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Rund um Milo Dor

Zu den Geheimnissen der Kunst gehört es, daß in ihr der Talentierte einen Mehrwert an Wahrheit hervorbringt, der sich aus dem Wissen der Zeit und deren Meinungen nicht erklären läßt. Dieses Plus herauszuarbeiten war Auftrag eines Symposions des österreichischen PEN-Clubs, das anläßlich des 65. Geburtstages Milo Dors abgehalten wurde.

• In neun Beiträgen aus dem In-und Ausland kehren daher gewisse Fragen und Positionen in wechselnder Beleuchtung wieder, so etwa „der Fremde“. Als Schlüsselwort der Romantik und des Symbolismus sperrte es geheime Zonen des Bewußtseins auf. Bei Milo Dor aber ist das „Fremdsein“ — wie Michael Scha-rang zeigt - der Schlüssel zur Realität einer technokratischen Welt, in der sich die „Übriggebliebenen“ des Zweiten Weltkrieges zurechtzufinden haben. „Eigentlich bin ich in meinen Erinnerungen an die Heimat auf der Suche nach einer größeren Heimat.“ Wo liegt diese?

Zoran Konstantinovic beleuchtet die Identifikationschancen, die in den Begriffen Abendland oder Kakanien gegeben sind und kommt dabei zu dem Schluß, Milo Dor sei innerhalb der Belletristik der bedeutendste österreichische Vertreter des Mitteleuropa-Gedankens. György Sebe-styėn verlegt die größere Heimat noch mehr nach innen, in den europäischen Humanismus und in die besondere Aura sinnlich-poetischer Literatur.

Von persönlichen Erfahrungen mit dem Autor ins Allgemeine vorstoßend, erschließen die Beiträge viele Querverbindungen im mitteleuropäischen Raum.

MILO DOR. Beiträge und Materialien. Herausgegeben von Hehnuth A. Niederle. Paul Zsolnay Verlag, Wien, Darmstadt 1988. 83 Seiten, öS 98,-.

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