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Todsichere Atomenergie

In Tschernobyl in der Ukraine scheint eingetreten zu sein, was in Harrisburg um Haaresbreite vermieden worden war: Ein Atomreaktor könnte durchgebrannt sein. Genaueres weiß man bei Redaktionsschluß nicht. Die sowjetischen Behörden sparen mit Information.

Ja, es habe Opfer gegeben, ließ man sich Montag in Moskau abringen. Bis dahin kein Wort von dem Ereignis, das vermutlich Samstag stattgefunden hat. Keine Warnung der Nachbarländer Schweden und Finnland. Diese hatten mit einer Südostströmung die radioaktiven Wolken importiert: Gar nicht wenig, wie die Meßdaten zeigten.

Das ist internationale Solidarität Marke Gorbatschow. Wird übrigens von unseren tschechischen Nachbarn mehr Kooperation zu erwarten sein?

Im Westen wird man jetzt viel Herablassendes über die unausgereifte Technik im Ostblock zu hören bekommen. Bei uns sei eben alles sicherer, wird es heißen. Hoffentlich stimmt das für die vielen Reaktoren, die im Umkreis von 1200 Kilometern rund um den Westen von Österreich liegen.

Daß es Reaktorpannen jedoch nicht nur östlich von Wien gibt, hat uns nicht nur Harrisburg bewiesen. Störfälle mit Abgabe von Strahlung gehören zum Alltag der Atomwirtschaft. Siehe Sella-field (GB), Susquehannah (USA), FeSsenheim (F) ... (1986!)

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