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Digital In Arbeit

Vorabend der dritten industriellen Revolution

Sie wird allgemein als die dritte industrielle Revolution bezeichnet: jene der Elektronik und Mikroinf ormation, die in den letzten Jahren immer stärkeren Einzug in unsere Umwelt - und nicht nur die der Arbeits weit - gehalten hat. In einem relativ kurzen Zeitraum hat sie mehr verändert als die beiden ,3evolutionen“ vor ihr: unsere Art zu arbeiten, unsere Art zu leben.

Dabei baut sie auf Sand. Genauer gesagt auf Silizium. Denn daraus sind die kleinen Plättchen, die es uns ermögUchen, in Sekundenschnelle zu Informationen zu gelangen, oder die unseren Wasch-

maschinen behilflich sind, die Wäsche sauberzukriegen: die Chips. Nicht nur Computer sind es, die von der Mikroelektronik gesteuert werden, sondern auch Haushaltsgeräte, Autos - praktisch alles, womit wir an technischen Geräten im Laufe des Tages konfrontiert werden.

Und der Markt wächst und wächst: weltweit um rund zehn Prozent jährlich. Kommunikations- und Informationstechnik rangiert in Österreichs Elektro-tmd Elektronikindustrie auf Platz drei: mit 10,7 Prozent Anteil an der Produktionsstruktur. Ubertroffen wird sie nur von den zwei klassischen Bereichen der Elektronik: Unterhaltung mit 19 Prozent und Bauelemente mit 15,5 Prozent Anteil.

Wie stark die Entwicklimg in der Informations- und Kommunikationstechnik voranschreitet, konnte bereits im März auf Hannovers Elektronikshow CeBIT besichtigt werden: der Trend geht in Richtung Problemlösungsangebote, in Richtung Software. Mit Hardware allein ist das große Geschäft nicht mehr zu machen. Zwar ist der PC-Markt noch immer der mit Abstand am schnellsten wachsende Bereich auf dem Gesamtmarkt Computer, aber im Verhältnis zu anderen Sektoren ist er eher gering: die Umsätze bei Hardware werden in erster Linie noch mit dem Verkauf von Großanlagen gemacht. Dennoch: spricht man von Computern, so denkt man zuerst meist an Personal-Computer (PC).

Zwei Verwendungsmöglichkeiten bieten sie: Als „Workstation“ kann ein PC fungieren, wenn er an größere Einheiten angeschlossen wird, wie Small-Business Systeme (Mittelklassecomputer) oder Großcomputer (Main Frames). Dann funktioniert der PC wie ein intelligentes Terminal. Die zweite Bedeutung des PC liegt in seiner Funktion als selbständig arbei-

tender elektronischer Rechner, als „Stand alone Einheit“.

Die Trends am PC-Sektor lassen sich auf der heiurigen IF ABO ablesen:

• weitere Vergrößerung der Speicherkapazität,

• Trend zur Festplatte,

• Steigerung der Benutzerfreundlichkeit,

• Entwicklung systemunabhängiger Software,

• imd der Siegeszug der Laptops, der tragbaren PC’s, deren Wachstum beachtliche 55 Prozent jährlich aufweist (siehe nebenstehenden Beitrag).

Die Kosten für die Hardware werden weiter sinken, jene für Software aber kaum. In diesem Bereich verfolgen die Anbieter eine Hochpreispolitik. Außerdem werden die Programme bediener-freundUcher und verständlicher: die Entwicklung geht weg von Programmsprachen mit auch nach langer Übung unverständlichen Kürzeln, hin zu prozeßorientierter Ablaufsteuerung.

Die Dauer der Einschulungszeit auf jenen Geräten, die immer mehr die traditionellen Büromaschinen ersetzen, ist stark abhängig von der inneren Einstellung der Anwender. Je bediener-freundUcher ein Programm, desto niedriger die anfängliche Hemmschwelle und desto kürzer die Lemzeit.

Microcomputer bilden auch heuer wieder das Herz der IFA-BÖ. Immer mehr Klein- und Mittelbetriebe beginnen die Notwendigkeit des Computereinsatzes zu erkennen. Noch werden sie angekauft, um Rationalisierungen durchzuführen oder die Menschen zu entlasten. Die elektronische Datenverarbeitung aber als strategisches Mittel einzusetzen ist noch weniger weit verbreitet. Dabei entsteht durch die Verringerung unproduktiver Tätigkeiten und der Möglichkeit, Arbeitsschritte effizient und effektiv durchzuführen, mehr Freiraum für strategische Aktivitäten der Mitarbeiter.

Betrug der EDV-Markt in Österreich 1988 auch zwölf Milliarden Schilling, so erschöpft sich damit noch lange nicht das Angebot im Bereich der Kommunikationstechnik: Kopiergeräte etwa gehören auch zu den JRennern“ auf diesem Sektor (siehe Seite 16).

Will man den Trend der Entwicklungen auf einen Nenner bringen, so gilt es festzuhalten, daß der wichtigste Produktionsfaktor die Information ist. Immer bedeutungsvoller werden elektronischer Empfang, Speicherung, Verarbeitung, Dokumentation und die Übermittlung an andere. Integrierte technische Hilfsmittel werden verstärkt für die Organisationsoptimierung eingesetzt. Lokale Netzwerke und digitale Nebenstellenanlagen werden künftig universell alle nötigen Aufgaben meistern können. Uber ein und dieselbe Amtsleitung kann man nicht mehr nur telefo« nieren, sondern auch Daten und Informationen übermitteln, fern-schreiben oder Bilder digital übersenden. ISDN nennt sich das in der Fachsprache — Integrated Services Digital Network — und ist die Integration von Daten- und Telefontechnik. Möglich gemacht wird ein derartiges Netzwerk durch die Glasfasertechnik.

Neben der Informationsweitergabe ist das Speichern von Informationen ein weiterer wichtiger Aspekt der Kommunikationstechnik. Ist es heute noch so, daß rund ein Drittel der Verwaltungskosten eines Büros in das mühsame Prozedere des „Ablegens“ fließen, so lösen künftig optische Speicherplatten mit enormer Kapazität und spezieller Software für einfaches und schnelles Suchen der gewünschten Informationen dieses Problem. Die Optoelektronik wird eine der Schlüsseltechnologien der neunziger Jahre sein. Auf einer Speicherplatte in der Größe einer Compact-Disc (CD-ROM; Read only memory) lassen sich 300.000 Seiten digitalisierter Informationen festhalten.

Die Zugriffsgeschwindigkeit bei optischen Speichern ist extrem schnell: so ist etwa MEGA-DÖC von Philips imstande, in weniger als zwei Sekunden ein Dokument aus drei Millionen zu suchen.

All diese Tendenzen machen auch ein Umdenken im Bereich der Büroorganisation erforderlich: Sekretärinnen werden in Zukunft zentrale Aufgaben des Informationsmanagements übernehmen, Mitarbeiter müssen laufend geschult werden, um mit den rasanten Entwicklungen Schritt halten zu können.

Denn, und das verdeutlicht die IFABO einmal mehr, die Zukunft hat schon begonnen.

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