Stadlers Marktforum

Bretton Woods und die G20

1945 1960 1980 2000 2020
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Dass globale Probleme nur dann lösbar sind, wenn die gewichtigs- ten Spieler der Weltwirtschaft nach gemeinsamen Regeln suchen, hat die Finanzkrise 2008 höchst unsanft in Erinnerung gerufen. Seit damals treffen einander regelmäßig die Spitzen von 19 führenden Wirtschaftsnationen, ergänzt um den Präsidenten der EU-Kommission. Sie repräsentieren nicht weniger als 85 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. US-Präsident Trump nützte den jüngsten G20-Gipfel in Japan zu einer weiteren Demonstration jener Taktik des „divide et impera“, die seinem Narzissmus so entgegenkommt. Bilaterale Treffen mit Xi Jiping, Angela Merkel oder Wladimir Putin sollten wieder einmal alles in den Schatten stellen, was sonst noch am gemeinsamen Konferenztisch besprochen wurde.

Der Abstecher nach Nordkorea war die Draufgabe zur Ego-Show. Ob ihn wohl jemand darauf aufmerksam gemacht hat, dass das Treffen in Osaka mit dem 75. Jahrestag des Abschlusses der Konferenz von Bretton Woods im US-Bundesstaat New Hampshire zusammenfiel – und wie anders die Rolle der Vereinigten Staaten damals war? Überarbeitung der Regeln Im Sommer 1944 glückte den Vertretern von 44 Ländern nach dreiwöchigen Verhandlungen ein Schlussdokument, in dem die Eckpfeiler der Nachkriegs-Wirtschaftsordnung fixiert wurden. Das Ende des Weltkrieges war damals trotz der erst kurz zuvor geglückten Landung der Alliierten in der Normandie noch nicht
endgültig absehbar.

Dass globale Probleme nur dann lösbar sind, wenn die gewichtigs- ten Spieler der Weltwirtschaft nach gemeinsamen Regeln suchen, hat die Finanzkrise 2008 höchst unsanft in Erinnerung gerufen. Seit damals treffen einander regelmäßig die Spitzen von 19 führenden Wirtschaftsnationen, ergänzt um den Präsidenten der EU-Kommission. Sie repräsentieren nicht weniger als 85 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. US-Präsident Trump nützte den jüngsten G20-Gipfel in Japan zu einer weiteren Demonstration jener Taktik des „divide et impera“, die seinem Narzissmus so entgegenkommt. Bilaterale Treffen mit Xi Jiping, Angela Merkel oder Wladimir Putin sollten wieder einmal alles in den Schatten stellen, was sonst noch am gemeinsamen Konferenztisch besprochen wurde.

Der Abstecher nach Nordkorea war die Draufgabe zur Ego-Show. Ob ihn wohl jemand darauf aufmerksam gemacht hat, dass das Treffen in Osaka mit dem 75. Jahrestag des Abschlusses der Konferenz von Bretton Woods im US-Bundesstaat New Hampshire zusammenfiel – und wie anders die Rolle der Vereinigten Staaten damals war? Überarbeitung der Regeln Im Sommer 1944 glückte den Vertretern von 44 Ländern nach dreiwöchigen Verhandlungen ein Schlussdokument, in dem die Eckpfeiler der Nachkriegs-Wirtschaftsordnung fixiert wurden. Das Ende des Weltkrieges war damals trotz der erst kurz zuvor geglückten Landung der Alliierten in der Normandie noch nicht
endgültig absehbar.

Nach einer langen Zeit der Bewährung erscheint heute eine grundlegende Überarbeitung der globalen Spielregeln für die Wirtschaft überfällig.

Den Vorsitz über die meist bis tief in die Nacht andauernden Gespräche führte John Maynard Keynes, der renommierteste Ökonom seiner Zeit. Er hatte 1919 als Mitglied der britischen Delegation an den ihr Ziel so tragisch verfehlenden Friedensverhandlungen von Ver sailles teilgenommen und in einem eigenen Buch („The Economic Consequences of Peace“) vor deren verheerenden Folgen gewarnt. In Bretton Woods wurde er nun zum Architekten jener Wirtschaftsverfassung, die erst den Wiederaufbau Europas und die erfolgreiche Entwicklung der westlichen Welt ermöglichen sollte. Es war die Geburtsstunde praktisch aller bedeutsamen multilateralen Organisationen, die auch heute den Zusammenkünften der G20 zu zentralen handelspolitischen, finanzpolitischen und ökologischen Themen besonderes Gewicht verleihen: Internationaler Währungsfonds und Weltbank sowie die etwas später gegründete Welthandelsorganisation WTO.

Nach langer Zeit der Bewährung steht heute eine grundlegende Überarbeitung der globalen Spielregeln an. Gefragt ist einerseits ein stabileres, weniger spekulatives Finanzsystem, andererseits eine Handelspolitik, die Staaten mit Aufholbedarf faire Entwicklungschancen gibt. Vor all dem aber muss eine konsequente Klimastrategie stehen, die unseren Planeten auch für künftige Generationen bewohnbar erhält. Eine zukunftstaugliche Wirtschaftsarchitektur auf Grundlage eines zeitge- mäßen „Bretton Woods II“ hätte aller- dings wohl erst dann reale Umsetzungschancen, wenn die amerikanischen Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr eine dafür aufgeschlossene Führungspersönlichkeit hervorbrächten.