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SINKENDE EFFIZIENZ

Energieflußdiagramme zeigen schematisch, welchen Weg durch die Volkswirtschaft die Energie nimmt. Sie ist an Träger (Kohle, Erdöl, Gas...) gebunden. Diese Primärenergieträger werden in Österreich zum Großteil importiert. Ein Teil von ihnen wird im Energiesektor einer Umwandlung unterzogen. Dabei treten Verluste auf.

Ergebnis dieser Umwandlung sind für den Letztverbraucher geeignete Energieformen (Strom, Benzin, Koks). Bei ihrem Einsatz treten neuerlich Verluste auf, sodaß insgesamt nur ein Bruchteil der ursprünglich vorhandenen Energie tatsächlich wirksam wird.

Wie haben sich diese Energieströme nun zwischen 1980und 1991 (siehe Abbildung) verändert?

Zunächst ist ein insgesamt gestiegenes Energieaufkommen zu registrieren. Der Anstieg beträgt in diesen elf Jahren immerhin 15 Prozent, liegt damit aber deutlich unter dem Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts, das 25 Prozent betragen hat.

Der Anteil der Importe am Energieaufkommen ist in diesem Zeitraum leicht rückläufig (von 66,5 auf 64 Prozent). Das ist insbesondere auf einen starken Anstieg der Nutzung von Biomasse zurückzuführen (ihr Einsatz hat sich etwa verdreifacht).

Mit einem Anteil von zwei Drittel sind die Importe im Energiebereich nach wie vor enorm hoch und machen Österreichs Wirtschaft sehr verletzlich. In dieser Hinsicht haben die wirtschaftspolitischen Entscheidungsträger überhaupt nichts aus der Energiekrise des Jahres 1973, als die arabischen Opec-Länder den Ölhahn zu-gredeht hatten, gelernt.

Wie sieht nun der Mix des Energieträgereinsatzes aus? Welche sind da die auffallendsten Veränderungen? Zu registrieren ist ein starker Anstieg beim Anteil der Biomasse und ein schwacher beim Gas, sowie ein deutlicher Rückgang beim Anteil des Erdöls. Der Einsatz dieses Energieträgers ist sogar absolut gesunken.

Gleichbleibend bis rückläufig ist bei allen Energieträgern der Anteil des Inlandaufkommens. Daß der Inlandsanteil am Energieaufkommen dennoch insgesamt gestiegen ist, liegt daran, daß der Biomasseanteil (mit beinahe hundertprozentigem Inlandsanteil) stark an Bedeutung gewonnen hat.

Wie sieht nun die Energienutzung aus? Zur großen Überraschung ist festzustellen, daß die Effizienz der Energienutzung sich im letzten Jahrzehnt nicht verbessert, ja sogar eher verschlechtert hat. Wurden im Jahr 1980 noch 58,7 Prozent der eingesetzten Energie letztendlich genutzt, so liegt dieser Prozentsatz im Jahr 1991 nur mehr bei 55,7 Prozent!

Gestiegen ist sowohl der Anteil der Position Umwandlungsverluste und Eigenverbrauch des Energiesektors (von 15,5 auf 16,9 Prozent), als auch der Anteil der Verluste, die beim Endverbraucher eintreten. Eine im Grunde genommen sehr enttäsuchende Feststellung, wenn man bedenkt, welche technischen Fortschritte es in diesem Zeitraum gegeben hat.

Eine Gegenüberstellung des Verlustanteils in den einzelnen Verbrauchssektoren zeigt, daß es deutliche energiesparende Effekte eigentlich nur in der Industrie, im Bereich der Erzeugung von Prozeßwärme gegeben hat. Da stagniert der Energieverbrauch daher auch in der Beobachtungsperiode, während er vor allem bei der Erzeugung von Raumwärme und Warmwasser stark (um 37 Prozent) gestiegen ist, in einem Bereich, für den in dieser Statistik keine deutlichen Effizienzsteigerungen der Energienutzung ausgewiesen werden.

Grob gesprochen kann man also von energiesparenden Effekten wohl im Bereich der Produktion, nicht jedoch im Sektor der privaten Haushalte sprechen.

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