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Ukraine-Krieg

DISKURS

Ukraine-Krieg: "...in dieser Schreckenszeit"

1945 1960 1980 2000 2020

Wladimir Putins Angriff auf die Ukraine markiert eine historische Zäsur. Über eine neue Ära der Angst - und Versuche der Ermutigung.

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Wladimir Putins Angriff auf die Ukraine markiert eine historische Zäsur. Über eine neue Ära der Angst - und Versuche der Ermutigung.

„Wie viele Divisionen hat der Papst?“ Mit diesem Satz soll Josef Stalin im Fe­bruar 1945 im Badeort Jalta auf der Krim gegenüber Winston Churchill und Franklin D. Roosevelt klargestellt haben, dass er bei der Aufteilung Europas auf den Mann im Vatikan als Verbündeten gerne verzichten könne. Kriege, so der Schlächter von Moskau, führe man immer noch „mit Soldaten, Kanonen und Panzern“ – und nicht mit frommen Worten.

Wladimir Putin, der neue Kriegsherr im Kreml, hat von Stalin viel gelernt: nicht nur die wahnhafte Idee einer kollektivistischen „Russischen Welt“, in welcher individuelle Freiheit nichts zählt - sondern auch die Fähigkeit zur Brutalität. Mit seinem Überfall auf die Ukraine vom 24. Februar 2022 zertrümmerte Putin den Trugschluss des Westens, dass der Gegenspieler letztlich die gleichen Werte teilt. Umso größer ist nun die Ernüchterung – gerade auch in Österreich, das den zur Kenntlichkeit entstellten Despoten besonders hofierte.

Wie weit Putin am Ende gehen wird, weiß derzeit niemand. Ebenso wenig, ob er noch von grausamem Kalkül getrieben ist – oder längst von krankhaftem Wahn. Das Leid wird jedenfalls maßlos sein: Hunderttausende Menschen mussten bereits ihre Heimat verlassen, Städten wie Charkiw und Kiew droht das Schicksal von Grosny – und der ganzen Welt der atomare Abgrund.

„Putin hat schon verloren“

Selbst eine solche Eskalation ist in den Bereich des Denkbaren gerückt – umso mehr angesichts der Unwahrscheinlichkeit von Putins Sieg. „Er hat diesen Krieg schon verloren“, meinte der Historiker Yuval Harari – und tatsächlich hat der Kreml-Despot bislang genau das Gegenteil von dem erreicht, was er ursprünglich bezweckte: ein ungewohnt einiges Europa und eine gestärkte Nato – samt einem vom Pazifismus zur Aufrüstung umgeschwenkten deutschen Nachbarland.

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