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„Wer ein Buddha der strenge Herz und werden will, Körper an“

1945 1960 1980 2000 2020

Europa schickt seine Manager zum Studium nach Japan. Viele Länder bemühen sich um wirtschaftliche Kooperation mit dem Inselstaat. Was läßt diese Nation so erfolgreich sein?

1945 1960 1980 2000 2020

Europa schickt seine Manager zum Studium nach Japan. Viele Länder bemühen sich um wirtschaftliche Kooperation mit dem Inselstaat. Was läßt diese Nation so erfolgreich sein?

Seit sich Japans wirtschaftliche Erfolge als etwas Beständiges und nicht nur als eine auf bloßen historischen Zufall und besonders günstige Umstände zurückzuführende, rasch vorübergehende Erscheinung herausgestellt haben, wird immer wieder die Frage nach den geistig-religiösen Wurzeln für diese beeindruckende Entwicklung gestellt.

Als europäischer Wissenschaftler ist man versucht, in Anlehnung an Max Weber nach einer japanischen Parallele zur protestantischen Ethik, einem Äquivalent zum Calvinismus in japanischem Gewand Ausschau zu halten. Auch japanische Weberianer gingen diesen Weg, und bereits 1941 glaubte der Soziologe Naitö Kanji in der vor industriellen Zeit unter den Kaufleuten von Omi, einer Kyoto benachbarten Provinz am Biwa-See, eine für die Entwicklung des Kapitalismus notwendige Ethik ausfindig gemacht haben zu können.

Die Wanderkaufleute aus Omi waren wegen ihrer Hartnäckigkeit und ihres Durchsetzungsvermögens bei der Erzielung größtmöglicher Profite im ganzen Land bekannt. Gleichzeitig galten sie als besonders tief gläubige Buddhisten der Shin-Sekte, einer zu

Beginn des 13. Jahrhunderts von Shinran (1173-1262) gegründeten Sekte. Shinran ist der große buddhistische Reformator Japans und zugleich Begründer des eigentlichen japanischen Volksbuddhismus, der die Erlösung wie sein Lehrer Honen (1133-1212) nicht durch eigene Kraft, also durch Mönchsleben und Meditation sucht, sondern diese allein dem Amida Buddha zuschreibt.

Die Beweggründe dieses Martin Luther vergleichbaren Mannes lagen in der größtmöglichen Rationalisierung und Vereinfachung der religiösen Theorie und Form, in der Konzentration auf einfache Frömmigkeit, in der Zurückweisung des Ritualismus und der Betonung der Erlösung für jedermann. Eine einzige vertrauensvolle Anrufung Amida Buddhas genüge diesem Zweck. Shinran selbst heiratete, gründete eine Familie, hielt sich nicht an das Fastengebot und lebte wie ein normaler Bauer.

Da die religiöse Übung extrem einfach ist, wird das ethisch-religiöse Verhalten im täglichen Leben genau reguliert und in die Religion integriert. „Wenn wir uns geschäftlich betätigen, so geschieht das als Dienst am Buddha“, verkündete der achte Patriarch Rennyo (1415-1499). Auch aus späterer Zeit liegt uns eine Reihe von Belegen vor, daß das Berufsleben alseine dienende Tätigkeit im Geiste der Barmherzigkeit ausgeführt wurde.

Da dem weltlichen Berufsleben solcherart religiöse Bedeutung beigemessen wurde, waren Ehrlichkeit und Gerechtigkeit im Handelsverkehr zu erwartende Begleiterscheinungen. Ebenfalls erwähnenswert scheint, daß die Wirtschaftsethik der Shin-Sekte ausgeprägt asketische Züge aufweist. Sparsamkeit, schlichte Kleidung und einfache Mahlzeiten galten als selbstverständlich, und an den Gewinnen des Handels sollte man auch andere teilhaben lassen.

Die zweite buddhistische Sekte, die im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Entwicklung immer wieder genannt wird, ist die Zen-Sekte, die bei uns einseitig lediglich unter dem Aspekt der Meditation bekannt ist. Insbesondere der Mönch Suzuki Shösan (1579-1655) und seine Anhänger vertraten Auffassungen, die durchaus kapitalistische Züge aufwiesen. Entgegen der herkömmlichen Betonung der Versenkung und des Sutren-Rezitie-rens besteht danach die Übung des Buddhaweges im vollkommenen Aufgehen im weltlichen Berufsleben: „Jeder Beruf stellt eine Ausübung des Buddhaweges dar. Alle Leute können bei der Verrichtung ihrer täglichen Arbeit die Buddhaschaft erlangen. Es kann dabei keinen Beruf geben, der außerhalb des Buddhaweges läge, da alle Berufe der Welt zugute kommen.“

Einem Bauern, der wegen seiner schweren Arbeit keine Zeit für die Meditation findet und dar-ob besorgt ist, gibt Suzuki den Rat: „Es ist ein Fehler, sich Freizeit zu verschaffen, um nach dem Leben nach dem Tode zu streben. Wer unbedingt ein Buddha werden will, der strenge Herz und Körper an!... Schindet euch in Kälte und Hitze; lernt, mit Hacke, Pflug und Sichel umzugehen; macht den Körper und das Herz, dieses Gestrüpp des Irrens, zu eurem Feind; pflügt und erntet! Bestellt das Feld, indem ihr euer Herz nicht schont! Habt ihr freie Zeit, so wächst währenddessen nur das Gestrüpp des Irrens. Wenn ihr Mühen auf euch nehmt, Körper und Herz nicht schont, dann hat euer Herz keinen Kummer. So geht man zu jeder Zeit den Buddhaweg. Welchen Buddhaweg sollte ein Bauer denn sonst auch gehen? ... Wer mit der Einstellung das Feld bestellt, daß jeder Spatenstich ein Namu Ami-dabutsu (einfachste Anrufung) ist, der wird die Früchte des Buddhaweges erlangen.“

Ähnlich wie dem Buddhismus Die Konfuzianer lehrten die Bauern lesen und schreiben wird auch dem Konfuzianismus, die für den ostasiatischen Raum wichtigste Soziallehre, gewöhnlich keine stimulierende Wirkung auf die Wirtschaft nachgesagt. Sein Konservativismus, die strengen hierarchischen Vorschriften in den zwischenmenschlichen Beziehungen, die Beachtung der Tradition, die Hinwendung zur Vergangenheit und die Verknüpfung mit dem jeweils herrschenden politischen System zu dessen Absicherung rufen bei uns eher Vorstellungen von Stagnation und Korruption hervor als von einer der Wirtschaft förderlichen gesellschaftlichen Dynamik.

Diese Sichtweise hat sich in den letzten Jahren insofern geändert, als man erkannte, daß Japan und einige im raschen wirtschaftlichen Aufstieg befindliche Länder Ost- und Südostasiens eben diese konfuzianische Tradition gemeinsam haben, daß also die Einflüsse der Lehren des Konfuzius auf die Wirtschaft offenbar nicht nur negativ sein können.

Für die wirtschaftliche Entwicklung wichtig waren die von einem solchen empirischen Geist beseelten Agrarschriften, von denen hier nur Miyazaki Anteis N6-gyö zensho (Enzyklopädie der Landwirtschaft, 1697) und Okura Nagatsunes Nöqu benri ron (Uber die Zweckmäßigkeit der landwirtschaftlichen Geräte, 1822) exemplarisch herausgegriffen werden sollen, die den jeweiligen Wissensstand über die Landwirtschaft brillant zusammenfaßten. Die von den Konfuzianern ins Lesen und Schreiben eingeweihten Bauern konnten den Inhalt dieser Werke auch in die Praxis umsetzen.

Daß um die Mitte des 19. Jahrhunderts etwa 40% der Männer und 15% der Frauen schreib- und lesekundig waren, ist zweifellos ein großes Verdienst des Konfuzianismus, auf dem die nachfolgende Modernisierung Japans aufbauen konnte.

Nicht minder wichtig ist die durch den Konfuzianismus vermittelte Arbeitsethik, die wohl hauptverantwortlich ist für den berühmten Fleiß der Japaner und der Ostasiaten überhaupt. Japanischer Fleiß wird am besten symbolisiert durch Ninomiya Sontoku (1787-1856), einen einfachen Bauernsohn, der durch seinen unermüdlichen Fleiß den Aufstieg zum ersten Berater eines Fürsten schaffte. Bis 1945 war vor vielen japanischen Schulen eine Statue dieses volkstümlichen Helden aufgestellt, die ihn mit einem Bündel Holz auf dem Rükken, vom Walde heimkehrend, in die Lektüre eines Buches vertieft 'zeigt.

Der Ahnenkult wiederum, in dem sich Elemente des Buddhis-• mus, Konfuzianismus und Shin-toismus finden, verpflichtet das Individuum, seinen Vorfahren die ihm von diesen erwiesenen Wohltaten zurückzuzahlen, was natürlich am besten erledigt wird, wenn man seine Pflichten getreulich erfüllt und versucht, zu möglichst großem Reichtum zu gelangen. Ist man erfolgreich, kann man nicht nur seinen eigenen Eltern einen ruhigen Lebensabend sichern, sondern man bringt auch Ehre über die ganze Familie einschließlich der Ahnen. So gesehen kann auch der Ahnenkult auf der individuellen Ebene eine enorme mo-tivatorische Kraft entwickeln.

In der vorindustriellen Zeit standen alle Dorfbewohner unter dem Schutz einer lokalen Shintö-Gottheit. Eine nationale Shinto-Organisation wurde erst nach der die Modernisierungsbestrebungen im 19. Jahrhundert einleitenden Meiji-Restauration von 1868 ins Leben gerufen. Sehr geschickt verstanden es damals die regierungsnahen Ideologen, das exklusive Denken, das unter den Dorfbewohnern gegenüber Leuten von außen geherrscht hatte, nun auf die Nation zu übertragen, an deren Spitze wieder der Tennö, der direkte Nachkomme der Sonnengöttin Amaterasu und Ahnherr aller Japaner, stand. Mit diesem historischen Bewußtsein ausgestattet, sollten sich die Japaner einzigartig und den anderen Völkern überlegen fühlen.

Um diese Überlegenheit auch den anderen Nationen vor Augen zu führen, war aber ein militärisches und wirtschaftliches Erstarken nötig, weshalb möglichst rasch das kapitalistische System übernommen und mit staatlicher Unterstützung die Industrialisierungsphase eingeleitet wurde. Damit war der Nationalismus als neue Triebkraft für wirtschaftliches Handeln ins Spiel gekommen.

Nach 1945 hielten viele den j apanischen Nationalismus oder Nip-ponismus für tot, doch es gibt eine Reihe von Japan-Experten, die die wirtschaftlichen Erfolge gerade mit einem neuen Nipponismus begründen.

Durch die Niederlage und die auferlegte Friedensverfassung gezwungen, künftig auf jegliche direkte militärische Aktionen zu verzichten, hätten die Japaner ihre Aktivitäten auf den wirtschaftlichen Wettbewerb konzentriert, um ihre Revanchegelüste gegenüber den USA zumindest auf diesem Gebiet befriedigen zu können. Die Tatsache, daß viele Offiziere nach dem Krieg in Führungspositionen der Wirtschaft ein neues Betätigungsfeld fanden, gibt dieser Hypothese eine Basis.

Auch zeichneten sich japanische Firmen bei der Eroberung fremder Märkte durch ein langfristiges strategisches Vorgehen aus. In diesem Zusammenhang von Interesse ist vielleicht die Bemerkung des Gelehrten Honda Toshiaki (1744-1821): „Außenhandel ist ein Krieg, in dem jede Partei versucht, der anderen ihren Reichtum wegzunehmen.“

Der erfolgreiche Wiederaufbau nach 1945 und das rasante Wirtschaftswachstum seit 1955 führten nicht nur im Ausland, sondern auch in Japan zu einer verstärkten Beschäftigung mit Japan. Man begann zu fragen, was die Japaner von anderen, Nationen auszeichne. Die Antworten lauteten, daß die Japaner eben ein zigartig seien. Daß aus solchen Erklärungen wieder ein Uberle-genheitsgefühl resultiert, ist verständlich.

Der Autor ist Vorstand des Instituts für Ja-panologie an der Universität Wien.

DIE UPR DER WIENER ALLIANZ -

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