Thomas Maurers kabarettistische Heldentat: Schluss mit lustig

1945 1960 1980 2000 2020

Thomas Maurer zeigt, wie man Kritik am Corona-Management und persönliches Betroffensein per Satire auf den Punkt bringen kann. Kabarett als existenzielle Tiefe.

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Thomas Maurer zeigt, wie man Kritik am Corona-Management und persönliches Betroffensein per Satire auf den Punkt bringen kann. Kabarett als existenzielle Tiefe.

In der Coronakrise gibt es an der handelnden Politik einiges zu kritisieren. Das hat nicht nur damit zu tun, dass sich selbige allzu oft dem Prinzip Learning by Doing oder Trial and Error verschreibt, sondern es geht um die Balance zwischen notwendigen Einschränkungen und dem Dennoch-Bewahren von Grundrechten. Eine schwierige Balance, in der es zu kontroversen Einschätzungen kommt. Dass das alles ein Fressen für die Medien im Land darstellt, ist klar. Und die nehmen ihre diesbezügliche Wachhundfunktion durchaus wahr.

Aber es ist auch der Ton, der oft die Musik macht. Das gilt erst recht fürs Genre Satire. Und hier wurden uns in den letzten Tagen zwei Musterbeispiele präsentiert. Da gibt es den unter Anti-Coronamaßnahmen-Bewegten populären und als satirisch verkauften Wochenkommentator „Der Wegscheider“, wo der Intendant von Servus TV
sauertöpfisch den Regierenden ihre Maßnahmen um die Ohren haut. Dass er zuletzt wieder die Aussagen von Politiker(inne)n von vor einem Jahr auf den Bildschirm zerrte, damit auch der Dümmste sehen konnte, wie falsch manche Einschätzung vor Jahresfrist war, ist kaum innovativ – und schon gar nicht lustig.

Da macht es das öffentlich-rechtliche Programm ORF III dem Mateschitz-Kanal vor, wie gute – und auch betroffen machende – Satire geht: Wie bei der Comedy-Schiene „Tafelrunde“ der Kabarettist Thomas Maurer den Tod seines Vaters thema­tisierte, zeigt, wie sehr auch die vorgeblich leichte Kunst existenzielle Bedrängnis auf den Punkt bringen kann. In einer scheinbar typisch österreichischen Suada über das doch nicht ganz professionelle Krisenmanagement in Sachen Corona flocht Mauer en passant das Schicksal seines an Covid-19 erkrankten Vaters ein – und endete mit der herzzerreißenden „Schlusspointe“, dass zwei Tage nach dem Tod des Vaters „dann eh in der Post die Benachrichtigung“ gelegen sei, „dass er sich zur Impfung voranmelden kann“. Selten in diesem Genre war die Grenze zwischen „Lustig“ und „Schluss mit lustig“ so brutal präsent wie in diesem Moment. Und selten war – auch ohne viele Worte zu machen – klar, woran der Umgang mit den Menschen hier krankt. Und dass es buchstäblich um Leben und Tod gehen kann. Ja, auch das aufzuzeigen, ist eine Aufgabe von Satire.

Tausche einen Thomas Maurer gegen alle Wegscheider dieser Welt.

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