Das wahre Gesicht gezeigt

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Über (Selbst-)Entlarvungen in der Politik.

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Über (Selbst-)Entlarvungen in der Politik.

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„So sind wir nicht“, meinte der Bundespräsident damals, nach Ibiza. Das war richtig – und doch auch falsch: Natürlich sind wir so. Nicht alle und immer, aber manchmal eben doch: ein bisserl korrupt, ein bisserl verschlagen, ein bisserl größenwahnsinnig. Damals, in dieser neureichen Villa auf Ibiza, hat sich eine ziemlich österreichische Visage ziemlich offenherzig gezeigt.

Andere präsentieren ihr wahres Gesicht sogar auf offener Bühne: die Klimaministerin etwa, die alle greifbaren rechtlichen Hebel in Gang setzte, um im letzten Moment die EU-Renaturierungsverordnung zu retten. „Die Grünen haben ihr wahres Gesicht gezeigt“, meinte daraufhin der Kanzler. Ob diese schonungslose Entlarvung für die kleinere Regierungspartei der Todesstoß oder die beste Wahlkampfhilfe aller Zeiten war, wird sich noch zeigen. Die Verfassungsministerin hat sicherheitshalber schon einmal ihr wahres Gesicht gezeigt und vor einem „weiteren Diktat aus Brüssel“ gewarnt.

Dort, also in Europa, wundert man sich über Österreichs Janusköpfigkeit inzwischen wohl gar nicht mehr. Neuerdings können wir ja sogar Fußball spielen, in Berlin haben wir diese Woche unser wahres Gesicht gezeigt.

Fast könnte man ein bisserl größenwahnsinnig werden. Aber wir sind ja nicht so.

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