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Trotz Sinaifrieden: Der Argwohn bleibt

Am 25. April um 12 Uhr mittags verließ der letzte israelische Soldat den Boden der Sinai-Halbinsel. Der Exodus aus dem Sinai ist damit abgeschlossen. Nach mehr als dreißig Jahren Krieg wurde mit der vollständigen Rückgabe des Sinai die wichtigste Einzelbestimmung des ägyptisch-israelischen Friedensvertrages verwirklicht.

Drei Grenzübergänge sind von nun an geöffnet. Doch trotz des erwarteten Freudentaumels über den langersehnten Frieden herrschen in Isreal Unmut und Argwohn.

Als im November 1977 der damalige ägyptische Staatspräsident Anwar as-Sadat nach Jerusalem kam, herrschte hier eine bislang nie gekannte Friedenseuphorie über den Besuch des wichtigsten arabischen Staatsoberhauptes. Spontane Kundgebungen, Hunderte, Tausende Israelis gingen auf die Straßen, um Sadat zu begrüßen.

Dann begann zwischen den Verhandlungspartnern ein Nervenkrieg. Auch nach Beginn der Realisierung des Friedensvertrages kam es zu unzähligen Gesprächen, Beschwerden, Übertretungen von Paragraphen usw., die diesen Friedenstaumel allmählich verblassen ließen, noch lange vor der Räumung der kleinen Stadt Jamit.

Die aufgekommenen Zweifel, ob dieser Frieden von Dauer sein wird, oder nur ein Vorspiel ist zu einem gemeinsamen amerikanisch-ägyptischen Druck auf Israel, um auf Westjordanien zugunsten eines palästinensischen Staates zu verzichten, haben sich bis jetzt nicht gelegt.

Die Rückzugsverweigerer, die den Mehrheitsbeschluß des israelischen Parlaments durch außerparlamentarische Opposition und gewalttätige Verweigerung zum Zurückzug aus dem Sinai torpedieren wollten (und hierzu keine Mittel scheuten), waren eine geduldete Minderheit—zeugte diese doch davon, wie groß das dargebrachte Friedensopfer und wie schmerzhaft der Rückzug für die Israelis war.

Es ging ja nicht nur um die Preisgabe des hier gewonnenen Rohöls, sondern hauptsächlich um die herrliche, den Israelis in den 15 Jahren ihrer Herrschaft liebgewordene wilde Landschaft mit den zerklüfteten Bergen, die sie ihr eigen . nannten; umsomehr, als die 40.000 bis 50.000 Beduinen des Sinai positiv zu Israel standen.

Heute steht die Frage so: Wird nach Ubergabe des Sinai die Waffenruhe an der Nordgrenze gehütet werden? Denn die PLO zeigt weder Interesse am Friedensvertrag mit Israel, noch ist sie zur Zusammenarbeit mit Ägypten bereit, hat doch die arabische Welt bis heute noch nicht das Camp David-Abkommen als verpflichtend anerkannt

Die amerikanischen Behörden versicherten, sie würden keinen Druck auf Israel ausüben, um die Autonomieverhandlungen anzukurbeln. Doch die ägyptischen Partner wollen mit Israel über das Los der Palästinenser verhandeln, um so schnell wie möglich ein Autonomiegebilde zu erreichen.

Israel hingegen wünscht für diese Araber eine Autonomie innerhalb des israelischen Staates.

Diese Gegensätze können kaum auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden. Die Meinungen Israels und Ägyptens teilen sich auch über den Charakter der Autonomie, so daß alle Verhandlungen bisher leerliefen. Doch verhandelt muß werden, denn diese Autonomie der Palästinenser ist der zweite Teil desselben Camp David-Abkommens.

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