Kickl & Corona: Hoch zu Ross

Wie eine Schlange hebt die Pandemie ihr Haupt; wieder zischt sie gefährlich. Aber nur einer kennt das Gegengift. Andere mögen Schultern schließen; der Blaue reitet einsam und heroisch. Hoch zu Ross, fletscht er die Zähne wie sein Gaul. Das
miese Trauen ist sein Geschäft. Ihn dünkt, er hört einen ganzen Chor von 100.000 Narren sprechen. Keine Impfung braucht’s, woanders liegt das Mirakel: Es ist der Stoff, den man dem Pferde gibt und dem Rindvieh auch, um die Würmer auszutreiben. Drüben in Amerika warnt schon die Behörde: „Du bist kein Pferd. Du bist keine Kuh. Hört auf damit!“ Doch solche Wissenschaft weckt bei ihm nur wieherndes Gelächter. Wie verdreht die Gelehrten reden – verfluchte Dilettanten! Auf die Straße, raus die Klage: Galoppieren will er wieder, mit der wehenden Fahne, auf der die Freiheit steht. Und zertrampeln, was öde Vernunft erreicht. Er giert nach Stärke, Pferde­stärke, und grast auf Weiden, wo winkt die Wählergunst. Ach, Corona: Andere Länder mögen der Pandemie Herr werden und das gekrönte Schlangenhaupt in Grund und Boden stampfen; Österreich lauscht glücklich einem Pferdeflüsterer. Was den wohl wieder geritten hat?

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