USA: Bidens Traum von Macht und Moral

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Dass Donald Trumps Nachfolger das Ruder so schnell und konsequent herumwerfen würde, haben selbst unverbesserliche Optimisten nicht erwartet.

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Dass Donald Trumps Nachfolger das Ruder so schnell und konsequent herumwerfen würde, haben selbst unverbesserliche Optimisten nicht erwartet.

Sein Name war Programm: „To trump“ verbindet im Englischen zwei Eigenschaften: das „Erfinden“ und das „Auftrumpfen“. Beides haben wir beinahe überstanden (das zweite Impeachment ist wohl der letzte Akt). Dass Trumps Nachfolger aber das Ruder der USA und ihrer Außenpolitik so schnell und so konsequent herumwerfen würde, das haben selbst unverbesserliche Optimisten (wie ich) nicht erwartet.

Joe Bidens erste Rede zur künftigen Rolle Amerikas war ein einziges Versprechen, das klassische Selbstverständnis Amerikas neu zu entdecken. Also: wieder Weltführungsmacht zu sein – mit möglichst moralischem Anspruch. Was davon er letztlich durchsetzen kann, ist weniger sicher.

Sein Konzept: „Ja“ zu globaler Diplomatie, Zusammenarbeit und Bündnistreue, zu Klimaschutz, Menschen- und Minderheitenrechten; auch zur Heimkehr in die Weltgesundheitsorganisation WHO, Abrüstungsverträge, Atomabkommen. „Nein“ zu Isolationismus und Fremdenfeindlichkeit. Und Härte gegenüber allem Autoritären, vorrangig in China und Russland.

Kurswechsel im Jemen

Von den vielen Ankündigungen Bidens hat mich sein Kurswechsel im Jemen-Krieg am stärksten berührt – jenem Drama, das seit 2014 kaum je unsere Aufmerksamkeit gefunden hat. Nur einen Tag vor Ablauf seiner Amtszeit hatte Donald Trump im Jänner die dort dominierenden, pro-iranischen Huthi-Milizen auf Amerikas Terrorliste gesetzt. Es war ein letzter Schlag gegen Teheran, aber auch eine Katastrophe für alle Hilfsorganisationen im Jemen – und ein Bosheitsakt gegen seinen Nachfolger. Zur Erinnerung: Mehr als 200.000 Menschen sind dort zuletzt abseits des Welt­interesses durch Kämpfe, Bomben, Hunger, Cholera und Armut gestorben. Die schlimmste humanitäre Krise der Gegenwart.

Jetzt ist es offiziell; Biden will Amerikas Militärallianz im Saudi-Luftkrieg gegen die Huthis samt milliardenschwerem Waffenverkauf an Riad stoppen – und er hat einen „Friedensbotschafter“ ernannt.

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