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Sparen heißt optimieren

Es gibt nur eine Energiequelle, die überall verfügbar, in der Versorgung sicher, absolut sauber ist und keinen Transport und keine Lagerung erfordert: nämlich die eingesparte Energie.“ Also sprach der Generaldirektor der Honeywell Austria, Dkfm. Wieshofer, auf einer Pressekonferenz im Juni dieses Jahres.

Energiealternativen gibt es deren viele, vom Windrad bis zum Sonnenkraftwerk und einem in Österreich still dahindämmernden Kernkraftwerk. Windkraftwerke bewegen sich aber derzeit noch im Reich der Fabel, die Solarenergie ist sicher nicht vor dem Jahre 1990 im großen Umfang nutzbar - so die letzten Prognosen - die Atomenergie ist in Österreich vorläufig gesetzlich verhindert. Bleiben nur mehr die Isolierung und der Einbau von mehrfach verglasten Fenstern,

was sich auch über Jahre hinziehen wird.

Und nach den letzten Voraussagen wird die EG 1990 zirka 40 Prozent mehr Energie verbrauchen als 1973 und 30 Prozent mehr als 1980, und die Hälfte davon wird man noch importieren müssen. Diese Zahlen können, was den Verbrauch anbelangt, auch für Österreich abgeleitet werden.

Deshalb gilt es, die eingesparte Energie rasch zu nutzen. Dafür ist, nach dem letzten Stand der Technik, die Elektronik, besser gesagt, ihre Hilfe, der beste Weg. Wieshofer: „Der Einbau regeltechnischer Einrichtungen ist eine Maßnahme, die vom Staat verbindlich vorzuschreiben wäre, wie dies in anderen Ländern zum Teil schon der Pall ist"

Bei uns ist das nicht der Fall. Und mit dem Energiebewußtsein hapert es. Zumindest dort, wo der nachträgliche Einbau einer Zentralen Leittechnik, kurz ZLT, angebracht wäre. Bei Neubauten fand und findet schon ein Umdenken statt trotzdem ist für viele potentielle Anwender die ZLT noch immer ein Buch mit sieben Siegeln.

Geringe Kosten

Deshalb ein Beispiel: Mit einem relativ geringen Kostenaufwand wurde das Grazer Kongreßzentrum bei der ersten Ausbaustufe Im Februar 1980 mit einem Leitsystem ausgerüstet und läuft jetzt mit fast vollem Programm.

Herz des Systems ist eine zentrale Datenanlage mit Standardsoftwaremodulen und autoadaptivem System. Angeschlossen sind ein Datensichtgerät, ein Diaprojektor und ein Ein/Aus- gabedrucker. Meßstellen mit Regelund Meßfühler sorgen für laufende

Eingaben der Werte und für die größtmögliche Optimierung der Energie.

Optimiert wird die Gesamtenergie, sei es die des Heizsystems oder der elektrischen. Gemessen werden Außenwerte sowie Wind, und in Abhängigkeit der Restwärme - und natürlich des Einschaltzeitpunktes-erfolgt eine gesteuerte Optimierung. Dabei wird auch die menschliche Körperenergie, von zirka 100 W berücksichtigt.

Das spielt sich in der Praxis folgendermaßen ab: Über die Eingabeeinheit in der zentralen Leitstelle werden 20 Grad Wärme vorprogrammiert. Nach bereits zehn Minuten ist, durch die zusätzliche Ausnutzung der Körperenergie der Kongreßteilnehmer, die gewünschte Temperatur erreicht und die Heizung wird automatisch abgeschaltet. Zusätzlich entsteht aber, eben durch diese Ausnutzung, Überschußwärme, die durch ein Abluftsystem in Nebenräume umgeleitet wird. Im Falle des Grazer Kongreßzentrums wurden dadurch in unbenützten Räumen schon Temperaturen von 26 bis 27 Grad Celsius erzielt.

Einsparungen enorm

„Ein Ziviltechniker hat uns jährliche Heizkosten von 700.000 Schilling aus-

gerechnet. Momentan halten wir bei 286.000 Schilling", freut sich Ing. Albert Leskoschek, verantwortlicher Techniker des Kongreßzentrums. Und das bei 8000 m2 Gesamtfläche.

So testete man die Anlage, Indem man das Leitsystem einen Monat lang abschaltete. Die Stromkosten kamen auf 170.000 Schilling. Mit Leitsystem auf 110.000 Schilling. Eine durchaus rentable Sache.

Das Kongreßzentrum rechnet daher auch nur mit einer Amortisationszeit von dreieinhalb Jahren, während

die installierende Firma mit sechseinhalb kalkulierte. Im allgemeinen kann mit einer durchschnittlichen Zeit von fünf Jahren gerechnet werden, doch sind die Anlagen von den Erfordernissen her zu individuell, und auch die steigenden Energiekosten sind ein entscheidender Faktor. Je teurer die Energie, desto kürzer die Amortisationszeit.

Auch die Beleuchtung wird in Abhängigkeit der Lichtverhältnisse gesteuert. In der Anwendung sieht das so aus: Da der Zeitpunkt eines Ta- gungs- oder Kongreßbeginnes be

kannt ist, wird dieser in den Computer eingegeben, genauso das Tagungsende. Nun sorgt das System für eine pünktliche Ein- und Ausschaltung, be- • läßt aber dem Reinigungspersonal ein ausreichendes Restlicht, welches dann nach den ebenfalls eingegebenen Erfahrungswerten abschaltet Somit sind der Vergeßlichkeit Grenzen gesetzt, denn die Eingabe betrifft über eine automatische Zeitkontrolle lange Zeiträume. So werden auch Feiertage, also Tage, an denen nach Terminplan keine Tagung vorgesehen ist, energiesteuerungsmäßig vorprogrammiert.

Dieses soeben beschriebene Beispiel zeigt einen eng umrissenen Fall von seiner Aufgabenstellung her, der aber durchwegs auch auf andere Objekte abwandelbar ist.

Die Werte werden vorprogrammiert

So wurde mit einem Investitionsaufwand von rund 550.000 Schilling im Krankenhaus St. Pölten im Zuge eines weiteren Ausbaues eine ZLT installiert. Die Einsparungen betrugen ungefähr 215.000 Schilling im Jahr, natürlich berichtigt auf Basis der Heizgradtage, um die Auswirkung kälterer oder wärmerer Winter zu kompensieren. Die Amortisationszeit betrug rund zweieinhalb Jahre.

In der Shopping-City-Süd führte die Installation einer ZLT zu einer Einsparung von über einer Million Schilling pro Jahr, was bei Investitionskosten von 1,6 Millionen Schilling eine Amortisationszeit von eineinhalb Jahren bedeutet. Über diese Anlage wird noch zusätzlich eine Autozählung durchgeführt.

Es fehlt hier an Raum, um noch intensiver auf Leittechniksysteme eingehen zu können, denn sie sind nicht nur im Wohn- und Firmenbereich, sondern auch im industriellen Bereich eine Überlegung wert. Eines sind sie sicher: eine reale Energiesparalternative.

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