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Macht der Sprache

Der neue Band „mein Herz mein Zimmer mein Name“ zeigt Friederike Mayröcker auf dem Höhepunkt ihrer Sprachkunst. In dieser atemlos dahinhastenden rhythmischen Prosa tauchen zuweilen Figuren auf, die den Strom des Monologs gleichsam auf sich ziehen, sich durch Äußerungen bemerkbar machen, ja, mit der Autorin in Dialog treten, doch sind vielleicht auch diese Gestalten bloß Produkte der Phantasie, der Erinnerung oder der Ein-Bildung: Bildnisse, die aus der Sprache und durch die Sprache entstanden sind.

Das rund 330 Seiten starke Buch, entstanden in den Jahren 1986 bis 1988, besteht aus einem einzigen Satz. In ihm werden räumliche und zeitliche Begrenzungen aufgehoben. Retardierende Elemente, wiederkehrende Motive entsprechen dem Gesetz der Erinnerung, die zum Tragischen und zum Schönen, zu den Minuten, in denen sich Dasein verdichtet, immer wieder zurückkehrt. Manchmal tauchen aus dem Sprachstrom ganze Inselreiche auf: Bilder von Landschaften oder von zwischenmenschlichen Beziehungen, auch Zitate aus den Werken anderer Autoren. Oft wird der Schreibvorgang selbst beschrieben. Doch bleibt Friederike Mayröckers Buch vor allem Sprache; deren Macht und Zauber ziehen den Leser in eine Innenwelt der Ahnungen und Assoziationen.

MEIN HERZ MEIN ZIMMER MEIN NAME. Von Friederike Mayröcker. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1988. 338 Seiten. öS 296.40.

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