Zugespitzt

Klasse für Ideen

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Montag dieser Woche war Alice Schwarzer in Wien, um an der Angewandten zu sprechen. Nun ist es für die Feminismus-Ikone nicht gerade neu, dass manchen Leuten das, was sie sagt, nicht gefällt. Man könnte die Produktion von Shitstorms sogar als Schwarzers ureigenstes Geschäftsmodell bezeichnen. Nur hat sich der Soziotyp der Erregten seit ihrer Stern-Kampagne „Wir haben abgetrieben!“ von 1971 verändert – so sehr, dass wohl selbst Schwarzer nicht mehr weiß, in welchem (falschen) Film sie sich befindet. Weil sie sich „mehrfach sexarbeitsfeindlich, transphob und antimuslimisch-rassistisch geäußert“ habe (typisch alte, weiße Frau!), sei ihre Einladung untragbar, proklamierte die Studierendenvertretung. Es brauche einen ­safe space für den Diskurs. Dabei hatte Matthias­ Spaet­gens als Leiter der „Klasse für Ideen“ mit Schwarzer gar nicht über Prostitution oder Kopftücher parlieren wollen, sondern nur darüber, wie Werbung wirkt – und wie das „Tampon Book“ die deutsche Steuer auf Hygiene­produkte senken konnte. Gute Idee. Aber wer garantiert eigentlich, dass nicht auch hier dem einen oder anderen unwohl geworden wäre? Nirgends kann man sich mehr sicher sein, nicht einmal an der Universität.