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Mehr Flexibilität in den Studienordnungen

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Sind Österreichs Hochschulen noch konkurrenzfähig in der Lehre, in der Forschung, aber auch im internationalen Vergleich gegenüber ausländischen Universitäten? Sind sie konkurrenzfähig gegenüber anderen gesellschaftlichen Institutionen wie Ministerien und Interessenvertretungen? Der Rektor der Wirtschaftsuniversität Wien stellte diese Frage in einem Vortrag während der Informationswoche der österreichischen Hochschulen.

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Sind Österreichs Hochschulen noch konkurrenzfähig in der Lehre, in der Forschung, aber auch im internationalen Vergleich gegenüber ausländischen Universitäten? Sind sie konkurrenzfähig gegenüber anderen gesellschaftlichen Institutionen wie Ministerien und Interessenvertretungen? Der Rektor der Wirtschaftsuniversität Wien stellte diese Frage in einem Vortrag während der Informationswoche der österreichischen Hochschulen.

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Die gesellschaftlichen Veränderungen unseres Jahrhunderts haben auch die Universitäten für bisher unvorstellbare Studentenzahlen geöffnet. Während man in Nachbarländern versucht, den Studentenstrom durch Einschränkungen zu bremsen, erfolgt in Österreich die Auslese während des Studiums, womit die Entscheidung in die Anfangsphase des Studiums verlegt wird. Bei allen Schwierigkeiten ermöglicht dieses System den Ansatzpunkt für eine sinnvolle Fortentwicklung, etwa durch eine entsprechende Studienreform. Der Öffentlichkeit aber muß klargelegt werden, daß eine offene Universität auch eine entsprechende Ausstattung braucht.

Kompliziertheit und Verteuerung vor allem in den Naturwissenschaften haben die Einheit von Forschung und Lehre eingeschränkt. Sollte daher nicht überhaupt für die Forschung eine arteigene Organisation außerhalb der Ausbildung aufgezogen werden?

Die Beibehaltung der Forschung an den Universitäten ist eine Forderung höchster gesellschaftspolitischer Notwendigkeit, betonte Rektor Brusatti. Sollte - durch die Herauslösung aus der Universität - die Forschung zu stark den Forderungen der Geldgeber, ob Staat oder Wirtschaft, unterworfen werden, würde das Ziel der zweckfreien Forschung, das Erkenntnisstreben zu dienen, aufgegeben werden.

Die Verbindung von Forschung und Lehre, vor allem der Grundlagenforschung und der Ausbildung von Studenten höherer Semester zur forschenden Tätigkeit, ist für unsere Kultur ebenso lebensnotwendig wie die gesellschaftspolitische Wichtige Bindung an eine Institution, die in erster Linie dem Erkenntnisstreben zu dienen hat.

Trotz unleugbarer Erfolge einzelner Wissenschaftszweige hat sich Österreichs Position im internationalen Wettkampf verschlechtert, nicht, weil man mit weniger günstigen Forschungsbedingungen auskommen mußte, sondern weil man im Provinzialismus zu ersticken drohte. So wurde etwa in den Studienplänen der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften 1966 die starke Betonung der Fremdsprachen aufgegeben zugunsten von Fächern, die vor allem auf innerösterreichische Bedingungen rücksicht nehmen sollten.

„Was uns fehlt, ist das Selbstbewußtsein des Österreichers gegenüber dem Ausland“, betonte der Rektor weiter. Auch die Spitzenvertreter der Wirtschaft bedauern, daß der Österreicher im Ausland falsch reagiert. Das kommt teils von mangelnden Sprachkenntnissen, zu geringen Informationen, teils aus innerer Unsicherheit. Um das Staatsbewußtsein besser zu artikulieren, bedarf es einer Änderung der Lehrinhalte, besserer internationaler Kontakte und einer Standortbestimmung von Staat und Hochschulen.

Österreichs Universitäten sind konkurrenzfähig, faßte Prof. Brusatti zusammen. Auch ohne sich mit Großmächten vergleichen zu wollen - Österreichs Hochschulen haben die Grundlagenforschungen gut ausgebaut und besitzen vielfach internationalen Rang. Sie haben die Chance mitzumachen.

Auch die angewandte Forschung wäre gezielt zu forcieren, wozu auch das Forschungsbewußtsein stärker gepflegt werden müßte. Hier haben die Universitäten in Staat und Wirtschaft Verbündete gefunden. Vor allem seit vor bald 15 Jahren der „Informationsdienst für Bildungspolitik und Forschung“ gegründet wurde, haben die Medien in Österreich die Berichterstattung über Forschungsergebnisse stark intensiviert

Auch zur Konkurrenzfähigkeit in der Lehre braucht die Universität das Verständnis der Allgemeinheit. „Wir müssen eine Flexibilität der Studienordnungen erreichen, in der es zum obersten Prinzip wird, unsere jungen Menschen an den Hochschulen so zu erziehen, daß sie in Wissenschaft und Praxis international bestehen können.“

Wirtschaft und gesellschaftliche Insitutionen haben die Notwendigkeit der Fortbildung ihrer Führungskräfte erkannt und eigene Einrichtungen hierfür geschaffen, weil die Hochschulen diese Aufgaben zu spät erfaßt haben. Es wird einer zukünftigen Bildungspolitik vorbehalten sein, diese „Nebenhochschulen“ wieder mit den Universitäten enger zu verbinden.

„Wir haben als Österreicher zur Kenntnis genommen, daß wir als Kleinstaat politisch und Wirtschaft-' lieh zwar noch immer wichtige Aufgaben zu erfüllen haben“, schloß Rektor Brusatti, „daß aber des Österreichers Streben nach Größe sich in einem bestimmten Bereich erfüllen soll: im Geist!“

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