Emotional entkrampft: Die böse Pharmaindustrie

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Vorurteile gegen die Pharmaindustrie hat Brigitte Quint en masse. Und sie hat herausgefunden, dass sie diese aus sozialpsychologischer Sicht ruhig kundtun soll. Über Zufälle und Wutkrämpfe.

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Vorurteile gegen die Pharmaindustrie hat Brigitte Quint en masse. Und sie hat herausgefunden, dass sie diese aus sozialpsychologischer Sicht ruhig kundtun soll. Über Zufälle und Wutkrämpfe.

Wenn ich an Pharmakonzerne denke, dann fallen mir zwei Geschichten ein: erstens jene meiner ehemaligen Mitbewohnerin. Nennen wir sie Claudia. Sie hat nach dem Studium bei einem Pharmariesen angeheuert, verdiente Unmengen an Geld. Dann wurde sie krank. Burnout. Aber damals gab es das Wort noch gar nicht. Jedenfalls wollte man Claudia daraufhin loswerden. Dafür ließ der Konzern einiges springen. Von der Summe ihrer Abfindung kaufte sich Claudia eine Eigentumswohnung.

Die zweite Geschichte hat mir meine Nachbarin erzählt, die ebenfalls in der Pharmabranche arbeitet. Ihr Chef hat sich jüngst ein Haus gekauft. In Wien. Es ist kein gewöhnliches Haus. Zum Haus gehört ein Park, dessen Nutzung nur dem Eigentümer vorbehalten ist.

Das Gebaren von Astra Zeneca, das dieser Tage ans Licht kommt, ist daher nur Wasser auf den Mühlen meiner Vorurteile. Aus sozialpsychologischer Sicht ist es übrigens absolut zulässig, dass ich meine Befangenheit unreflektiert in die Welt hinausposaune. Der Vorurteilsforscher Jens Förster sagt, wer seine Vorurteile unterdrückt, verstärkt deren Intensität. Besser sei, sie zu entkrampfen. Was auch immer das heißen mag.

Wenn ich Muskelanspannungen lockern will, dann gehe ich zum Masseur. Aber was mache ich gegen den Wutkrampf, den Astra Zeneca bei mir ausgelöst hat? „Netdoktor.at“ empfiehlt zum Beispiel Distraneurin-Kapseln. Deren Inhaltsstoffe verstärken offenbar die Wirkung der hemmenden Botenstoffe im Gehirn.

Produziert wird das Präparat übrigens von Astra Zeneca. Auf den Zufall ist also Verlass. Am Ende gewinnt eben immer die Bank – oder die Pharmaindustrie.

Lesen Sie auch die Quint-Essenz "Was ist jetzt mit Wohlfühl-Walter" oder "Grüß Gott, Sie Flegel!".

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