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Österreichs Industrie und das Jahr 2000

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Bei einer internationalen Konferenz vom 25. bis 27. Oktober in Wien werden österreichische und internationale Spitzenmanager den Wandel im produzierenden Sektor bis zum Jahr 2000 beraten. Die Ergebnisse sollen die Ausgangsbasis für die Gründung eines internationalen Industriebeirates für die Bundesregierung sein.

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Bei einer internationalen Konferenz vom 25. bis 27. Oktober in Wien werden österreichische und internationale Spitzenmanager den Wandel im produzierenden Sektor bis zum Jahr 2000 beraten. Die Ergebnisse sollen die Ausgangsbasis für die Gründung eines internationalen Industriebeirates für die Bundesregierung sein.

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Die wirtschaftlichen, technischen und geistigen Herausforderungen und Entwicklungen an die österreichische Industrie sind heute gewaltig. Die Perspektiven sind atemberaubend, aber auch so ungewiß und umstritten wie schon lange nicht.

Die Vorstellungen, wie und wohin eigentlich unsere Gesellschaft, unsere Wirtschaft sich entwickeln sollen, schwanken daher nach gesellschaftspolitischem Standpunkt und persönlichen Erfahrungen von optimistischer Erwartung an neue Techniken und gesellschaftliche Strukturen bis zu einer pessimistischen und negativen Berufshaltung, wie sie vor allem in „gebildeten“ Kreisen, aber auch bei der Jugend geradezu Mode geworden ist.

Revolutionäre Erfindungen auf dem elektronischen Sektor und im Informationsbereich verändern auch die Welt der Produktion. Neue Formen des Managements, neue Berufsund Arbeitsformen beginnen die Industriegesellschaft zu revolutionieren.

Aber auch die Rahmenbedingungen für wirtschaftliches Handeln ändern sich:

Die zunehmende internationale Verschuldung - nicht nur der Entwicklungsländer - knapper werdende Rohstoffe, der in allen Industrieländern zunehmend bewußt werdende drohende Umweltaspekt und ein sich merklich verstärkender Protektionismus im Welthandel verändern die Welt, in der die österreichische Industrie ihren Platz behaupten muß.

Dazu kommt, daß die internationale Wirtschaft so verflochten ist wie nie zuvor. Daß daher viele Probleme nur mehr international gelöst werden können, steht außer Diskussion.

Aber allein in Österreich, in unserer kleinen Industrienation, gibt es eine Menge anzupacken. Gerade hierzulande herrscht doch schon die Besorgnis, daß wir Rahmenbedingungen haben, die nicht mehr gut genug sind, um den strukturellen Wandel vor allem bei den industriellen Produktions- und Arbeitsbedingungen mitzumachen. Was kann unsere Industrie tun, um diesen Wandel nicht zu verpassen?

Es ist ja leider schon Mode gewor den, von einem Übergang der westlichen Welt ins postindustrielle Zeitalter zu sprechen. Das würde im Prinzip bedeuten, daß es für die Industrie kaum mehr Entwicklungsperspektiven geben kann. Diese Tendenz drückt sich auch in der Weise aus, daß die Berufe in der Industrie nicht mehr als „sicher“ angesehen werden. Daß die Industriebetriebe oft nur mehr als permanente Subventionsempfänger oder Pleiteproduzenten angesehen werden. Dabei konnte gerade die Industrie im letzten Jahr ein kräftiges Wachstum von 5,1 Prozent verzeichnen.

Sie ist der Motor der wirtschaftli-. chen Entwicklung, ohne den sich jede Diskussion über sozialpolitische Wunschvorstellungen, Ausweitung des Dienstleistungssektors und überhaupt die „Wohlstandsgesellschaft“ erübrigt. Sicherlich darf dabei nicht vergessen werden, daß der Aufschwungsimpuls von den großen Industrienationen, den USA und Japan, ausgegangen ist. Österreich muß daher selber wieder neue und kräftige Impulse in die eigene Industrie injizieren.

Aus diesem Grund veranstalten die Vereinigung österreichischer Industrieller, die ÖIAG und die Investitionskredit AG vom 25. bis 27. Oktober im Haus der Industrie ein internationales Symposium. Der Titel lautet: „Österreichs Industrie im Jahr 2000“. Hier soll diskutiert werden, welche Rolle kleine Industriestaaten wie Österreich im Rahmen der großen „Industriekonzerne“ spielen können und sollen.

Die Präsidentschaft der Konferenz hat Professor Frederic de Hoffmann, Präsident des Salk Institute in San Diego, Kalifornien, übernommen. Professor de Hoffmann leitete bereits im Jahr 1972 eine von der österreichischen Bundesregierung veranstaltete Konferenz über die Zukunft von Wis senschaft und Technik in Österreich.

Konferenzdirektor ist Professor Herbert Krejci, Generalsekretär der Vereinigung österreichischer Industrieller.

Dieses Symposium ist der Beitrag der Veranstalter zum heurigen Jubiläumsjahr der Republik, das von der Bundesregierung zum Jahr der Zeitgeschichte erklärt worden ist. 40 Jahre Republik, 30 Jahre Staatsvertrag, 30 Jahre Beitritt unseres Landes zu den Vereinten Nationen. Begleitet wurde dieses Jahr bis jetzt von einer Unzahl von Veranstaltungen und Festakten.

Aber Österreich darf nicht nur Blik-ke in die Vergangenheit machen, sondern muß auch in die Zukunft schauen. Wir sind heute nicht nur in einer Situation des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbruches, sondern auch in einer Aufbruchssituation: dem Aufbruch ins Jahr 2000. Die Frage, welcher Welt wir in diesem Jahr entgegengehen sollen, ist aber eine Frage langfristigen Denkens. Langfristiger, als es heute üblich ist in unserer kurzlebigen Welt.

Der Veranstaltungszeitraum um den 26. Oktober, den Nationalfeiertag, ist nicht zufällig gewählt. Diese Konferenz ist die einzige Veranstaltung im Jubiläumsjahr, die auch in die Zukunft denkt.

Es ist den Veranstaltern gelungen, viele hervorragende ausländische Experten und Industrielle einzuladen.

Daraus kann man das enorme Interesse ersehen, das der österreichischen Industrie von ausländischer Seite entgegengebracht wird. Aus Österreich selbst werden zu dieser Konferenz etwa 250 prominente Vertreter der Wirtschaft erwartet.

Die vielen ausländischen Vertreter wurden aber ntcht eingeladen, damit sich Österreich ihre Industriemodelle abschauen oder abschreiben kann, sondern sie sollen „unbefangen“ die Situation der heimischen Industrie durchleuchten können. Durch sie sollen die österreichischen Industriellen und Politiker das rechte Augenmaß bekommen, um die österreichischen Stoßrichtungen in der Industriepolitik zu überprüfen und Möglichkeiten aufzuzeigen.

Aus diesem Grund wurde nach reiflicher Überlegung auch die Leitung der fünf Arbeitsgruppen (siehe Kasten) in die Hände ausländischer Unternehmer gelegt.

In den Arbeitskreisen, die aus fünf bis zehn Teilnehmern bestehen, geht es vor allem um die Fragen: Welche industrielle Strukturen kann Österreich aufbauen und entwickeln? Wie kann der Strukturwandel bewältigt und gleichzeitig offensiv am internationalen Markt agiert werden? Welche Rolle wird der Technologietransfer in einer Welt spielen, in der die In-ternationalisierung der Wirtschaft denTakt diktiert? Wie steht es mit der heimischen Forschung und Entwicklung? Welches „geistige Klima“ wird für so langfristige Planungen notwendig sein? Woher soll das Geld kommen? Welche flankierenden Maßnahmen im Sinne einer für die Industrie berechenbaren Wirtschaftspolitik müssen ergriffen werden?

Dieses Symposium steht unter einem Generalthema, das einen weiten Bogen spannt. Die Teilnahme lohnt sich auch nur, wenn an allen drei Veranstaltungstagen mitgearbeitet wird. Denn die Veranstaltung soll sich nicht nur auf eine dreitägige Diskussion beschränken, es soll nicht nur Bilanz gezogen werden, sondern es sollen auch Perspektiven eröffnet werden. Das alles muß und soll natürlich auch politisch umgesetzt werden.

Bundeskanzler Fred Sinowatz hat daher dem Vorschlag der Veranstalter zugestimmt, einen internationalen Industriebeirat der österreichischen Bundesregierung einzurichten. Dieser soll mindestens einmal pro Jahr zusammentreten, um aktuelle Aspekte der industriellen Entwicklung aus internationaler und österreichischer Sicht zu beraten.

Mit den praktischen Erfahrungen der in- und ausländischen Teilnehmer und der Einsicht in das Machbare und Notwendige für Österreich, kann man nur voll Optimismus einer Trendwende ins Jahr 2000 entgegensehen.

Mit weiteren Informationen über das Symposium sowie über die Möglichkeiten einer Teilnahme stehen die Veranstalter Völ, ÖIAG und Invest-kredit zur Verfügung.

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