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Fürchten vor dem „Megaphon“

1945 1960 1980 2000 2020
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Schon beinahe 16 Jahre ist Neil Postman tot. Dennoch scheinen die Warnungen des Medienkritikers aktuell wie eh und je. Dass Information zur Unterhaltung geworden ist, beklagte der in New York lehrende Kommunikationswissenschaftler bekanntlich bereits Mitte der 1980er-Jahre. Und auch wenn, so unterstellen wir, Postman sich einen Donald Trump an der Spitze der USA wohl kaum vorgestellt hätte, so scheint sein in Buchtitelform gegossenes Verdikt „Wir amüsieren uns zu Tode“ längst zur Prophetie geworden zu sein: Was der Berserker im Weißen Haus und seine Epigonen – wo auch auf dem Globus – an Wortdurchfällen in die Welt hinaus lassen, ist ja wirklich eine Hetz.
Dabei zeigt sich, dass auch die ureigenste Postman-Kritik an TV-Duellen in US-Kampagnen, sie würden nicht nach Informationskriterien, sondern nach den Regeln der Unterhaltung funktionieren, hierzulande praktisch 1:1 gültig bleibt. Mögen die innovativsten Wahlwerber ja das Fernsehen als altvaterisch abtun und angeblich auf Social Media setzen, so zeigt ein Blick in die Programmplanung, dass die Seherinnen und Seher des Landes wieder mit Vorwahlspektakeln aller Art behelligt werden. Mehr als 40 Elefantenrunden, Interviews mit Spitzenkandidat(inn)en und Wahlduelle zählte der Standard auf ORF, ATV, Puls 4 und Servus TV. Darunter finden sich auch mysteriöse Formate wie Polit-„Blind-Date“, „Wahlometer“ oder „Reality Check“, alles TV-Produkte, die der Dramaturgie und kaum der Information geschuldet sind.

Wer allerdings wissen will, wie das alles noch simpel-untergriffiger geht, der sollte in die Ankündigung der „Wahlberichterstattung“ auf Österreichs informativstem Inbormationssender, also oe24.tv, schauen. Mehr als „30 TV-Duelle in der Prime Time“ kündigt das Fellner-TV an, ohne noch zu spezifizieren, wer sich da mit wem und wann matchen wird. Es reicht schon, die Ankündigung der Elefantenrunde, also der Diskussion aller Spitzenkandidaten, am 24. September auf oe24.tv zu lesen: „Erstmals werden die Zuseher auf oe24.tv über das neue Live-Voting-Tool ‚Megaphone‘ schon während der Sendung eine kontinuierliche Bewertung der Kandidaten und der Themen abgeben können.“ Eine gefährliche Drohung, denn es ist klar: Nicht der inhaltsstärkste Kandidat, sondern der Goschertste wird da reüssieren. Und indem das Fellner-TV schon jetzt ankündigt, an besagtem September-Tag fünf TV-Stunden mit solcher Runde und solchem Drama zu bestreiten, lassen wir jetzt schon einen tiefen Seufzer los.

Schon beinahe 16 Jahre ist Neil Postman tot. Dennoch scheinen die Warnungen des Medienkritikers aktuell wie eh und je. Dass Information zur Unterhaltung geworden ist, beklagte der in New York lehrende Kommunikationswissenschaftler bekanntlich bereits Mitte der 1980er-Jahre. Und auch wenn, so unterstellen wir, Postman sich einen Donald Trump an der Spitze der USA wohl kaum vorgestellt hätte, so scheint sein in Buchtitelform gegossenes Verdikt „Wir amüsieren uns zu Tode“ längst zur Prophetie geworden zu sein: Was der Berserker im Weißen Haus und seine Epigonen – wo auch auf dem Globus – an Wortdurchfällen in die Welt hinaus lassen, ist ja wirklich eine Hetz.
Dabei zeigt sich, dass auch die ureigenste Postman-Kritik an TV-Duellen in US-Kampagnen, sie würden nicht nach Informationskriterien, sondern nach den Regeln der Unterhaltung funktionieren, hierzulande praktisch 1:1 gültig bleibt. Mögen die innovativsten Wahlwerber ja das Fernsehen als altvaterisch abtun und angeblich auf Social Media setzen, so zeigt ein Blick in die Programmplanung, dass die Seherinnen und Seher des Landes wieder mit Vorwahlspektakeln aller Art behelligt werden. Mehr als 40 Elefantenrunden, Interviews mit Spitzenkandidat(inn)en und Wahlduelle zählte der Standard auf ORF, ATV, Puls 4 und Servus TV. Darunter finden sich auch mysteriöse Formate wie Polit-„Blind-Date“, „Wahlometer“ oder „Reality Check“, alles TV-Produkte, die der Dramaturgie und kaum der Information geschuldet sind.

Wer allerdings wissen will, wie das alles noch simpel-untergriffiger geht, der sollte in die Ankündigung der „Wahlberichterstattung“ auf Österreichs informativstem Inbormationssender, also oe24.tv, schauen. Mehr als „30 TV-Duelle in der Prime Time“ kündigt das Fellner-TV an, ohne noch zu spezifizieren, wer sich da mit wem und wann matchen wird. Es reicht schon, die Ankündigung der Elefantenrunde, also der Diskussion aller Spitzenkandidaten, am 24. September auf oe24.tv zu lesen: „Erstmals werden die Zuseher auf oe24.tv über das neue Live-Voting-Tool ‚Megaphone‘ schon während der Sendung eine kontinuierliche Bewertung der Kandidaten und der Themen abgeben können.“ Eine gefährliche Drohung, denn es ist klar: Nicht der inhaltsstärkste Kandidat, sondern der Goschertste wird da reüssieren. Und indem das Fellner-TV schon jetzt ankündigt, an besagtem September-Tag fünf TV-Stunden mit solcher Runde und solchem Drama zu bestreiten, lassen wir jetzt schon einen tiefen Seufzer los.