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Digital In Arbeit

VERWIRKLICHT IN MEINER FAMILIE

Nach der Matura studierte ich Englisch und Spanisch an der Universität Wien und erhielt ein Halbjahrs-Stipendium nach Spanien. Nach meiner Rückkehr erhielt ich eine Stelle als Fremdsprachen- und Chefsekretärin im Außenministerium, aufgrund meiner Sprachkenntnisse versetzte man mich für drei Jahre an die österreichische Botschaft in Mexiko. Nach der Rückkehr aus Mexiko habe ich geheiratet und bekam in kurzem Abstand zwei Kinder. Knapp vier Jahre währte diese Phase als Hausfrau und Mutter. Als der jüngere unserer beiden Söhne etwa zweieinhalb Jahre alt war, nahm ich meine Berufstätigkeit wieder auf und ließ die beiden Buben gemeinsam im Kindergarten. Für mich war das damals kein leichter Entschluß.

Ich war eine glückliche und begeisterte Mutter und wäre gerne bei den beiden lebhaften Buben „zu Hause" geblieben. Wir hatten damals aber noch keinerlei wirtschaftlichen Rückhalt, weder Wohnung noch Möbel, sodaß mein zusätzlicher Verdienst notwendig war. Mir ist die Trennung von den beiden heiß ersehnten und so geliebten Kindem sehr schwer gefallen. Die dritte Schwangerschaft kam mir daher sehr entgegen, mit ihr hatte ich einen sehr plausiblen Grund für ein neuerliches Zuhausebleiben, zumindest für das damals geltende Karenzjahr.

Die Geburt des dritten und jüngsten Kindes fiel in eine Zeit, in der wir uns schon einigermaßen etabliert hatten, wir hatten eine eigene Wohnung, die wir teilweise einrichten konnten. Mit den drei Kindern hatte ich genug zu tun, die beiden größeren Buben gingen bereits zur Schule, das Baby hatte seinen eigenen Tagesrhythmus. Ich habe die Betreuung der Kinder und meinen Haushalt gut und ohne Hilfe bewältigt und konnte zusätzlich das Angebot der „Aktion Leben", den für sie anfallenden Pressedienst zu übernehmen, in meinen Aufgabenbereich einbauen. Das Büro lag günstigerweise in unmittelbarer Nähe meiner Wohnung und ich konnte einen Teil der Arbeit auch zu Hause erledigen. Rückblickend weiß ich heute, daß diese sechs Jahre zu den schönsten und befriedigendsten meines Lebens gehören.

Als auch der Jüngste in die Schule kam, ich war damals 41, erhielt ich von meiner früheren Dienststelle, der UNO, eine Anfrage: Sie suchte dringend eine Chefsekretärin mit Englisch, Spanisch und Französisch für ein neues Büro. Viele UNO-Abtei-lungen siedelten damals aus Genf nach Wien über, man suchte erfahrene Arbeitskräfte. Ich stellte mich und meine Bedingungen für eine neuerliche Anstellung vor: eine Halbtags-Tätigkeit. Am Nachmittag wollte ich bei den drei Söhnen sein, meine Aufgaben in der Familie wahrnehmen. Mein künftiger Chef, ein schwedischer Arzt, stimmte zu, es wurde die große Ausnahme einer Halbtagsanstellung gemacht. Er wäre viel auf Reisen, die anfallende Arbeit könnte ich mit gutem Einsatz auch in einem halben Tag schaffen.

Dieses Arrangement bewährte sich zur allseitigen Zufriedenheit zwei Jahre lang. Dann-1982-wurdemein schwedischer Chef pensioniert, sein Nachfolger fand an unserer Vereinbarung keinen Gefallen. Außerdem hatte er seine ganztägig verfügbare Sekretärin mitgebracht, die er auch gerne behalten wollte. Ich wurde in ein anderes Zimmer versetzt mit der Aufforderung, mich um etwas ande-

res umzuschauen. Zuerst versuchte ich es in der UNO selbst. Ich merkte aber bald, daß meine Argumentation für eine Teilzeitarbeit im Hinblick auf drei halbwüchsige Kinder nie so richtig ankam.

Das war für mich umso unbegreiflicher, als sich die Organisation für die ich arbeitete, dem Kampf gegen Drogenmißbrauch verpflichtet hatte. Denn meiner Auffassung nach ist die Anwesenheit und Verbundenheit mit der Mutter für die Heranwachsenden besonders wichtig. Immer wieder wurde mir nahegelegt, doch auf Ganztagsarbeit umzusteigen. Daraufhin kündigte ich. Zu diesem Zeitpunkt war ich 44.

Nach meinem Ausscheiden aus der UNO meldete ich keinerlei Ansprüche an Arbeitslosengeld an, da ich sicher war! mit meinen Qualifikationen rasch etwas Neues zu finden. Es gab aber immer wieder nur Angebote für Ganztagsarbeit. Mangelnde Flexibilität der Arbeitgeber und meine „hohen Qualifikationen" waren der Grund dafür.

So vergingen immerhin sechs Monate, bis ich durch Zufall von einer Großbank hörte, die nach wie vor

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Für mich war die Berufstätigkeit immer von wirtschaftlicher Notwendigkeit bestimmt. Sie hat mir

aber trotzdem Freude und Befriedigung gebracht...

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Teilzeitkräfte aufnahm. Ich bewarb mich, legte einen Eignungstest ab, wurde aufgenommen. Nun konnte ich wieder vormittags arbeiten und nachmittags bei meiner Familie sein. Als der jüngste Sohn zehn Jahre alt war, und ins Gymnasium kam, begann ich zusätzlich auch wieder nebenberuflich journalistisch zu arbeiten.

Diese Lebens- und Arbeitsform hat sich für mich seit nunmehr acht Jahren bestens bewährt und ich werde sie auch noch für weitere acht Jahre, bis zu meiner Pensionierung, beibehalten.

Ich bin also keine klassische „Wie-dereinsteigerin" in den Beruf nach einer langen Kinderpause oder Scheidung. Für mich war die Berufstätigkeit immer von wirtschaftlicher Notwendigkeit bestimmt. Sie hat mir aber trotzdem Freude und Befriedigung gebracht und uns dabei geholfen, unseren Lebensraum zu schaffen.

Ich glaube aber nicht, daß ich einen außerhäuslichen Beruf gebraucht habe um mich selbst zu „verwirklichen". Ich habe meine Identität sehr bewußt in der Erziehungsaufgabe von drei Kindern erlebt. Diese Aufgabe habe ich als sehr lebendig und befreiend empfunden und stehe Frauen, die sich zu Hause „eingesperrt" fühlen, meist recht verständnislos gegenüber.

Solange Frauen jedoch ihre familiären Aufgaben wahrnehmen wollen und es für sie finanziell ausgeht, ist meiner Erfahrung nach Teilzeitarbeit ideal.

Anzustreben wären allerdings mehr Entwicklungschancen für Frauen auch in der Teilzeitarbeit, sowie die Möglichkeit Teilzeitarbeit im Hinblick auf die spätere Pension in eine Ganztagsarbeit umwandeln zu können.

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