Amerika, wer bist du?

1945 1960 1980 2000 2020

Die USA gehen einem vergifteten Herbst und Winter entgegen. Und es ist keineswegs sicher, dass sie vom "Alptraum Trump" erlöst werden.

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Die USA gehen einem vergifteten Herbst und Winter entgegen. Und es ist keineswegs sicher, dass sie vom "Alptraum Trump" erlöst werden.

Enorm viel guten Willen, unsere Welt besser zu machen, habe ich in den vergangenen fünf Jahrzehnten unterwegs durch die Vereinigten Staaten gespürt – vor allem in den großen Stunden der Demokratie, also bei Wahlen amerikanischer Präsidenten und ihrer folgenden Angelobung. Immer wieder waren da ­berührende, für uns Europäer auch naive Momente einer patriotisch aufgeladenen, fast religiösen Selbstdarstellung.

Wird das in den kommenden Monaten wieder so sein, wenn der 46. US-Präsident gekürt wird? Wohl kaum. Weit eher ist damit zu rechnen, dass ein zutiefst zerrissenes Riesenland einem extrem vergifteten Spätherbst und Winter entgegengeht. Die zentralen Stichworte dazu sind bekannt: mehr als fünf Millionen Covid-19-Erkrankte als Folge eine verfehlten Gesundheitspolitik; die US-Wirtschaft in freiem Fall; dazu Rassismus-Tragödien, Parteien-Kleinkrieg – und im Zentrum all dessen ein moralisch schwer angeschlagener Präsident, dessen Amtszeit im Zeichen von Lüge, Spaltung und politischer Brandstiftung gestanden ist.

Niederlage als „Putsch“

Ungezählte Anwälte haben schon jetzt hunderte Klagen formuliert, um die kommende Wahl zu beeinflussen bzw. ein befürchtetes Ergebnis anzufechten. Und Donald Trump ist dabei, eine drohende ­Niederlage mit Worten wie „Putsch“ und „Betrug“ zu delegitimieren. Wo immer derzeit versucht wird, kritischen Randgruppen im Land (Armen, Farbigen, Kranken …) einen Wahlgang zu erleichtern, droht er per Twitter „Wir sehen uns vor Gericht!“.

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