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Weltweit anerkannte Spitzenleistungen

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Eine Betrachtung über die Wirtschaft der Steiermark, insbesondere über die Industrie, wäre unvollständig, würde man sie nicht in den größeren Rahmen des Gesamtzusammenhanges mit der österreichischen Wirtschaft stellen. Denn wie Österreich im internationalen Geschehen keine Insel ist, ist es noch weniger die Steiermark innerhalb der österreichischen Wirtschaft. Die Dinge sind zu sehr verflochten, zu sehr wird letztlich das wirtschaftspolitische Geschehen von den zentralen Stellen beeinflußt oder vielleich sogar erschwert.

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Eine Betrachtung über die Wirtschaft der Steiermark, insbesondere über die Industrie, wäre unvollständig, würde man sie nicht in den größeren Rahmen des Gesamtzusammenhanges mit der österreichischen Wirtschaft stellen. Denn wie Österreich im internationalen Geschehen keine Insel ist, ist es noch weniger die Steiermark innerhalb der österreichischen Wirtschaft. Die Dinge sind zu sehr verflochten, zu sehr wird letztlich das wirtschaftspolitische Geschehen von den zentralen Stellen beeinflußt oder vielleich sogar erschwert.

Speziell für die steirische Industrie 'wäre aber doch einiges auszuführen. Man hört immer wieder kritische Bemerkungen, daß die Industriestruktur in der Steiermark veraltet sei und Strukturveränderungen Platz greifen müßten, um in der Zukunft den Wettbewerb bestehen zu können. Dies trifft in gewissem Maße sicher zu, wenn man bedenkt, daß wir in der Steiermark nach wie vor einen sehr starken Sektor der Grundstoff- und Halbzeugfertigung haben, der besonders empfindlich auf Weltmarkteinflüsse reagiert. Diese Tatsache ist historisch zu sehen und hat sich im Laufe der Jahrhunderte aus der Rohstoffbasis Holz, Eisen und Kohle entwickelt.

Bemühungen, in diesem Bereich wirklich Entscheidendes zu ändern, gehen aber nur langsam vor sich und im wesentlichen in Richtung Modernisierung auf dem letzten Stand der Technik und Produktbereinigung, um mit der Weltmarktkonkurrenz Schritt halten zu können,. Gerade diese schrittweisen an den Markt angepaßten Bemühungen haben., relativ unspektakulär, in den letztem zwei Jahrzehnten zweifellos Strukturäiderungen mit sich gebracht, was auch daraus hervorgeht, daß die Zahl der Industriebeschäftigten in der Steiermark, die 1960 noch 108.000 betragen hit, auf etwa 100.000 zurückgegangen is”.. Diese Tatsache geht auf Betriebsstill sgungen, Automatisierung und Um- trukturierung mit den damit verbünde len personellen Konsequenzen zurü? k.

Der W unsch nach Strukturveränderung hat aber auch, noch eine andere Seite. Man verlangt, daß sich Indu-

„Man" wird trachten müssen, größtes A ugenmerk auf den

Bestarid von bewährten

Firmen zulegen”

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. t striebetJriebe in Gebieten des Bundeslandes a nsiedeln, wo noch keine oder zu wenig Industriebetriebe bestehen, um für die örtliche Bevölkerung Arbeitsplätze zu schaffen. Hier hat die Ansied-lungspolitik der letzten Jahrzehnte allerdings gezeigt, daß nicht von ungefähr im diesen Regionen noch keine Industrialisierung bisher erfolgt ist, seien es Verkehrsprobleme, sei es überhaupt die Randlage zu den östlichen Nachbarn, oder sei es auch die Mentalität der durch Generationen bäuerlich tätigen Bevölkerung, die eine Niederlassung von Industriebetrieben verhindert haben.

Die öffentlichen Stellen, und hier insbesondere die Wirtschaftsförderung des Landes, haben sich außerordentlich bemüht, durch Förderungsmaßnahmen im Bereich der Infrastruktur, aber auch in der Kapitalaufbringung und -verbil-ligung, Industriebetriebe in die Steiermark zu bringen. Der Erfolg war so lange gegeben, wie vor allem die Arbeitskosten bei uns noch niedriger waren als in anderen Ländern, beispielsweise in der BRD. Neben beachtlichen Erfolgen gab es aber leider auch Mißerfolge und mancher Betrieb hatte nur eine relativ kurze Lebensdauer, wurde wieder zugesperrt oder wurde insolvent. Gerade in letzter Zeit muß die Erfahrung gemacht werden, daß vielfach Betriebe, die mit öffentlicher Förderung gegründet wurden, immer wieder Mittel aus der Wirtschaftsförderung in Anspruch nehmen müssen, um die einmal geschaffenen Arbeitsplätze erhalten zu können.

Bei Beurteilung der derzeitigen Lage ist zu befürchten, daß im Bereich der

Neuansiedlung und auch im Bereich der Strukturveränderung in der Steiermark keine spektakulären Ereignisse erwartet werden können. Man wird vielmehr - und das wurde bei den Förderungsüberlegungen vielfach übersehen - trachten müssen, größtes Augenmerk auf den Bestand von bewährten und alteingesessenen Firmen zu legen, um zu gewährleisten, daß diese wirtschaftlich arbeiten und florieren können. Es zeigt sich nämlich immer mehr, daß die Struktur eigentlich gar nicht so schlecht sein kann, wenn sich, wie auch die Konjunkturumfrage der Vereinigung österreichischer Industrieller, Landesgruppe Steiermark, zum Stichtag 10. April 1980 gezeigt hat, die steirische Industrie immer wieder im Wettbewerb auch auf internationalen Märkten bewährt und ihren Mann stellt.

Hier kommt ein traditionell gewachsenes Unternehmertum vorwiegend in Mittel- und Kleinbetrieben mit einer fleißigen Mitarbeiterschaft zu Ergebnissen, die durchaus erfreulich sind und in einigen Unternehmungen auf dem Gebiet der industriellen Forschung und Entwicklung weltweit anerkannte Spitzenleistungen aufweisen. Man darf sich dabei allerdings keiner Illusion hingeben, und darf auch nicht verschweigen, daß trotz Erscheinungen einer Mengenkonjunktur, wie sie kurzfristig von den Industriebetrieben erwartet wird, sich seit einiger Zeit eine gefährliche Entwicklung anbahnt. Durch den steigenden Kostendruck und durch die Schwierigkeit, diesen auf die Preise zu übertragen, wird die Eigenkapitaldecke in erschreckendem Maß kleiner.

Trotz dieser Entwicklung ist die steirische Unternehmerschaft bereit, ihrer volkswirtschaftlich so eminent wichtigen Aufgabe - sie wird allzu oft geringschätzig angesehen - auch in den achtziger Jahren mit unermüdlichem Einsatz nachzukommen. Wenn man die Frage stellt, ob die steirische Industrie für die kommenden Jahre bereit ist, ist diese zu bejahen. Dieses positive Bekenntnis jedoch kann nur dann von der Wirklichkeit bestätigt werden, wenn die entsprechenden Rahmenbedingungen, für die Wirtschafts- und Sozialpolitik zuständig sind, geschaffen werden. Die Unternehmungen müssen von dem bereits gefährlich großen Steuerdruck entlastet werden.

Eine weitere Voraussetzung wird auf dem Gebiet der Lohnpolitik liegen müssen. Nur bei längerem Verzicht auf Reallohnerhöhungen können sich die

Industriebetriebe von der Kostenbelastung etwas erholen. Wenn darüber hinaus auch die weiteren Wünsche der Industrie, wie sie vor allem im Programm 80 der Vereinigung österreichischer Industrieller niedergelegt sind, weitgehend in der Politik Berücksichtigung finden, wird man auch in der stei-rischen Industrie optimistisch in die Zukunft blicken können. Herausforderungen, die sich unvorhergesehen durch Entwicklungen auf dem Energiesektor oder in der Weltwirtschaft im Zuge politischer Ereignisse ergeben, wie sie sich düster am Horizont abzeichnen, konnten in dieser Perspektive selbstverständlich nicht ins Kalkül gezogen werden.

Der Autor ist Vorsitzender der Landesgruppe Steiermark der Vereinigung österreichischer Industrieller.

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