Neue Post aus Rom - für eine synodale Kirche

1945 1960 1980 2000 2020

Papst Franziskus verordnet seiner katholischen Kirche – global wie lokal – Synodalität. Ein pfingstlicher Traum – und die Mühen der Ebene, die gewaltiger Anstrengung bedürfen.

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Papst Franziskus verordnet seiner katholischen Kirche – global wie lokal – Synodalität. Ein pfingstlicher Traum – und die Mühen der Ebene, die gewaltiger Anstrengung bedürfen.

So einiges, was in den letzten Wochen aus Rom hereinflatterte, konnte dem Christenmenschen diesseits der Alpen einen zumindest kurzen Adrenalinstoß bescheren – siehe das Segnungsverbot für gleichgeschlechtliche Partnerschaften, das jedenfalls im deutschen Sprachraum selbst die Hirten auf dem falschen Fuß erwischte. Eine erkleckliche Anzahl von ihnen – darunter auch Kardinal Christoph Schönborn – äußerte Unverständnis fürs neuerliche vatikanische Njet und ließ ihre Schafe auch im Dissens zu den römischen Vorgaben gewähren.

Doch unmittelbar vor Pfingsten kam neue Post aus Rom. Und diesmal gibt es kaum Anlass zu Kritik. Denn das, was Papst Franziskus da der katholischen Kirche verordnet, ist der Versuch, die Partizipation von Christinnen und Christen weltweit anzugehen. „Synodalität“ heißt das Wort, das Franziskus allen bis in die Basis einimpfen will: Die für Herbst 2022 geplante Bischofssynode in Rom zu diesem Thema wird um ein Jahr verschoben, zuvor sollen synodale Projekte in den Diözesen und danach auf kontinentaler Ebene auf den Weg gebracht werden.

Ein – gelinde gesagt – ambitioniertes Programm, aber einem 85-jährigen Pontifex bleibt nicht viel Zeit. Außerdem gibt es ja synodale Prozesse in vielen Ecken der Welt: Die Amazonien-Synode 2019 ist in frischer Erinnerung, in Australien tagt demnächst ein Plenarkonzil, und der Synodale Weg in Deutschland ist in vollem Gang – und wird von den Konservativen von Polen bis in die USA heftig denunziert.

Gretchenfrage in aktueller Kirchenlage

Franziskus-Freunde wie der Pastoraltheologe Paul M. Zulehner qualifizieren das neue päpstliche Programm als „epochalen Schritt“ und folgern: „Es kommt Bewegung in die stagnierende katholische Weltkirche.“ Aber auch aus diesem Jubel spricht die Erkenntnis, dass weltkirchlich durchaus Stillstand herrscht und dass es einiger Anstrengungen bedarf, diesen zu überwinden.

Manch Konservativer könnte mit diesem Programm ja auch die Hoffnung verbinden, dass Ortskirchen wie etwa der deutschen die häretischen Flausen – von der Frauenweihe bis zur kirchlichen „Anerkennung“ der Homosexualität – ausgetrieben werden, wenn nur genügend viele andere lokale Kirchen signalisieren, dass sie mit dieser Agenda nichts am Hut haben. Aber selbst wenn sich derartige Hoffnung auf Rückkehr in die gute alte Kirchenzeit nicht erfüllt, bleibt das Problem, dass Aufbruch nicht von oben zu verordnen ist.

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