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Schwerpunkt Umweltschutz

1945 1960 1980 2000 2020

Auf der in Europa einzigartigen Österreichischen Wissenschaftsmesse wurden unter anderem bemerkenswerte neue Entsor-gungs- und Recycling-Verfahren präsentiert.

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Auf der in Europa einzigartigen Österreichischen Wissenschaftsmesse wurden unter anderem bemerkenswerte neue Entsor-gungs- und Recycling-Verfahren präsentiert.

Zum vierten Mal fand heuer vom 3. bis 6. Juni in Wien die österreichische Wissenschaftsmesse statt. Diese europaweit einzigartige Begegnungsveranstaltung zwischen Wissenschaft und Forschung, Gewerbe, Industrie und Kunst war zum ersten Mal in der neuen Europahalle des Wiener Messegeländes untergebracht. Auf 20.000 Quadratmetern

Fläche präsentierten mehr als 120 Universitäts- und Hochschulinstitute, an die 30 andere Forschungsstätten und rund 150 innovative Unternehmen ihre Forschungsergebnisse.

Eines der gegenwärtig brennendsten und aktuellsten Probleme, der Umweltschutz, bildete einen Schwerpunkt der Messe; diesem Thema war auch das parallel dazu veranstaltete Symposium unter dem Titel „Mensch — Forschung - Umwelt — Industrie” gewidmet.

In Vorträgen und Diskussionen behandelten Fachleute Probleme des Umweltschutzes — neben dem Waldsterben wurden einige sehr interessante Konzepte zur Umweltentlastung und Recycling-Methoden präsentiert.

Ein Konzept für eine Gesamt-entsorgungslösung, das langfristig sicheren Umweltschutz sowie Wirtschaftlichkeit durch Abfallrecycling bieten will, stellte beispielsweise die VOEST-ALPINE AG vor. Grundlage des Konzeptes ist die Idee, die Probleme der steigenden Entsorgungserfordernisse mit jenen der Versorgung mit Rohstoffen und Energieträgern zu verbinden.

Einzelne Anlagen, etwa der Müll-, Klärschlamm- und Abwasserentsorgung, sollen so miteinander „vernetzt” werden, daß die Restabfälle einer Einzelanlage Rohstoffe und Energie für die weiteren Anlagen liefern. In einem ersten Schritt wird die Kombination solcher Entsorgungsanlagen für eine Region von rund 400.000 Einwohnern zurzeit realisiert.

Der Lösung von Umweltproblemen im Spitalsbereich war ein Beitrag der VE W-Medizintechnik gewidmet. Ein neu entwickelter Abfalldesinfektor wandelt den Sonderabfall von Krankenhäusern bei einer Desinfektionstemperatur von 120 Grad Celsius in ungefährlichen Abfall um, der dann mit dem Hausmüll entsorgt werden kann. Bisher war die Beseitigung des Sonderabfalls in Spitälern—er ist gefährlich, da infektiös und zum Teil auch toxisch und radioaktiv - äußerst problematisch.

Die zurzeit praktizierten Methoden der Sondermüllverbrennung einerseits und der Pyrolyse (ther-

Auch diese Metallplastik aus der Hochschule für Gestaltung in Linz wurde gezeigt (Fotos Archiv) mische Spaltung von organischen Stoffen im Müll durch Erhitzen unter sauerstoffarmen Bedingungen) andererseits haben entscheidende Nachteile wie etwa hohe Investitions- und Betriebskosten, Schadstoffemissionen, die problematische Verbrennung von P VC und die erforderliche Rauchgaswäsche.

Die Methode der Abfalldesinfektion bietet dagegen entscheidende Vorteile: Bei einem Vergleich konnten die Kosten bei einem Krankenhaus mit rund 2000 Betten gegenüber der Pyrolyse-Methode nahezu halbiert werden, das neue Verfahren bietet gute Recyclingmöglichkeiten, hat kurze Betriebszeiten, und die Umweltbelastung ist praktisch ausgeschaltet.

Ein sensationelles Recyclingverfahren, das an der Technischen Universität Graz entwik-kelt wurde (am Institut für Verfahrenstechnik unter Leitung von Rolf Marr), die sogenannte Flüs-sig-Membran-Permeation, stellten die Wissenschaftler im Rahmen der Messe vor. Bereits im nächsten Jahr wird eine derartige Anlage, die erste der Welt, in Len-zing, Oberösterreich, ihren Betrieb aufnehmen. Diese Recyclingmethode ermöglicht es, aus einem Fabrikabwasser Zink zu mehr als 90 Prozent herauszuholen und wieder dem Produktionsprozeß zuzuführen; die Kosten der Anlage sollen sich bereits in drei Jahren amortisiert haben.

Das Prinzip des Verfahrens: Abwasser wird über eine Öl-Emulsion geleitet, die Schad- und Wertstoffe dringen in das öl ein, und nach Entfernung des Wassers kann der Produktionsabfall (neben Zink auch Chrom, Vanadium und Nickel) wieder weiterverwendet werden. Auch das öl wird wieder der Anlage zugeführt. Doch nicht nur teure Edelmetalle gehen auf diese Weise nicht verloren, das Abwasser kann dadurch auch von giftigen und gefährlichen Substanzen befreit werden.

Wirksamer Umweltschutz ist aber trotz neuer Verfahren und Technologien nicht ohne entsprechende Gesetze möglich. Eine laufende Anpassung der Rechtsordnung an die dringlichsten Probleme ist, wie Sektionsleiter Ernst Bobek vom Gesundheitsministerium in seinem Vortrag im Rahmen des Symposiums ausführte, unerläßlich.

Zu den wichtigsten Maßnahmen für die Zukunft zählen das Smogalarmgesetz sowie ein Bundesgesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung von Großprojekten.

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