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TV-Sendemonopol „überlebt“ weiter

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„Radio Print“ gemeinsam mit den Zeitungsherausgebern kommt, aber das Fernseh-Sendemonopol wird auch die nächste Legislaturperiode überleben. Davon ist Johannes Kunz überzeugt.

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„Radio Print“ gemeinsam mit den Zeitungsherausgebern kommt, aber das Fernseh-Sendemonopol wird auch die nächste Legislaturperiode überleben. Davon ist Johannes Kunz überzeugt.

FURCHE: Dem Wiener Bürgermeister Helmut Zük fällt in rundfunkorganisatorischen Belangen im europäischen Vergleich mit Wien eigentlich nur noch Prag ein. Er findet das Festhalten am Monopol schlichtweg lächerlich.

INFORMATIONSINTENDANT JOHANNES KUNZ: Ich bin in die-Ber Frage anderer Meinung als mein Freund Helmut Zilk. Es gibt eine Diskussion über eine Liberalisierung im Hörfunk-Bereich in Österreich, die auch vom ORF konstruktiv geführt wird. Wir stehen in den Verhandlimgen mit dem Zeitungsherausgeberverband über das sogenannte „Radio Print“-Projekt in einer entscheidenden Phase.

Was das Femsehen betrifft, meine ich, daß viele gute Gründe dafür sprechen, in Österreich beim öff ent-hch-rechtlichen Fernsehen, also beim Sendemonopol des ORF zu bleiben.

FURCHE: Wirklich gute Gründe?

KUNZ: Würden wir im Femseh-bereich private Veranstalter in Österreich zulassen, stellt sich einmal die Frage, ob die überhaupt wirtschaftUch zu einem Vollprogramm gegen den ORF imd all jene Programme, die man heute schon via Kabel nach Österreich hereinholt - gar nicht zu reden vom Satel-litendirektfemse-hen der Zukimft -in der Lage wären. Es stellt sich die noch wichtigere Frage, ob nicht, wenn österreichische Lobbies wirtschaftlich dazu vermutlich gar nicht in Frage kommen, neben der Hereinnahme von ausländischem Kapital für den Zeitungsmarkt, dannauchitnFem-sehbereich ausländisches Kapital ins Land gelockt wird. Und dafür will man den ORF zerschlagen? Ich will in diesem Zusammenhang gar nicht auf die Probleme der Programmphilosophie eingehen, die sich axis einer solchen Entwicklung ergeben würden. Wir wären durch eine Biimenkonkurrenz mit Kommerzprogrammen gezwungen, in einen täglichen Kampf um Reichweiten im Hauptabendprogramm einzutreten. Und Reichweiten bekommt man bekaimtlich vor allem mit Unteriialtung, mit Trivialem, mit leichter Kost. Die öfifentÜch-recht-hche Programmphilosophie, die sich im ORF bewährt hat, würde ruiniert werden.

FURCHE: Der Vergleich mit der ausländischen Kapitalbeteiligung im Print-Bereich hinkt etwas. Die Kritik hat sich weniger gegen die Kapitalbeteiligung gewandt, sondern gegen die damit verbundene Konzentration, also auchgegen eine Art „Monopol“. Es geht ums Mono-pol.

KUNZ: Wir haben seit Jahren kein Programm-Monopol mehr, wir sprechen nur mehr von einem Sendemonopol. Wir haben die Konkurrenz via Kabel - in Wien etwa nicht nur durch die öffentlich-rechtlichen Programme von ARD und ZDF, sondem auch durch die kommerziellen Anbieter wie Super Channel , RTL plus, Sky Channel - und in Zukunft verstärkt via Satellit. Wir haben uns heute schon der Konkurrenz zu stellen.

Jeder, der die MögUchkeit hat.

etwa den Anteil von Kultur, Wissenschaft, Information, Bildimg und Fernsehspiel im ORF und beispielsweise bei RTL plus zu vergleichen, kann sich selbst ein Bild von der unterschiedlichen Programmphilosophie zwischen öffentlich-rechtlichem und kommerziellem Femsehen machen.

Was Ihre direkte Frage betrifft: Weim man ein Monopol durch Oli-gopole ersetzt, treibt man den Teufel mit dem Beelzebub aus. Denn wenn man Femsehen in Österreich in der Art hberalisierte, daß auch die WAZ-Gmppe…

FURCHE:… die an RTL plus beteiligt ist und schon über ein österreichisches Standbein verfügt…

KUNZ:… oder der Springer-Ver-

lag als Programmanbieter senden kann, wäre zwar das ORF-Sendemonopol im Femsehbereich weg, aber es wären mächtige OUgopole (Anm.: siehe dazu auch Seite 9), die bei uns schon auf dem Print-Sektor eine Vormachtstellung haben, auch noch im Femsehgeschäft driimen. Ob das demokratiepolitisch sinnvoll ist, das sollen sich die Medien-poUtiker einmal überlegen.

Im Europa der neunziger Jahre, nicht zuletzt auch in HinbUck auf die Weltausstellung, wird es zudem darauf ankommen, daß Österreich über eine Stimme verfügt, die in der Lage ist, das Land in der Welt umfassend zu präsentieren.

FURCHE: Reicht es, uns der Welt. zu präsentieren? Sollf man nicht auch den Österreichern die Welt ein bisserl näherbringen?

KUNZ: Wir müssen beide Aufgaben wahmehmen. Wir haben in den letzten Jahren daher bewußt die Auslandsberichterstattung ausgeweitet, haben das Wirt-schaftsmagazin „Schilling“ verlängert - und das im Hauptabendprogramm. Eine kommerzielle Anstalt müßte in dieser Zeit mit „Sei-f enopem“ Reichweiten machen.

Wir haben den Anteil der Information aufgewertet, gleichzeitig aber auch - wie etwa bei der „Zeit im Bild“ - strukturelle Reformen vorgenommen. Das Publikum hat darauf positivreagiert: mitverstärktem Zuspruch und besserer Bewertung.

FURCHE: Alles ist relativ. Eine IMAS-Umfrage im Frühjahr weist eine Zufriedenheit bei zehn Prozent aus, ein Drittel äußert unverblümt Kritik.

KUNZ: Ich kenne von dieser Umfrage auch nur das, was via APA veröffentlicht wurde. Sie kennen sicher den Scherz, den es in Österreich gibt: Die Österreicher schimpfen immer auf das Fernsehprogramm bis zu einer Änderung - dann sagen sie, daß es vorher besser war. Aber ich halte mich an die Fakten: wir haben - nicht nur mit den Programmen, die 2:ur Informationsintendanz ressortieren - in Summe steigende Reichweiten und verbesserte Publikumsbewertungen, und zwar signifikant.

FURCHE: Trotzdem gibt es nach dieser Umfrage auch eine eindeutige Erwartungshaltung, wenn der ORF private Konkurrenz bekommt. Jeder zweite Befragte erwartet sich von privaten Anbietern ein besseres Programm, nur jeder zehnte glaubt, daß es nicht ORF-Niveau erreichen könnte. Selbst in der politischen Information erhofft sich ein Drittel eine objektivere Berichterstattung.

KUNZ: Wir machen regehnäßig Untersuchungen über die Akzeptanz unserer Informationsprogramme, die nicht nur steigende

Seherzahlen ausweisen, sondem auch eine Bestätigung einer überwältigenden Mehrheit unseres Publikums, daß wir objektiv imd ausgewogen berichten. Und mit dem Wort „objektiv“ muß man etwas aufpassen. Denn weim heute ein Sympathisant einer Partei, die sich gerade in Schwierigkeiten befindet, weil ein Skandal aufgeflogen ist.

vor dem Femsehschirm sitzt, wird er vielleicht, wenn man ihn fragt, ob ein Bericht objektiv war, subjektiv nein antworten. Das ist so ähnlich wie bei den Fans, die ein Fußballmatch verfolgen: Die betrachtenden Schiedsrichter ja auch aus sehr verschiedenen Bhckwinkeln.

Und ähnlich ist es mit dem „besseren“ Programm. Ihre Friseurin möchte um 20.15 Uhr in beiden Programmen Spielfilme und Unter-haltungsshows, ein Universitätsprofessor möchte um diese Zeit schon das „Nachtstudio“. Wir bemühen uns redlich und konsequent, die einzelnen Zielgruppen mögUchst optimal mit Qualität zu bedienen.

FURCHE: Es ist nur logisch, daß Sie das Monopol verteidigen, daß Sie von der Notwendigkeit überzeugen wollen. Es zeichnet sich aber eine politisch-klimatische Veränderung ab. Das Monopol, hört man auch aus der SPÖ Stimmen, sei kein« Glaubensfrage mehr. Überlebt es weitere vier Jahre?

KUNZ: Wenn Politiker zu diesem Thema in der öffenthchkeit Aussagen machen, weiß man als Kenner der Politik, daß sie natürlich Vorteile im Auge haben. Da geht es nicht etwa um den Zuschauerwunsch nach mehr Filmen oder Unterhaltung, sondem man rechnet sich von einer Veränderung der Medienlandschaft politisch etwas aus.

Ich gehe davon aus, daß sich der ORF mit dem Zeitungsherausgeberverband über ein Lokalradio unter privater Beteiligung einigen wird. Beim Femseh-Sendemonopol gehe ich davon aus, daß es die nächste Legislaturperiode mit Sicherheit überleben wird. Und ich sage das im Bewußtsein, daß ich darüber in den letzten Wochen viele Gespräche mit verantwortungsbewußten Politikern - quer durch alle Reihen - geführt habe.

Mit Femseh^nfonnationamtendant Jottannc* Kunz spradt Hannes Schopf

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