Meinung

Liebe Mama!

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Wann genau dieser Moment eintritt, weiß man nicht. Aber das Ende der Volksschulzeit markiert in jedem Fall eine Zäsur. Davor gibt es am Muttertag meist Texte wie diese zum Frühstück: Was dir wohl gefallen könnte / habe ich mir ausgedacht. / Dir zur Freude, liebe Mama, / habe ich das Geschenk gemacht. / Dass ich dich als Mama habe, / ja, da bin ich wirklich froh. / Und jetzt will ich dich fest drücken, / denn du weißt, ich lieb dich so. Neben derlei Nettigkeiten aus der Herzerwärmungslade der Frau Lehrerin gibt es aber auch Authentisches zu lesen: „Danke, dass du so oft mit mir kuschelst.“ Oder: „Ich mag dich, weil du mich magst.“ Oder Mama-Beobachtungsstudien wie: „IDEAL, ORDENTLICH, EHRLICH, LIEB, (WAR) SPORTLICH.“ Beim Papa am
Vatertag stand auch noch „lustig“, „verständnisvoll“ und „cooler Beruf“ dabei. Aber man kann nicht alles haben.
Irgendwann ist diese Zeit des mütterlichen Egostreichelns und Süßholzraspelns aber natürlich vorbei. Es gleitet dann ziemlich abrupt ab in Richtung „Du bist die blödste Mama aller Zeiten“, klassischerweise begleitet von zugedroschenen Türen und irgendeinem elektronischen Gerät auf der Metabene. Doch die Hoffnung lebt, dass es wieder anders wird.
Dann vielleicht, wenn das Kind selbst wieder ein Kind bekommt und sieht, was Elternsein bedeutet. Vielleicht bekomme ich ja einmal Briefe wie diese – oder vielleicht schreibe ich sie selbst sogar: „Liebe Mama! Du bist ein ziemlich normaler Mensch. Du hast gute Seiten und schlechte Seiten, und weil wir uns so nahe sind, nerven mich die schlechten so besonders. Ich brauche meinen Freiraum, aber ohne Dich und Deine Mühen gäbe es mich nicht. Danke und merci dafür. Zur Not auch ohne Schokolade.“

Wann genau dieser Moment eintritt, weiß man nicht. Aber das Ende der Volksschulzeit markiert in jedem Fall eine Zäsur. Davor gibt es am Muttertag meist Texte wie diese zum Frühstück: Was dir wohl gefallen könnte / habe ich mir ausgedacht. / Dir zur Freude, liebe Mama, / habe ich das Geschenk gemacht. / Dass ich dich als Mama habe, / ja, da bin ich wirklich froh. / Und jetzt will ich dich fest drücken, / denn du weißt, ich lieb dich so. Neben derlei Nettigkeiten aus der Herzerwärmungslade der Frau Lehrerin gibt es aber auch Authentisches zu lesen: „Danke, dass du so oft mit mir kuschelst.“ Oder: „Ich mag dich, weil du mich magst.“ Oder Mama-Beobachtungsstudien wie: „IDEAL, ORDENTLICH, EHRLICH, LIEB, (WAR) SPORTLICH.“ Beim Papa am
Vatertag stand auch noch „lustig“, „verständnisvoll“ und „cooler Beruf“ dabei. Aber man kann nicht alles haben.
Irgendwann ist diese Zeit des mütterlichen Egostreichelns und Süßholzraspelns aber natürlich vorbei. Es gleitet dann ziemlich abrupt ab in Richtung „Du bist die blödste Mama aller Zeiten“, klassischerweise begleitet von zugedroschenen Türen und irgendeinem elektronischen Gerät auf der Metabene. Doch die Hoffnung lebt, dass es wieder anders wird.
Dann vielleicht, wenn das Kind selbst wieder ein Kind bekommt und sieht, was Elternsein bedeutet. Vielleicht bekomme ich ja einmal Briefe wie diese – oder vielleicht schreibe ich sie selbst sogar: „Liebe Mama! Du bist ein ziemlich normaler Mensch. Du hast gute Seiten und schlechte Seiten, und weil wir uns so nahe sind, nerven mich die schlechten so besonders. Ich brauche meinen Freiraum, aber ohne Dich und Deine Mühen gäbe es mich nicht. Danke und merci dafür. Zur Not auch ohne Schokolade.“