Vom "Ersetzen" in der Pandemie

1945 1960 1980 2000 2020

Kolumnistin Brigtte Quint hat genug vom "Ersetzen". Ob Besprechung via Videokonferenz, Einkaufsbummel per Online-Shopping oder gar das Vor-Corona-Leben durch die "neue Normalität". Wobei – manches ist vielleicht doch nicht so schlecht ...

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Kolumnistin Brigtte Quint hat genug vom "Ersetzen". Ob Besprechung via Videokonferenz, Einkaufsbummel per Online-Shopping oder gar das Vor-Corona-Leben durch die "neue Normalität". Wobei – manches ist vielleicht doch nicht so schlecht ...

Mein persönliches Unwort heißt derzeit „Ersatz“ samt allen Biegungen drumherum wie „ersetzen“ oder „ersetzt“. Die Besprechung mit Kolleginnen und Kollegen wird durch die Videokonferenz ersetzt. Der Einkaufsbummel durch Online-Shopping. Selbst unsere physische Anwesenheit auf Hochzeiten, Beerdigungen oder bei Scheidungen kann ersetzt werden. Via Skype-Zuschaltung. Auch Hunde, Katzen, Wellensittiche müssen als Ersatz herhalten. Für menschliche Nähe. Die Nachfrage nach Haustieren soll angeblich gerade explodieren.

Ersatz, ersetzen, ersetzt. Diese Wortkonversion klingt wie das Kläffen eines Rottweilers. Auch den Spruch „Jeder ist ersetzbar“ fand ich schon immer furchtbar. Gnadenlos und unbarmherzig ist der. Etwas ersetzen – das macht man doch nur, wenn man das, was da ist, loswerden will. Oder es nicht mehr funktioniert. So mancher „Er“ soll schon holterdiepolter mit einem Satz ersetzt worden sein. „Sie“ natürlich auch.

Ersetzt wurde auch unser altes Leben. Im Angesicht der Pandemie hat es nicht mehr funktioniert. Es war geradezu lebensgefährlich. Ein Ersatz musste her. Wie ein Fußballer auf der Ersatzbank, der eingewechselt wird, um das Spiel zu drehen. Derweil bin ich mir gar nicht so sicher, ob ich mein Vor-Corona-Leben überhaupt noch zurückwill. Seit Corona kenne ich alle meine Nachbarn. Die meisten sind nett. Mein neues Hobby heißt Puzzeln. DasGehetze zwischen Kindergarten und Arbeit hat sich in Luft aufgelöst. Mein Mann steht inflationär am Herd. Mein Kind hat Staubsaugen gelernt. Egal, wen ich anrufe – alle sind plötzlich erreichbar. Ich habe nicht ersetzt, sondern ergänzt. Ergänzung, ergänzen, ergänzt. Das ist Musik in meinen Ohren.

Mehr Quint-Essenz: Lesen Sie auch "Oktoberfest abgesagt: Schee wär´s scho".

Mein persönliches Unwort heißt derzeit „Ersatz“ samt allen Biegungen drumherum wie „ersetzen“ oder „ersetzt“. Die Besprechung mit Kolleginnen und Kollegen wird durch die Videokonferenz ersetzt. Der Einkaufsbummel durch Online-Shopping. Selbst unsere physische Anwesenheit auf Hochzeiten, Beerdigungen oder bei Scheidungen kann ersetzt werden. Via Skype-Zuschaltung. Auch Hunde, Katzen, Wellensittiche müssen als Ersatz herhalten. Für menschliche Nähe. Die Nachfrage nach Haustieren soll angeblich gerade explodieren.

Ersatz, ersetzen, ersetzt. Diese Wortkonversion klingt wie das Kläffen eines Rottweilers. Auch den Spruch „Jeder ist ersetzbar“ fand ich schon immer furchtbar. Gnadenlos und unbarmherzig ist der. Etwas ersetzen – das macht man doch nur, wenn man das, was da ist, loswerden will. Oder es nicht mehr funktioniert. So mancher „Er“ soll schon holterdiepolter mit einem Satz ersetzt worden sein. „Sie“ natürlich auch.

Ersetzt wurde auch unser altes Leben. Im Angesicht der Pandemie hat es nicht mehr funktioniert. Es war geradezu lebensgefährlich. Ein Ersatz musste her. Wie ein Fußballer auf der Ersatzbank, der eingewechselt wird, um das Spiel zu drehen. Derweil bin ich mir gar nicht so sicher, ob ich mein Vor-Corona-Leben überhaupt noch zurückwill. Seit Corona kenne ich alle meine Nachbarn. Die meisten sind nett. Mein neues Hobby heißt Puzzeln. DasGehetze zwischen Kindergarten und Arbeit hat sich in Luft aufgelöst. Mein Mann steht inflationär am Herd. Mein Kind hat Staubsaugen gelernt. Egal, wen ich anrufe – alle sind plötzlich erreichbar. Ich habe nicht ersetzt, sondern ergänzt. Ergänzung, ergänzen, ergänzt. Das ist Musik in meinen Ohren.

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