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Vorbei die lange Nacht der Trennung

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Vor 20 Jahren verkündete das 2. Vatikanische Konzil sein Ökumenismus-Dekret, vor 20 Jahren gründete Kardinal König in Wien die Stiftung „Pro Oriente" für Ost-Kontakte.

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Vor 20 Jahren verkündete das 2. Vatikanische Konzil sein Ökumenismus-Dekret, vor 20 Jahren gründete Kardinal König in Wien die Stiftung „Pro Oriente" für Ost-Kontakte.

Im Kalender der ökumenischen Ereignisse leuchten zu Beginn des Jahres 1964 die Tage des orthodoxen Weihnachtsfestes als bedeutsam und hochbeglückend hervor., Am 5. und 6. Jänner trafen Papst Paul VI. und der ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Athenagoras I., einander an den heiligen Stätten des Gelobten Landes.

„Seit jahrhundertelanger Nacht der Trennung...", so der Patriarch — „Nach Jahrhunderten des Schweigens und Wartens ...", so der Papst, haben „die katholische Kirche und das Patriarchat von Konstantinopel... einander in der Person ihrer höchsten Repräsentanten wiedergefunden... Gehen wir voran auf dem heiligen Weg, der sich vor uns öffnet ... Was können wir tun?"

„Vorangehen" — dieser Entschluß birgt die Aufforderung zum Nachfolgen in sich. Ein Ruf also, der an alle Kirchenangehörigen erging. Und ebenso richtete sich die aufmunternde Frage „Was können wir tun?" an sie alle.

Eine der Antworten gab der Oberhirte der Erzdiözese Wien Kardinal Franz König, durch die Stiftung „Pro Oriente". Mit ihr schuf er Ausgangspunkt und Basis für vielfältige, gegenseitige Zuwendungen des Kennenlernens, des Verstehens, der Liebe zwischen der römisch-katholischen Kirche von Österreich und den Kirchen des Ostens, noch vor, wenn auch wohl schon in Kenntnis des Konzilsdekretes über den Ökumenismus, das am 21. November 1964 mit 2137 Ja- bei 11 Nein-Stimmen beschlossen und feierlich verkündet wurde.

Darin heißt es ausdrücklich: „Daher mahnt dieses Heilige Konzil alle katholischen Gläubigen, daß sie, die Zeichen der Zeit erkennend, mit Eifer an dem ökumenischen Werk teilnehmen", die Christen der anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften „als Brüder, in Verehrung und Liebe" betrachten und „die Gnade aufrichtiger Selbstverleugnung, der Demut und des geduldigen

Dienstes sowie der brüderlichen Herzensgüte zueinander zu erflehen".

So war denn die Stiftung „Pro Oriente", geleitet von einem Kuratorium unter dem Vorsitz des Kardinals und einem zwölfköpfigen Vorstand, in ihrer zwanzigjährigen Tätigkeit bestrebt, durch Besuche und Einladungen, durch Symposien und theologische Tagungen, durch fünf je einwöchige gemeinsame theologische Konsultationen, vertrauensvollen und immer engeren Kontakt mit den Kirchenoberhäuptern und den Kirchenführungen, mit Theologen und Laien der Altorientalischen und der Byzantinisch-orthodoxen Kirchen zu gewinnen und zu pflegen. Dadurch haben sich auch die Kontakte mit den in Wien selbst wirkenden Amtssitzen und Pfarreien der Ostkirchen besonders herzlich entwickelt. Die Publikation eines französischen, vier englischer und acht deutscher Bände soll all diese Aussagen, Erfahrungen, Beratungen und deren Ergebnisse festhalten.

Zu den Altorientalischen Kirchen gehören die Kirchen der Kopten, der Syrer, der Armenier, der Äthiopier und der Syro-Inder. Zur byzantinischen Orthodoxie gehören: Das ökumenische Patriarchat zu Konstantinopel, das

Griechische Patriarchat von Alexandrien und jenes von Antiochien, die Patriarchate von Jerusalem, von Moskau, von Georgien, die Kirche von Zypern, die Patriarchate von Serbien, Rumänien und Bulgarien, die Kirche von Griechenland, von Polen und in der Tschechoslowakei sowie die autonome Kirche von Finnland.

Für die Stiftung „Pro Oriente" ist es eine große Ermutigung, daß ihre Initiativen und Bemühungen stets auch die Zustimmung des Päpstlichen Sekretariats für die Einheit der Christen und die wiederholte dankbare Aufmunterung durch Papst Paul VI. und Papst Johannes Paul II. gefunden haben.

In manchen ihrer bedeutsamen Aussagen, Adressen und auch Entscheidungen sind die Ergebnisse und Formulierungen der von „Pro Oriente" veranstalteten Wiener Konsultationen eingeflossen. In gleicher Weise erfreulich und bestärkend sind das Interesse und die Zuneigung, die Kirchenführungen und Gläubige eben jener Ostkirchen zeigen. Wir haben uns ihnen verehrungsvoll zugewandt und sind dabei selbst in reichem Maße geistig beschenkt und bestärkt worden.

Ein Dokumentationsband gibt eingehend Uberblick über die Tätigkeit der Stiftung „Pro Oriente", die Festveranstaltungen aus Anlaß des 20jährigen Bestehens von „Pro Oriente" und des Ökumenismus-Dekretes des 2. Vatikanischen Konzils am 8. November in Wien sollen vornehmlich in die Zukunft weisen, Kardinal Willebrands, der Präsident des Sekretariats für die Einheit der Christen und Kardinal Franz König werden hiezu sprechen.

Der Autor, ehemaliger Unterrichtsminister, ist Präsident des Stiftungsfonds „Pro Oriente".

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