Meinung

Überzuckerung bekämpfen

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Der aktuelle Anlass kommt aus Innsbruck: Dort schlägt Herbert Tilg, Stoffwechsel-Experte an der Uni-Klinik für Innere Medizin, Alarm – und fordert politische Maßnahmen im Kampf gegen das Übergewicht: In Österreich brauche es dringend eine Reglementierung des Zuckergehalts bei Nahrungsmitteln. Hintergrund dafür sind neue Erkenntnisse, wie der Blutzucker die Darmoberfläche beeinflusst. Kürzlich hat Tilg in einem renommierten Fachjournal dargelegt, dass die Darmbakterien bei chronischen Entzündungen und Stoffwechselstörungen eine zentrale Rolle spielen. Durch zuckerreiche Kost wird die Keimwelt im Darm negativ verändert – ein Schlüsselereignis, das für anhaltende Entzündungen verantwortlich ist. Betroffen sind vor allem Patienten mit Übergewicht, Diabetes und Gefäßverkalkung, die ein gesteigertes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall aufweisen: Für die öffentliche Gesundheit hoch relevant, denn die Zahl der Menschen mit erhöhten Entzündungswerten hat in den letzten zehn Jahren stark zugenommen.

Der aktuelle Anlass kommt aus Innsbruck: Dort schlägt Herbert Tilg, Stoffwechsel-Experte an der Uni-Klinik für Innere Medizin, Alarm – und fordert politische Maßnahmen im Kampf gegen das Übergewicht: In Österreich brauche es dringend eine Reglementierung des Zuckergehalts bei Nahrungsmitteln. Hintergrund dafür sind neue Erkenntnisse, wie der Blutzucker die Darmoberfläche beeinflusst. Kürzlich hat Tilg in einem renommierten Fachjournal dargelegt, dass die Darmbakterien bei chronischen Entzündungen und Stoffwechselstörungen eine zentrale Rolle spielen. Durch zuckerreiche Kost wird die Keimwelt im Darm negativ verändert – ein Schlüsselereignis, das für anhaltende Entzündungen verantwortlich ist. Betroffen sind vor allem Patienten mit Übergewicht, Diabetes und Gefäßverkalkung, die ein gesteigertes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall aufweisen: Für die öffentliche Gesundheit hoch relevant, denn die Zahl der Menschen mit erhöhten Entzündungswerten hat in den letzten zehn Jahren stark zugenommen.

Warum kein Verbot? Getränkehersteller etwa könnten gesetzlich dazu verpflichtet werden, eine bestimmte Zuckerkonzentration nicht zu überschreiten, um für die heimischen Regale geeignet zu sein.

Auch beim Medicinicum Lech 2019 war der Zucker ein Riesenthema: „Die großen multinationalen Lebensmittelkonzerne sind hauptverantwortlich für die zunehmende Abhängigkeit der Menschen von Zucker, Salz und schlechten Fetten“, sagte Markus Metka, wissenschaftlicher Leiter der Veranstaltung. Dort wurde auch die „Allianz gegen zu viel Zucker“ vorgestellt, die heuer von der Firma SPAR, Ärzteorganisationen und Lebensmittelherstellern begründet worden ist, um die grassierende Überzuckerung einzudämmen. Tatsächlich werden in Österreich pro Kopf täglich 92 Gramm Zucker konsumiert, somit deutlich mehr als die empfohlenen 25 bis 50 Gramm pro Tag. Acht von zehn Österreichern nehmen mehr Zucker zu sich als von der WHO vorgegeben.

Die vorbildliche Allianz fordert nun u. a. Ziele zur Zuckerreduktion, mehr schulische Bildungsangebote sowie verbesserte Qualitätskriterien für Schulbuffets. Eine Zuckersteuer wäre sinnvoll, doch letztlich stellt sich die Frage: Warum kein Verbot? Getränkehersteller etwa könnten gesetzlich dazu verpflichtet werden, eine bestimmte Zuckerkonzentration nicht zu überschreiten, um für die heimischen Regale geeignet zu sein. So wie die Lungen der Nichtraucher durch ein allgemeines Rauchverbot in der Gastronomie zu schützen sind, so sollten die Konsumenten vor der Zwangsverfettung ihrer Leber bewahrt werden. Die individuelle Freiheit bliebe davon gänzlich unberührt: Schließlich wäre es jedem und jeder unbenommen, sich zusätzliche Zuckerwürfel ins Getränk zu rühren.