A weng ausgflippt

1945 1960 1980 2000 2020

Lebensfreude geht auch, wenn die Horrormeldungen rund um Corona im Minutentakt eintrudeln. Wie, das beschreibt Brigitte Quint in ihrer Kolumne.

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Lebensfreude geht auch, wenn die Horrormeldungen rund um Corona im Minutentakt eintrudeln. Wie, das beschreibt Brigitte Quint in ihrer Kolumne.

Manchmal wünschte ich, das Internet würde ausfallen. Weltweit. Über Weihnachten etwa. Danach können die Horrormeldungen ja wieder eintrudeln. Schon klar. Vermutlich wird vom Atomkraftwerk bis zur Herz-OP alles via Internet gesteuert. Fiele es aus, der Katastrophenalarm wäre uns sicher.

Doch gerade das ist der Punkt. Wir haben ihn trotzdem. Obwohl das Internet tadellos funktioniert. Zumindest hier in Wien. Oder in meiner Heimat Bayern. Dort werden angeblich grad Rolex gehamstert. Weil das deutsche RKI kriegsähnliche Szenarien vorhergesagt hat.

Irgendwer auf Facebook meinte, dass die Münchener Schickeria bereits die Juweliere stürmt. Als ich das las, habe ich auf „Youtube“ die „Schickeria“ von der Spider Murphy Gang gesucht. „Ja mei, wia kummst denn do daher. A weng ausgflippt muasst scho sei. Schickschik-schickschicka-Schickeria…“ A Traum! Meine Stimmung stieg von 0 auf 100. Ich sang, wippte mit den Beinen, wedelte mit den Armen.

Draußen war es finster. In meinem Büro brannte Licht. Die Leute vom Haus gegenüber werden sich ihren Teil gedacht haben. Dann hat mir der „Youtube“-Algorithmus „Pfüati Gott Elisabeth“ vorgeschlagen. Die Murphy Gang besingt in dem Song einen Hallodri, der den Frauen den Kopf verdreht und sich dann vertschüsst. Für mich gab ein kein Halten mehr. Ich drehte den Lautsprecher bis zum Anschlag, sprang auf und hüpfte durchs Zimmer. Und dann poppte auf meinem PC eine Meldung auf. Es ging um Prognosen zu Omikron. Wissen Sie was? Das war mir wurscht. Ich habe mich weiter des Lebens gefreut. Den Wunsch, das Internet möge ausfallen, nehme ich zurück. Sonst kann ich keine Lieder googeln.„A weng ausgflippt muasst scho sei. Schickschick-Schickeria…“.

Ach ja: Die Rolex-Story entpuppte sich übrigens als Fake.

Lesen Sie auch die Quint-Essenz "Friedrich Merz und ich" oder "Der innere Unfrieden".

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