Nußbaumers Welt

Ein trauriges Ende

1945 1960 1980 2000 2020

Heinz Nußbaumer über die Schließung der "Österreichischen Orient-Gesellschaft Hammer Purgstall".

1945 1960 1980 2000 2020

Heinz Nußbaumer über die Schließung der "Österreichischen Orient-Gesellschaft Hammer Purgstall".

Es war einmal ein Österreich, das unvergessliche Brücken zwischen Europa und dem Orient gebaut hat – dank seiner Forschungsreisenden und Archäologen, Diplomaten, Ärzte, Ingenieure usw. Ihre Namen sind Legende: Hammer-Purgstall, „Musil von Arabien“, Negrelli, „Slatin Pascha“ usw. Es war einmal ein Österreich, dessen „Maria-Theresien-Taler“ zur legendären Währung auch in Arabien geworden war. Dessen Schiffe und „Levante Post“ unzählige Male das Mittelmeer überwunden haben. Und wo sich die Habsburger auch „Könige von Jerusalem“ genannt haben.

Es war einmal ein Österreich, das auch als Kleinstaat seinen Ruf als neutraler Freund und Handelspartner der arabisch-islamischen Welt bewahren konnte – auch als Studienort für ungezählte Bildungshungrige aus der Großregion zwischen Atlantik und Hindukusch. All das hatten wir einer weitsichtigen Politik zu verdanken – und einer einzigartigen Institution: der „Österreichischen Orient-Gesellschaft Hammer-Purgstall“.

Netanyahu rückte ans Regierungsherz

Dort wurden nicht nur alle Sprachen der islamischen Welt gelehrt, Studierende betreut, wissenschaftliche Beziehungen gepflegt und die Deutschkenntnisse von tausenden Studenten aus Arabien und Persien perfektioniert. Da haben auch zahllose Vorträge den Blick in die orientalische Kultur und Lebensart geschärft. Und Mächtige aus dem Morgenland kamen gerne zu Konferenzen, zu Arztbesuchen und Österreich-Urlauben.

„Wien ist nahe dem Paradies“ war für Jahrzehnte ein Gassenhauer in der arabischen Welt. All das ist nun Vergangenheit: 62 Jahre (!) nach ihrer Gründung sperrt die „ÖOG“ für immer zu – mittellos und zeitgleich mit dem Fortgang des ­„König-Abdullah-Zentrums“ aus Wien. Welche Zeitenwende – trotz einer immer kleiner werdenden Welt und immer größerer Wissensdefizite hinsichtlich fremder Kulturen! „Corona“ hat die letzten Subventio­nen versenkt.