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Mehrheit in Minderheit

Wenn am 19. Mai der neue Nationalrat zu seiner konstituierenden Sitzung Zusammentritt, werden 27 neue Volksvertreter ihren Eid auf die Verfassung ablegen. Bei der OVP (81 Mandate), die vier Sitze dazugewonnen hat, scheiden elf Abgeordnete aus, 15 kommen neu.

Bei der SPÖ (90 Mandate), die fünf Mandate eingebüßt hat, scheiden 15 Abgeordnete aus, zehn neue kommen.

Die FPÖ, die trotz dem Verlust eines Sechstels ihrer Wählerstimmen ein Mandat auf zwölf dazubekommen hat, wird mit zwei neuen Abgeordneten vertreten sein, da ihr bisheriger Landwirtschaftssprecher Gerulf Murer sein Mandat in der Steiermark verloren hat.

Die Parlamentsriege der ÖVP wird durch einige neue Abgeordnete vertreten sein, die politisch aber bereits „alte Bekannte“ sind: wie zum Beispiel Generalsekretär Michael Graff, der Präsident des Bauernbundes Alois Derfler, der Leiter der Politischen Akademie und Exekutivsekretär der EDU Andreas Khol, der ehemalige steirische Landesrat Hans-Georg Fuchs sowie die bisherigen Bundesräte Leopold Helbich, Günther Stummvoll und Franz Stocker.

Die Jugend wird in beiden Großparteien vertreten sein, nachdem es Juso-Chef Cap doch noch mit beachtlichen 62.000 Vorzugsstimmen geschafft hat, den Zwentendorf-Befürworter Kurt Heindl aus dem Parlament zu verdrängen. Der Parlamentssitz für den Obmann der Jungen ÖVP, Othmar Karas, stand ja schon vor den Wahlen fest.

Doch trotz Beteuerungen aller Parteien, die Frauenpolitik mehr in den Vordergrund zu rücken, stagniert die Zahl der weiblichen Abgeordneten auch nach der Wahl 1983 bei 17. Das heißt, bei einem weiblichen Wähleranteil von 55 Prozent sind nicht einmal zehn Prozent der Abgeordneten Frauen: Die Mehrheit ist weiterhin eklatant in der Minderheit.

Gerade auch die SPÖ hat ihre Frauen links liegen gelassen. Gab es bisher zehn weibliche sozialistische Abgeordnete, so sind im neuen Nationalrat nur mehr acht SP-Frauen vertreten.

Auch die Staatssekretärinnen Johanna Dohnal und Franziska Fast mußten ihre Hoffnung auf ein Mandat begraben, da sie vom SPÖ-Präsidium bei der Vergabe der Reststimmenmandate nicht berücksichtigt wurden. Geschafft haben es hingegen die Staatssekretärinnen Beatrix Eypeltauer und Elfriede Karl, die je ein Grundmandat erhielten. Unter den Neuen im SPÖ-Klub ist aber jedenfalls keine Frau zu finden.

Im Gegensatz dazu stockt die Volkspartei ihren Anteil an Frauen im Parlament auf. Unter den 15 Neuen sind die Salzburger Modehausbesitzerin und engagierte Befürworterin einer flexiblen Arbeitszeitgestaltung Helga Rabl- Stadler und die Vorarlberger Hausfrau Maria Hosp. Ausgeschieden ist hingegen Elisabeth Schmidt, und so gibt es statt bisher sieben acht ÖVP-Frauen im Haus am Ring.

Mit der als AKH-Untersuchungsrichterin bekannt gewordenen Helene Partik-Pablė zieht nun auch erstmals eine Frau in den FPÖ-Klub ein.

Weitere neue Abgeordnete sind bei der OVP Jakob Auer, Landwirt aus Oberösterreich, Johann Hofer, Versicherungskaufmann aus Oberösterreich, Johann Schuster, Landwirt aus Oberösterreich, Anton Türtscher, Landwirt aus Vorarlberg und Karl Vonwald, Landwirt aus Niederösterreich.

Bei der SPÖ Peter Keppelmüller, Chemiker aus Oberösterreich, Karl Neuwirt, Keramiker aus Oberösterreich, Johann Höll, Kaufmann aus Oberösterreich, Harold Hofmann, Versicherungsangestellter, der für den verstorbenen Salzburger Abgeordneten Hir scher nachrückt, Helmut Stok- ker, Sozialversicherungsangestellter aus Salzburg, Günther Dietrich, ÖBB-Beamter aus Vorarlberg, Helmut Seel, Universitätsprofessor aus der Steiermark, Johann Windsteig, ÖBB-Zentral- inspektor aus Niederösterreich und Rudolf Parnigoni, ÖGB-Be- zirkssekretär aus Niederösterreich.

Bei der FPÖ kommt der Unternehmer Hermann Eigruber, der sich bereits mehrmals für Zwentendorf ausgesprochen hat, noch neu ins Parlament.

Dank des guten Abschneidens der ÖVP bei den Wahlen ist auch dem außenpolitischen Sprecher der Volkspartei Ludwig Steiner und dem Wehrsprecher Felix Er- macora wieder der Einzug ins Parlament gelungen.

Wer von den Nationalratskandidaten aller Parteien aber endgültig noch ins Parlament einzieht, wird von der Regierungszusammensetzung abhängen und davon, ob die jeweiligen Minister ihr Mandat zurücklegen werden.

Bei der Zusammensetzung des neuen Nationalrates sind jedenfalls keine signifikanten Änderungen festzustellen. Die Zahl der weiblichen Abgeordneten bleibt überhaupt gleich und - abgesehen von den Vertretern der Jugendorganisationen Cap und Karas- haben sich die Klubs auch nicht wesentlich verjüngt. Das Durchschnittsalter unserer Volksvertreter sank um rund vier Jahre von 53 auf 49.

Und obwohl Beamte, Kammerangestellte, Gewerkschaftsfunktionäre und Sozialversicherungsangestellte prozentuell noch immer weit über deren Anteil in der Bevölkerung liegen, ist doch festzustellen, daß zum Beispiel von den 15 neuen Abgeordneten der Volkspartei kein einziger Beamter ist. Rechnet man die derzeitigen Minister und Staatssekretäre noch mit, so sind rund 37 Prozent der Parlamentarier Beamte oder Angestellte einer Gebietskörperschaft oder einer Partei.

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