Arbeit, Jugend, Alter: Der Generationenkonflikt

1945 1960 1980 2000 2020

Die Jugend ist arbeitsscheu - zu diesem Schluss kommt Kolumnistin Brigitte Quint nachdem sie sich die Probleme von zwei Arbeitgebern angehört hat. Als sie ihre Meinung kund tut, bricht ein Shitstorm über sie herein. Warum und was das Alter damit zu tun hat, lesen Sie hier:

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Die Jugend ist arbeitsscheu - zu diesem Schluss kommt Kolumnistin Brigitte Quint nachdem sie sich die Probleme von zwei Arbeitgebern angehört hat. Als sie ihre Meinung kund tut, bricht ein Shitstorm über sie herein. Warum und was das Alter damit zu tun hat, lesen Sie hier:

Ein Bekannter hat sich beklagt. Er leitet die Radiologie in einem Spital. Dreien seiner Famulanten hatte er eine feste Anstellung angeboten. Alle haben abgelehnt. Zwei wollen eine Weltreise machen. Der dritte fühlt sich noch nicht reif fürs Berufsleben. Ähnliches berichtet der Chef einer Social-Media- Firma. Er bat zwei seiner Teilzeit-Mitarbeiter, ihre Stunden aufzustocken. Die Bitte wurde abgeschmettert. Der eine erklärte, er wolle seinen Hund aufwachsen sehen. Der andere gab an, dass man bei einer Vollzeit-Stelle zu wenig zu Hause sei.

Wann ist man alt? Laut WHO ab dem 65. Lebensjahr. Andere sagen: „Man ist so alt, wie man sich fühlt.“ Ich befürworte eine dritte Theorie. Demnach ist der alt, der die Jugend nicht mehr versteht. So gesehen bin ich alt. Sehr alt. Die Geschichten von der arbeitsscheuen Bagage bringen mich auf die Palme. Denken die jungen Leutʼ, dass das Geld auf den Bäumen wächst? „Das Schicksal jedes Volkes und jeder Zeit hängt von den Menschen unter 25 Jahren ab“ – hat Goethe prognostiziert. Na dann prost Mahlzeit. Unser Schicksal ist besiegelt.

Diese Meinung tue ich auch auf einer Familienfeier kund. Über mich bricht ein Shitstorm herein. Mein Onkel erklärt, dass die Jugend recht hat. Sie würde erkennen, was wirklich zählte. Mein Cousin fragt mich provokant: „Hättest du nicht auch gerne mehr Zeit für dein Kind?“ und trifft mich mitten ins Herz. Das ist der wunde Punkt aller Mütter, die Vollzeit arbeiten. So gesehen hat Goethes Zitat etwas Tröstendes. Die Werte wandeln sich. Tierliebe, sich die Welt anschauen, einfach mal da- heim bleiben – das könnte künftig genauso angesehen sein wie beruflicher Erfolg. Vielleicht noch mehr. Ich werde dann schon alt sein. Dafür aber verständnisvoll.

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