtern und auch kontrovers zu thematisieren. Davon kann dennoch keine Rede sein. Dabei wären auch in Wahlkampfzeiten die Medien wichtige Player – als kritisch-wache Darsteller der politischen Botschaften; als Mit-, Gegenerzähler oder Verschweiger der Narrative; als Korrektiv zu den Spins, welche die entsprechenden Doctoren der öffentlichen Meinung zu geben suchen.

Es ist notwendig, die aktuellen Pressionsversuche offenzulegen und darauf hinzuweisen, wie wichtig die Medien als kritischer Diskursraum für die Politik sind.

Dabei gilt es auch, die Rolle der Medien und die Rolle der Politik gegenüber den Medien der letzten beiden Jahre zu reflektieren. Das dieser Tage erschienene Buch des abgetretenen Kurier-Herausgebers Helmut Brandstätter, „Kurz & Kickl“, wäre ein Sittenbild der diesbezüglichen Situation: Wie die Message Control, also die türkise Kontrolle der Berichterstattung über die Regierung gegriffen hat, ist darin zu lesen, und wie das autoritäre Politikverständnis von Blau sich in deren Medienarbeit äußerte. Aber auch umgekehrt, wie Medien, etwa der Boulevard, sich an die Machthabenden anbieder(te)n oder diese gar zu erpressen such(t)en, kann man da nachlesen.

Politmediale Versuche der Einflussnahme

Natürlich hat es beschriebene Pressionsversuche der Politik gegenüber den Medien und vice versa auch früher gegeben. Aber es ist notwendig, die aktuellen Vorgänge offen­zulegen und darauf hinzuweisen, wie wichtig die Medien als kritischer Diskursraum für die Politik sind.Dass Helmut Brandstätter nun die Seiten gewechselt hat und bei NEOS als Nachfolger von Irmgard Griss in die Politik geht, ist für das Anliegen, dass die von ihm dargestellten Mechanismen auch breit diskutiert werden, aber kein Vorteil. Denn das Narrativ, das Buch sei das politische Kleingeld, mit dem der Ex-Herausgeber seine Partei-Karriere und die Wahlchancen von NEOS befördern wolle, ist schnell erzählt.

Dennoch tun Qualitätsmedien gut daran, ihre Finger in die Wunden, die Brandstätters Buch aufzeigt, zu legen und dabei nicht locker zu lassen. Die Hoffnung, dass die neuen oder alten Machthaber nach der Wahl sich um einen entspannteren Umgang mit den Medien mühen, darf ja weiter leben. Auch wenn man zugeben muss, dass der Eindruck vorherrscht, es handle sich da um Wünsche ans Christkind.