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ÖSTERREICH IST EIN WASSERREICH

Burgenland

(cgJ-Das Burgenland hat keine markanten Flüsse, daher auch keine Grundwasserbegleitströme. Auch mit Quellen ist das Burgenland nicht sehr gesegnet: Nur am Fuße des Leithage-birges gibt es eine große Quelle (30 Liter je Sekunde) und einige bis 15 Litern.

67 Gemeinden mit 130.000 Einwohnern und 50.000 Feriensiedlern, das sind 96 Prozent der Bevölkerung des nördlichen Burgenlandes haben sich zum Wasserleitungsverband Nördliches Burgenland zusammengeschlossen. Dieser bezieht Wasser aus Neudörfl am Rande der Mitterndorfer Senke und aus der Windener Quelle. Damit deckt er den Verbrauch von elf Millionen Kubikmeter ab.

Im mittleren Burgenland wird die Bevökerung zu 75 Prozent durch Wasserverbände versorgt. Die Versorgung ist im allgemeinen gut, nur der Wasserverband Lockenhausen, der sich durch Quellen und aufbereitetes Oberflächenwasser versorgt, hat immer wieder Versorgungsengpässe.

Feingliedrig ist die Wasserversorgung im Süden: 230 Wasserversorgungsunternehmen sind durch die vorherrschende Form der Streusiedlung bedingt. Auch hier treten immer wieder - wie heuer im Sommer - Engpässe auf. Insgesamt ist aber genug Wasser vorhanden, um die Bevölkerung mit 300 Liter je Einwohner und Tag zentral zu versorgen.

Die Nitratverordnung wird eine grö-ßenäumige Lösung erforderlich machen, da die örtliche Aufbereitung des Wassers zu aufwendig sein wird. So wird auch das Problem der Verbrauchsspitzen am Wochenende (Pendler und Zweitwohnungen) leichter zu lösen sein.

Tirol

Da nur 16 Prozent der Fläche Tirols besiedelt sind und das Bundesland eine Fremdenverkehrshochburg ist, ergibt sich, daß in den Tallagen Bevölkerungsdichten von 400, in der Saison sogar von 1.000 Einwohnern je Quadratkilometer auftreten.

In den Kalkalpen (30 Prozent der Landesfläche) nehmen die Gesteine das Wasser rasch auf, geben es aber auch rasch wieder ab. In Naßperioden liefern die Quellen also viel Wasser, aber bei Trockenheit und Frost nur wenig. In den kristallinen Zonen wiederum ist die Grundwasserführung bescheiden, das Wasser dringt kaum ein und rinnt oberflächlich ab.

Sehr unterschiedlich sind in Tirol auch die Niederschlagsmengen: 3.000 Millimeter in den nördlichen Kalkalpen, aber nur 500 in den inneralpinen Trockentälern (Ötz- und Pitztal).

Das Bundesland verfügt über Wasserreserven von 13,5 Kubikkilome-tern im Eis der Gletscher und von 640 Millionen Kubikmetern in Seen sowie von 460 Millionen Kubikmetern in Wasserkraftspeichern.

Neben seinen Einwohnern hat Tirol auch noch rund 400.000 Gäste zu versorgen. Das bedeutet eine Herausforderungen für die Wasserversorgung (pro Gast ist mit 600 bis 800 Litern pro Tag zu rechnen). Die vorhandenen Quellen reichen oft nicht, sodaß auf Oberflächenwasser und Uferfil-trat (Wasser, das aufzubereiten ist) zurückgegriffen werden muß (Sölden, Kühtai, Ötztal...).

Bisher gibt es kein übergreifendes Versorgungssystem. Sehr oft wäre eine Verbundlösung ohne erheblichen Jen technischen Aufwand auch gar nicht zu verwirklichen.

Salzburg

In Salzburg werden 89 Prozent der Bevölkerung über öffentliche oder zentrale Versorgungsanlagen mit Wasser beliefert (400 Wassergenossenschaften). Außerdem sorgen sieben Wasserverbände für eine größer-räumige Versorgung (etwa im Ga-steinertal,1m oberen Ennstal, im Salzburger Becken).

An Quellwasser wird in Salzburg rund 800, an Grundwasser 1.600 Liter je Sekunde genutzt. Noch einmal so viel Grundwasser verbrauchen die Betriebe mittels eigener Anlagen. Untersuchungen haben ergeben, daß noch einmal diesselbe Menge an Quell- und an Grundwasser als Reserve zur Verfügung steht. Würde man darüberhinaus auch noch Karstwasser heranziehen wollen, so sind die Reserven noch viel größer. Dieses Wasser bedürfte allerdings teilweise einer Aufbereitung.

Auch in Salzburg zeichnen sich trotz der guten Wasserversorung in einzelnen Regionen (Pongauer Salzachtal, Lungauer Zentralraum, Oberpinz-gau...) örtlich Probleme ab. Daher werden Überlegungen zur Bildung weiterer Wasserverbände angestellt.

Oberösterreich

Rund 70 Prozent der Bevölkerung werden durch Klein- und Kleinstanlagen versorgt, weil Wasser meist ausreichend vorhanden ist (Grund-und Quellwasser in der Relation 2:1). Die Wasserqualität bereitet jedoch vielfach Kopfzerbrechen. 21 Prozent des genutzten Grundwassers werden für den privaten Verbrauch und das Kleingewerbe verwendet. 56 Prozent der Menge geht an die Industrie, der Rest an die Fischzucht.

Insgesamt gibt es 19 Wasserverbände und sonstige Versorgungsun-ternehmen. Überregionale Bedeutung haben davon nur sieben Gruppenanlagen. Die Fernwasserversorgung Mühlviertel mit 29 Gemeinden und 60.000 Einwohnern versorgt das wasserarme Mühlviertel mit Grundwasser aus dem Eferdinger Becken.

Die Situation der Wasserversorgung ist sehr unterschiedlich nach Regionen: Ein beschränktes Angebot im kristallinen Bereich (Mühlviertel und Sauwald), bedeutende Grundwasserströme im Bereich von Ager, Vöckla und Traun, sowie in den Karstgebieten der Kalkalpen und deren mit Schottern gefüllten Tälern.

Der Großraum Linz wird im wesentlichen aus dem Grundwasserbegleitströmen von Donau und Traun versorgt. Hier gibt es Gefährdungspotentiale: dichte Bebauung, viele Betriebe, Deponien, Kiesabbau in der Nähe von Wasserwerken. Eine Verschlechterung der Wasserqualität der Donau hätte sehr bald Auswirkungen auf einige Wasserwerke.

Probleme bereitet auch das Nitrat aus der Landwirtschaft. Rund 65.000 Einwohner beziehen heute Wasser, das über 50 mg Nitrat aufweist. Weitere 400.000 konsumieren Wasser mit Werten zwischen 30 und 50 mg (er-steres ist die Grenze ab 1999)

Wein

Bis 1873 gab es in Wien nur kleinere Wasserversorgungsanlagen und die Kaiser Ferdinand-Wasserleitung. Mit dem starken Anwachsen der Stadt reichten bald weder Qualität noch Quantität des Wassers. Auf der Suche nach einwandfreiem Wasser wurden Vorkommen im Rax-Schneebergge-biet als geeignet befunden.

1910 wurde die 2. Hochquellwasserleitung aus dem Gebiet des Hochschwab in der Steiermark in Betrieb genommen. Die Gesamtkapazität war auf eine Bevölkerungszahl von 3,34 Millionen Einwohnern ausgelegt (bei einem Tagesverbrauch von 100 Litern pro Kopf). Zwar liegen die Bevölkerungszahlen heute weit unter diesem Wert, dafür ist der Verbrauch stark gestiegen (auf 265 Liter).

Das Wasser in Wien kommt zu rund 80 Prozent aus den Hochquellenleitungen. Sie liefern maximal 450.000 Kubikmeter. Den Rest steuern das Grundwasserwerk Lobau und das-Wiental Wasserwerk bei.

Das Grundwasserwerk in Nußdorf (bis zu 100.000 Kubikmeter) wird wegen seiner labilen Wasserqualität nicht genützt Nach Rückgängen im Wasserverbrauch während der siebziger Jahre kommt es seit den achtziger Jahren wieder zu höherem Verbrauch. Daher laufen seit mehreren Jahren Untersuchungen über Möglichkeiten, aus der Donauinsel Wasserzugewinnen. Dieses Wasser müßte allerdings aufbereitet werden.

Eine 3. Hochquellenwasserleitung ist fertiggestellt. Auch sie führt Wasser aus der Steiermark nach Wien.

Vorarlberg

Vorarlberg ist im Überfluß mit Trinkwasser versorgt. Hier ist auch die Grenze von 30 mg Nitrat kein Problem. Im Landesdurchschnitt werden täglich 300, in Fremdenverkehrsgebieten 500 Liter Wasser pro Person und Tag verbraucht. Die steigende Bevölkerungsdichte im Ballungsraum machte die Einrichtung des Wasserverbandes Rheintal, der 80.000 Menschen versorgt, erforderlich.

Die im Zuge der Industrialisierung stattfindende Verstädterung und Bodenversiegelung, sowie die Tiefenerosion der regulierten und durch Wasserkraftwerke negativ beeinflußten Fließgewässer hat zu einem Absinken des Grundwasserspiegels geführt. Hier bedarf es gezielter Sanierung.

Ein Konzept zur Überwachung der Wasserqualität sieht die Errichtung von 300 neuen Grundwasserpegeln vor. Sie sollen die Qualität sowohl im unbeeinflußten Grundwasser, als auch im Zustrombereich der Vorkommen und unterhalb von Emittenten möglicher Belastungen (Tankstellen, Kläranlagen, Industrie- und Gewerbetriebe...) messen. Dadurch sollen Gefährdungen rechtzeitig erkannt werden.

Niederösterreich

Rund 80 Prozent der Bevölkerung werden kommunal mit Trinkwasser versorgt, also jener Teil, für den die Einrichtung von Wasserversorgungsnetzen wirtschaftlich sinnvoll ist. Die Versorgungsnetze sind Anlagen von Gemeinden, Gemeindeverbänden oder solche der Nösiwag, der niederösterreichischen Siedlungswasserbau GesmbH. Diese hat die Aufgabe, wasserknappe Regionen zu versorgen. Die Gesellschaft fördert Wasser, verteilt es über Leitungen und speichert es in Hochbehältern. Nicht genügend Wasser hat etwa das Waldviertel.

Die Nösiwag versorgt 16 überregionale Gebiete mit 398 Gemeinden (326.000 Einwohner, 25 Prozent der Bevölkerung). Sie verfügt über Wasserrechte auf 2.300 Liter pro Sekunde, die auf viele Brunnen aufgeteilt sind. Die Nösiwag betreut rund 1.000 Kilometer Transportleitungen und verfügt über 59 Hochbehälter mit einem Volumen von 155.000 Kubikmetern. 1988 gab sie 15,2 Millionen Kubikmeter Wasser ab.

Das Trinkwasser kommt vorwiegend aus dem Grundwasser, bei der Nösiwag fast ausschließlich: aus Randbereichen der Mitterndorfer Senke, dem Donaugrundwasserbe-gleitstrom, dem Begleitstromtder March und einigen kleineren Becken.

Der Triestingtaler Wasserleitungsverband versorgt 100.000 Einwohner (Quell- und Grundwasser 1:2). 1988 lieferte er 11,6 Millionen Kubikmeter an 40 Gemeinden. Die Städte (Krems, Wr. Neustadt, Amstetten...) versorgen sich mit eigenen Wasserwerken überwiegend aus dem Grundwasser.

Die Mitterndorfer Senke ist eines der größten Grundwasservorkommen in Mitteleuropa. 1982 wurden dort erstmals gesundheitsschädliche Konzentrationen chlorierter Kohlenwasserstoffe festgestellt. In absehbarer Zeit kann dieses Wasser daher nicht unaufbereitet verwendet werden.

In Niederösterreich müssen rund 450.000 Einwohner (Marchfeld, Tull-ner Feld, entlang der Alpenvorland-flüsse und der Raum Amstetten) mit größeren Investitionen rechnen, um den 1999 erforderlich Wasserstandard zu erreichen.

Steiermark

In der Steiermark werden 72 Prozent der Bevölkerung zentral mit Wasser versorgt, der Rest mittels auf Einzelanlagen, Hausbrunnen und Quellen.

Von den insgesamt vorhandenen 1233 Anlagen versorgen nur 148 mehr als 1.000 Personen. In dieser Zahl sind 20 Wasserverbände und zwei große Wasserversorgungsunternehmen enthalten. Die größten Wasserverbände versorgen den Räum Köflach-Voitsberg, Söding, Lieboch, Eibiswald Wies, das Grazer Umland, das Grazer Feld Süd-Ost, den Raum Aichfeld-Murboden, das Safen- und das Feistritztal und die Gemeinden des Leibnitzer Feldes und angrenzende Bereiche der Süd- und Oststeiermark (rund 60.000 Einwohner).

Die Probleme der Wasserversorgungsgesellschaft im Leibnitzer Feld mit der Nitratbelastung des Grundwassers war einer der Auslöser dafür, daß die Steirische Landesregierung ein Grundwasserschutzprogramm entwickelt hat. Eine seiner vordringlichsten Aufgaben ist die Sanierung des Grundwassers im Süden des Landes. Derzeit wird die Schaffung von Verbindungen zwischen einzelnen Wasserverbänden angestrebt. Damit soll eine größere Zuverlässigkeit der Versorgung erreicht werden. Außerdem gibt es die Zentral-Was-serversorgung-Hochschwab-Süd GesmbH. Sie soll künftig Gemeinden und Wasserverbände beliefern.

Kärnten ,

Kärntens geographische und klimatische Gegebenheiten sind besonders günstig für die Wasserversorgung: Viele und hygienisch unbedenkliche Hochquellen versorgen den ländlichen Raum. Die Ballungsgebiete wiederum greifen weitgehend auf Grundwasser zurück.

Über öffentliche Wasserversorgungsanlagen sind etwa 85 Prozent der Bevölkerung angeschlossen. Sie werden mit rund 40 Millionen Kubikmeter Wasser versorgt. Es stammt zu einem Drittel aus dem Grundwasser, der Rest aus Quellen.

Eine Studie der Landesregierung weist aber darauf hin, daß in 57 Prozent der Kärntner Gemeinden mittelfristig Wasserversorgungsprobleme auftreten könnten. Daher wurde ein „Wasserversorgungskonzept Kärnten" erstellt, das eine Transportleistung von 440 Kilometer, zwölf Speicher und 30 Pumpstationen vorsieht. Der voraussichtliche Gesamtaufwand: 1,5 Milliarden Schilling.

Steigender Fremdenverkehr und rapide Verstädterung lassen den Wasserverbrauch im Raum Villach-Faa-ker See besonders rasch steigen. Die Fassung einer im Zuge des Autobahn-Karawankentunnels entdeckten Quelle bietet sich als Lösung an.

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