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Muskeln gegen Lenin

Sylvester Stallone spannt mit starrer Mimik und den Gesten eines Gorillas seine Muskeln, um als amerikanischer Nationalheld Rambo bereits zum dritten Mal seinen Bizeps ins „rechte“ Licht der militärisch selbstbewußten USA unter der konservativen Führung Ronald Reagans zu rük-ken. Wer gegen das Vaterland ist, bekommt eine aufs Haupt und ist dabei noch gut bedient, denn es wächst kein Gras mehr, wo Stallone hintritt.

„Rambo III“ ist der brutale und mörderische Alleingang einer Kampfmaschine, die scheinbar nur Muskeln im Kopf hat und deshalb spricht wie Tarzan, als er reden lernte. Der Schauplatz der Blutorgie ist durch das weltpolitische Geschehen gegeben. War Rambo im zweiten Teil der Serie in Vietnam unterwegs, so metzelt er diesmal in Afghanistan die Sowjets nieder, die voller Klischees, mit Lenin an der Wand, die Bösen und die Dummen sind.

Stallone ist längst zum Symbol eines mächtigen Amerika und Reagans propagandistischer Exponent geworden. Von der jüngsten Entspannung zwischen den Supermächten ist dabei nichts zu merken. Im Gegenteil: Wenn „Un-cle Sam“ die Zähne zeigt, zittern die garstigen Russen. So brutal sie auch waren und sind, so gefährlich ist Rambo, der unsterblich wie eine Comic-Strip Figur ist.

Der Film, ein Machwerk, das technisch brillant gestaltet wurde, um die fragwürdige Botschaft besser zu vermitteln, verherrlicht Gewalt und ist zugleich Sprachrohr scheinheiliger Friedensengel, die ihn „dem tapferen Volk von Afghanistan“ widmen, nicht vor der eigenen Tür kehrend, sondern bloß die bösen Kommunisten tadelnd. Rambo ist eigentlich nur ein Automatenvideospiel: Lebt vom Geld junger Quasi-Hel-den und schluckt sicher noch viele Münzen.

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