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Olympia 1992: Medaillenflut - alles gut?

Die den heutigen Spitzensport entlarvende Meldung kam nicht aus Albertville: Der Deutsche Leichtathletikverband sperrte drei Sportlerinnen, darunter die zweifache Sprint-Weltmeisterin Katrin Krabbe, für vier Jahre, weil sie bei einer Dopingkontrolle falsche Urinproben abgegeben hatten. Betrug und Manipulation sind anscheinend immer noch die „Eltern" etlicher sportlicher Höchstleistungen. Trotzdem übt Sport Faszination aus, mögen Politik und Kommerz hineinspielen, mögen ihn - wie jetzt bei den Olympischen Winterspielen - große Umweltsünden begleiten, mag das Gerangel um Sekundenbruchteile und Zentimeter (immerhin sind diese Leistungen noch meßbar) und Wertungspunkte (wo oft parteiische Kampfrichter entscheiden) viele Fragen aufwerfen.

Weil es eben üblich ist, die Punkte ein wenig chauvinistisch zu verteilen, fällt ein Mann, der sich um eine korrekte Bewertung müht, schon unangenehm auf. Einer so verloreneri Medaille dürfen die Betroffenen nachtrauern, aber nicht die ausdauernden Passivsportler an Biertischen und vor TV-Geräten, die sich als „Patrioten" im Licht der Erfolge ihrer Landsleute sonnen möchten.

Womit wir bei Österreichs Bilanz dieser Winterspiele sind: „Heute ist der 16., und wir halten bei der 16. Medaille..." Die Freude des ORF:Sprechers über die bisherigen Erfolge der Österreicher war verständlich. Schließlich hat das rot-weiß-rote Team noch nie mehr als zwölf Medaillen errungen und 1984 aus Sarajewo nur einmal Bronze mitgebracht.

Ein bißchen Nationalstolz - ja, aber man sollte auf dem Boden bleiben (wie es die meisten Sportler eher als manche „Fans" tun). Es sind „Spiele", keine Ersatzkriege, die mittels des „Medaillenspiegels" entschieden werden. Auch bei jenen, die in den Sport viel (Trainings-)Zeit und (Ausrüstungs-)Geld investiert haben, dürften vermutlich die privaten Interessen noch vor den nationalen kommen. Oder freut einen österreichischen Skierzeuger wirklich ein Österreicher-Sieg auf einem fremden Ski mehr als ein ausländischer Champion auf seinem Produkt?

Ist der Satz „Sinn Olympischer Spiele ist nicht Sieg, sondern Teilnahme, Ziel nicht Kampf, sondern Ritterlichkeit" nur mehr eine hehre, aber leere Formel? Im Prinzip ja, aber es gab auch einiges, was seine Gültigkeit bestätigte. Vor allem den Teams aus Slowenien, Kroatien und dem Baltikum merkte man an, daß ihnen schon das „Dabeisein" wichtig war. Für sie wog das Antreten als Vertreter unabhängiger Staaten mit eigenen Fahnen, auch wenn ihre Hymnen bei keiner Siegerehrung erklangen, viele Medaillen auf.

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