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Neue Gefahre für Israels Sicherheit?

Der Empfang, der Israels Außenminister bei seinem Besuch Mitte Februar in Washington zuteil wurde, war betont freundschaftlich. US-Präsident Ronald Reagan macht sich sogar eine Stunde frei, um den hohen Gast aus Israel persönlich zu empfangen. Doch dann wiederholte er das bereits einige Male Gesagte:

Die USA werden an Saudiarabien 60 F-15-Kampfflugzeuge mit dem modernsten Zubehör liefern, mit größeren Brennstofftanks zur Ausweitung des Aktionsradiuses, mit Luft-Luft- Raketen und mit mehr Bomben, damit Saudiarabien diese Maschinen gegen seine und Amerikas Feinde einsetzen könne.

Ein „Bonbon“ von Reagan

Mit diesen Feinden meinte Präsident Reagan in erster Linie die von Moskau abhängigen Staaten Südjemen und Äthiopien, möglicherweise auch den Iran, der sich in Zukunft immer mehr an die Sowjetunion annähern könnte.

Schamir wiederum machte den amerikanischen Präsidenten auf die Gefahren aufmerksam, die mit der Lieferung solcher Kampfflugzeuge an die Saudis für Israel verbunden sind:

Die südlichste Stadt des Landes, Ej- lat, ist nur 250 Kilometer von der saudischen Luftwaffenbase Tabuk entfernt - ein Katzensprung für solche Maschinen: auch Beer-Schewa und Tel Aviv können sie - wenn mit Zusatztanks ausgerüstet - ohne weiteres erreichen.

Saudiarabien gehört mit zu den entschiedensten Gegnern des Judenstaates. Obwohl dieses Land keine direkte Grenze mit Israel hat, rief der saudische König Khaled vor nicht allzu langer Zeit zum „Heiligen Krieg“ gegen Israel auf. Saudische Panzerbrigaden haben in allen bisherigen Nahost-Kriegen gegen Israel mitgekämpft.

Gleichsam zum Trost dafür, daß die USA trotz aller israelischer Einwände die Saudis mit diesen modernen Waffen beliefern wird, wartete Reagan seinem Gast Schamir aber auch mit einem „Bonbon“ auf, indem er erklärte:

„Wir haben die heilige Verpflichtung, Israels militärische Überlegenheit im Kräftegleichgewicht des Nahen Ostens zu wahren. Und dies nicht nur, weil wir uns moralisch dazu verpflichtet fühlen, sondern auch wegen der großen strategischen Wichtigkeit Ihres Landes für uns und für die gesamte westliche Welt.“

Um das Gleichgewicht auch in Zukunft zu wahren, soll Israel als Kompensation weitere 15 F-15-Kampfflug- zeuge erhalten, eine Anleihe von 600 Millionen Dollar mit zwölf-prozentiger Verzinsung zur Finanzierung der Maschinen und eine Direktbeteiligung an einem Spionage-Satelliten, der den Is

raelis vielleicht sogar ganz überlassen werden soll.

US-Außenminister Alexander Haig machte seinem Amtskollegen aus Israel klar, daß Präsident Reagan zu keiner Gipfelkonferenz mit Begin und Sa- dat vor den Neuwahlen in Israel bereit sei. Haig versprach hingegen seinen eigenen Besuch in Nahost Anfang April.

Vielleicht kann Israels Premier Me- nachem Begin im bevorstehenden Wahlkampf mit der guten amerikanisch-israelischen Freundschaft hausieren gehen, doch muß er dabei - ob er will oder nicht - die Neubewaffnung der saudiarabischen Armee schlucken.

Umso mehr versucht Israel, wenigstens die Bundesrepublik Deutschland von der Belieferung Saudiarabiens mit modernsten Waffen abzuhalten. Es handelt sich dabei um Leopard-II- Kampfpanzer, deren Zahl noch nicht genau feststeht (man munkelt von 2000) und 100 Tornado-Flugzeugen, die die BRD zusammen mit Großbritannien und Italien herstellt!

Hier glaubt Israel, energischer Vorgehen zu können. Denn Deutschland hat eine historische Verpflichtung, Israel beizustehen oder seine Feinde zumindest mit keinen Angriffswaffen zu beliefern.

Von einem Vergleich mit den USA kann hier nicht die Rede sein, zumal Amerika zwar auch Israels Gegner beliefert, jedoch im Ernstfall stets der wichtigste Bundesgenosse des Judenstaates war und in den diversen Kriegen die Israelis materiell und moralisch unterstützt hat. Auch in der UNO standen die Amerikaner mehr oder weniger immer fest auf der Seite des Judenstaates. So kamen nur dank amerikanischer Vermittlungsbemühungen die Friedensverhandlungen mit Ägypten überhaupt zustande.

Ein schlichtes Geschäft?

Die Bundesrepublik Deutschland hingegen wollte sich niemals derartig fest an Israel binden. Und heute hört man im Bonner Außenministerium nur noch von „ausgewogenen Beziehungen zu allen Staaten der Nahostregion“. Und weiter: Die Lieferungen deutscher Waffen an Saudiarabien erfolgten aus keinen strategischen Überlegungen wie bei den Amerikanern, sondern hier handle es sich schlicht um ein Geschäft.

„Allein der Gedanke, daß im Kriegsfall deutsche Waffen gegen Juden eingesetzt werden könnten, macht uns schon krank“, donnerte dagegen Ministerpräsident Begin und fügte hinzu: „Kein Jude kann es zulassen, daß die Bundesrepublik unsere Feinde bewaffnet.“ Begins Auffassung wird nicht nur von der Koalitionspartei und der Regierung, sondern auch von der Arbeiterpartei und den anderen oppositionellen Fraktionen geteilt.

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