Auch wenn sich ein Ex-Bundeskanzler abfällig über die Steinzeit ge­äußert hat, sollten wir überlegen, ob wir nicht Impulse von ihr erhalten könnten. Zumal ihr Erbe in den Mechanismen unseres Körpers abgelegt ist. Magersuchtmodels etwa waren damals nicht en vogue. Stattdessen bewunderte man üppige Leibesfülle. Man sieht das an der Venus von Willendorf, der „alten Dame“ der heimischen Museumslandschaft. Dass die rätselhafte Steinfigurine nicht wie bisher vermutet aus Österreich oder Tschechien, sondern aus Italien stammt, haben Forscher der Uni Wien nun nahegelegt: Am schönen Gardasee soll ihr Ursprung liegen. Steinzeitliche Jäger und Sammler hatten also schon eine jahrelange Fußreise zurückgelegt, bevor die Statue in der Wachau verlorenging und 1908, rund 30.000 Jahre später, ausgegraben wurde.

Wir können davon ausgehen, dass die Steinzeitmenschen durch ihren Lebensstil von vielen schlechten Ideen abgehalten wurden. Wer sich viel bewegt, hat keine Energie für Gier oder Größenwahn. War die Venus damals ein Glücksbringer? Die Forscher erfüllten sie mit fluoreszierendem Leuchten. Gerade jetzt ist sie ein Symbol der ganzen Menschheit. Denn ihre Brüste nähren das Leben, nicht den Tod.

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